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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 21:31 Uhr

Brüel : Disziplin, Konzentration und Spaß

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

In der Brüeler Schützengilde 1425 besteht wieder eine aktive Jugendgruppe. Eltern haben Vorbehalte wegen des Umgangs mit Waffen.

von
erstellt am 24.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Wenn sie mittwochs zusammenkommen, wird erst einmal gescherzt, gelacht, ein wenig herumgealbert. Doch damit ist sofort Schluss, bevor jemand eine Waffe in die Hand nimmt. Disziplin ist beim Training oberstes Gebot, „und auch Gehorsam“, betont Annett Vollmann. Die 40-Jährige hat mit Norbert Linsel (61) die Jugendgruppe der Brüeler Schützengilde 1425 e.V. neu belebt.

Aktuell gehören ihr sieben Mädchen und Jungen zwischen zwölf und 17 Jahren an. Zu den Vereinsmitgliedern kommen Schüler der Arbeitsgemeinschaft (AG) an der Regionalen Schule Brüel. Als Mindestalter gelten zwölf Jahre. Wer früher Sportschütze werden möchte, braucht ein ärztliches Attest. Geschossen wird mit dem Luftgewehr, ab 14 Jahre auf eigenen Wunsch auch mit dem Kleinkaliber (KK). Zum Schützenfest Ende August erhielt die Jugendgruppe ein hochmodernes Luftgewehr, gesponsert von der Sparkasse Parchim-Lübz.


Für Neustart viel Erfahrung mitgebracht


Etwa Mitte der 1990er-Jahre habe es schon eine aktive Brüeler Jugendgruppe gegeben, „doch lange ist’s her“, so Vollmann. Den Neustart hatte dann Norbert Linsel gemacht. Der Vereinsvorsitzende Volker Peters habe ihn dazu „belatschert“. Aus gutem Grund, Linsel brachte viel Erfahrung aus Warin mit, einer Hochburg im Sportschießen. Aus dem Verein kamen DDR-Meister, nach der Wende Landes- und Deutsche Meister. Auch seine drei Söhne, so Linsel, seien im Sportschießen gewesen und das mit Erfolg. „Ich habe 1971 mit Skeet (Schießen auf Wurftauben/d.A.) angefangen. Als ich mich dann nicht länger zur NVA verpflichten wollte, war für mich Schluss. 1997 bin ich wieder als Trainer eingestiegen, zuerst für Luftgewehr und Laufende Scheibe, dann auch für KK-Gewehr und Trap“, sagt Linsel, der in Klein Labenz wohnt. Doch der Wariner Schützenverein musste 2011 aufgeben, weil die Forderung von Behörden, ein Gutachten über möglichen Eintrag von Bleischrot am Schießplatz Graupenmühle in Auftrag zu geben, nicht zu erfüllen war. Dafür benötigte 10  000 Euro konnte der Verein einfach nicht aufbringen.

Annett Vollmann gehört der Brüeler Schützengilde erst sechs Jahre an. „Ich war vorher mal beim Schützenfest. Das hat Spaß gemacht, ich hatte aber auch Respekt vor Waffen. Durch meinen Papa kam ich dann in den Verein, wurde bei der Weihnachtsfeier gefragt.“

Heute sei das Ehrenamt für sie Ablenkung vom Alltag. Norbert Linsel möchte, „dass die Kinder Erfolg haben“. Doch für die Sportschützen Nachwuchs zu gewinnen, sei schwierig. Viele Eltern hätten Vorbehalte oder gar Ängste wegen des Umgangs mit Waffen. Doch die seien nirgends so sicher wie im Verein, beteuern beide Trainer, die über eigene Waffen verfügen. Die Jugendgruppe nutze auch Gewehre vom Verein. Die seien unter Verschluss in Panzerschränken. Das Ordnungsamt des Landkreises überprüfe das.

Die Brüeler Schulleiterin Christina Schuhmann habe gleich ein offenes Ohr gehabt, als die Arbeitsgemeinschaft gebildet werden sollte. „Sie ist die Tochter von meinem damaligen Trainer Alfons Hoppe. Als ich sie sah, wusste ich gleich, wer sie ist“, erzählt Linsel schmunzelnd.

Tom Eugen Steffens kam vor anderthalb Jahren über die AG zum Verein. „Ich dachte, ausprobieren könnte ich das mal. Meine Oma hatte mich darauf gebracht, sie hat mal geschossen. Es hat mir gleich Spaß
gemacht“, sagt der 14-Jährige. Er finde es in Ordnung, sich dabei an Regeln halten und konzentrieren zu müssen. „Wer hier quer schießt, bekommt Ärger.“ Computerspiele mit sinnloser Ballerei seien nichts für ihn und würden seine Eltern gar nicht erlauben. Nun locke ihn die Teilnahme an Meisterschaften, sagt Tom. „Dafür muss ich mich noch
ganz schön anstrengen.“

Florentine Vollmann ist mit 17 Jahren die älteste und derzeit erfolgreichste Sportschützin der Brüeler Jugendgruppe. Sie wurde drei Mal hintereinander Jugendschützenkönigin im Verein, in diesem Jahr Vize-Kreismeisterin – gleichzeitig mit Larissa Gehm in einer jüngeren Altersklasse – und Landesmeisterin. Die Erfolge würden darüber hinweg helfen, wenn ihre Mutter zu viel Druck mache und sie überhaupt „keinen Bock“ habe, sondern lieber mal anderen Interessen nachgehen oder sich mehr um ihre Bewerbung für eine Ausbildung als Kfz-Mechatronikerin kümmern würde. „Wobei sie „mit Wut im Bauch“ ihre besten Wettkämpfe abliefere.

Natürlich solle das Sportschießen auch Freude machen, neben Disziplin, Gehorsam und Konzentration der Spaß nicht zu kurz kommen, sagt Annett Vollmann, demnächst etwa zu Halloween.

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