Sternberg : „Distelhof“ mit Leben erfüllen

Auch in der zum alten Gutshaus gehörenden Scheune haben Judith Bartels und Thomas Hansen vom Associata Assistenzhunde e. V. einiges vor, wie die Einrichtung einer kreativen Werkstatt.
Auch in der zum alten Gutshaus gehörenden Scheune haben Judith Bartels und Thomas Hansen vom Associata Assistenzhunde e. V. einiges vor, wie die Einrichtung einer kreativen Werkstatt.

Sternberger Associata Assistenzhunde richtet in der Prignitz im ehemaligen alten Gutshaus ein Veranstaltungszentrum ein

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12. Januar 2018, 06:00 Uhr

Sargleben/Sternberg Im alten Gutshaus in Sargleben, das 1874 erbaut wurde, ist wieder Leben eingezogen. Judith Bartels und  ihre drei Kinder haben dort ein neues Zuhause gefunden. Es wird gewerkelt, gemalert,  neue Steckdosen installiert und, und, und. Aber es ist nicht nur das neue Zuhause der vier, die aus dem mecklenburgischen Alt Jabel im Dezember hierher gezogen sind. Es ist auch der Standort des künftigen Veranstaltungs- und Projektzentrums des Associata Assistenzhunde e.V. aus Sternberg/Zülow.

„Wir haben ein Domizil gesucht, hatten ein Objekt in Malk Göhren im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Aussicht, aber das hat sich zerschlagen. Durch Zufall sind wir durch eine Kleinanzeige auf dieses Objekt gestoßen. Dann war es das“, sagt Ilona Bartels, Vorstandsmitglied im Verein. „Und für mich stand fest, das Objekt muss so groß sein, dass ich mit meinen Kindern dort hinziehe“, erzählt Judith Bartels, die ausgebildete Assistenzhundetrainerin und zusätzlich Sozialpädagogin ist. Das Haus trägt den  Namen „Distelhof“ –  abgeleitet von  „ssare-glaba“ aus dem Wendischen – Ursprung für Sargleben und bedeutet „Distelfeld“.

Und die rund 350 Quadratmeter im Erd- und Obergeschoss bieten eine Menge Platz. Der Vorstand des erst im November 2016 gegründeten Vereins hat  in Sargleben, das in der Prignitz im Land Brandenburg liegt,  eine Menge vor. „Es  soll hier ein Kompetenzzentrum entstehen“, so Judith Bartels. Einfach ausgedrückt: eine Begegnungsstätte   für Betroffene – Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen –  und Nicht-Betroffene. „Wir als Verein haben uns das Thema Inklusion auf die Fahne geschrieben“, erklärt Mitglied Thomas Hansen. Das ist die eine Seite der Vereinsarbeit, die andere widmet sich um die Anerkennung von  Assistenzhunden. Das klassische Beispiel eines solchen ist der Blindenführhund – aber bei weitem nicht das einzige. „Für viele Betroffene wie  zum Beispiel Diabetiker oder Menschen mit posttraumatischen Störungen ist der Assistenzhund die letzte Hoffnung am öffentlichen, sozialen Leben teilzuhaben“, erklärt Judith Bartels und führt aus: „Wir brauchen eine klare Definition vom Gesetzgeber, was ein Assistenzhund haben muss, eine Regelung zur Feststellung, wer einen Assistenzhund als Begleiter   beantragen kann und auch eine Regelung in Bezug auf die Trainerausbildung. Es muss alles einmal einheitlich geregelt werden.“ Und Thomas Hansen, der jahrzehntelang  in der Krankenversicherungsbranche tätig war,  ergänzt: „Assistenzhunde sind im Sozialwesen noch eine Nische und es ist derzeit wegen der fehlenden rechtlichen Grundlage  sehr schwierig,  dass Krankenversicherungen die Finanzierung übernehmen.“

Das heißt, die Betroffenen müssen selbst den Assistenzhund und dessen Ausbildung bezahlen, was die meisten sich nicht leisten können. Zumeist läuft die Finanzierung über Spenden. Da kann der  gemeinnützige Verein, der 20 Mitglieder zählt,  zumindest helfen, was Spendenquittungen betrifft. „Wir haben einige Unterstützer, die nicht Mitglied sind“, sagt Ilona Bartels. Und der Verein steht Betroffenen zudem beratend zur Seite. „ Es kommt in erster Linie darauf an, den Betroffenen in die Lage zu versetzen, dass er für sich eine Entscheidung treffen kann. Welchen Hund möchte ich, zum Beispiel groß oder klein?“, so Judith Bartels, die sich  neben der „Lobbyarbeit“ um diese Belange kümmern und die Assistenzhundeausbildung zurückstellen wird.

Und dazu soll auch das Kompetenzzentrum dienen.  Der Begegnungsraum  ist bereits gemütlich hergerichtet. Weitere Räume im Erdgeschoss werden derzeit  zu Seminarräumen  und Kreativraum aufgemöbelt. Im Obergeschoss sollen für künftige Seminarteilnehmer Zimmer hergerichtet werden. Auch die Scheune wird in das Gesamtprojekt miteinbezogen. 

Der Verein versucht, solche Projekte über Spenden oder aber auch über Fördergelder zu realisieren. Für den Kreativraum erhielt er eine Zusage von einer niederländischen Lotterie. Für eine feste Rampe am Eingangsbereich wurde ein Förderantrag gestellt.

Wer Interesse hat, sich anzusehen, was jetzt in Sargleben entsteht,  ist herzlich zum Tag der offenen Tür am Sonnabend, 20. Januar, von  15 bis 18 Uhr willkommen.

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