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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. September 2017 | 10:17 Uhr

Neuhof/Bibow : Disput um Pferde-Krematorium

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Für Neuhofer Investor steht Projekt aktuell „wegen des Gegenwinds nicht auf Prioritätenliste“. Bauvoranfrage beim Landkreis läuft weiter

von
erstellt am 22.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Das Thema bewegt die Gemüter. In Neuhof, einem Ortsteil der Gemeinde Bibow, plant ein Investor ein Tierkrematorium mit dem Schwerpunkt Pferd. Es wäre in Deutschland ein Novum.

Aktuell läuft beim Nordwestkreis die Bauvoranfrage. „Sie ist bei uns am 28. November 2016 eingegangen“, so der Dezernatsleiter für Umwelt und Bau, Peter Hamouz, gegenüber SVZ. Dazu gehört auch ein Luftbild, den Standort des Vorhabens betreffend.

Investor ist laut Kreisverwaltung Susanne Pils-Bochdansky aus Neuhof. Sie und ihr Mann Herbert Pils, aus dem Inn-Viertel in Österreich, kauften das Neuhofer Herrenhaus und wohnen seit Dezember 2014 im „Schloss Neuhoff“.

Nicht weit davon entfernt, wo jetzt Weiden stehen, und im Abstand von höchstens 500 Metern zu weiteren Wohngebäuden, ist der geplante Standort des Pferdekrematoriums – mit einer Größe von 40 mal 17,5 Metern. Von Seiten des Investors erklärte Herbert Pils gegenüber SVZ, es gebe zur Thematik „nichts Berichtenswertes. Weil das Thema wieder eingestampft wurde. Es steht nicht auf der Prioritätenliste“. Angesichtes des „Gegenwindes, der da weht, muss ich erst einmal in mich gehen. Es ist noch nicht der Zeitpunkt gegeben“, so Pils.

Bürger fragt: „Wer, wann, in welchem Ausmaß?“


Auf der Gemeindevertretersitzung in der Vorwoche war das Thema nach Antrag von Harald Lehmann mit Mehrheitsbeschluss vom nichtöffentlichen Teil der Sitzung in den öffentlichen geschoben worden – mit der Maßgabe, Namen möglicher Investoren nicht zu nennen. Zugleich wurde Einwohnern Rederecht erteilt. Klaus Suderow fragte: „Wer, wann, wie und in welchem Ausmaß ist hier was mit dem Tierkrematorium geplant? Wie sieht es mit der Geruchsbelästigung aus?“ Und Barbara Reimer ging auf den dadurch „enorm steigenden Lkw-Verkehr“ im Ort ein und meinte, „dass so was in ein Gewerbegebiet gehört und nicht ins Dorf“.

Die Gemeindevertretung versagte im Anschluss mit 4:0 Stimmen das „gemeindliche Einvernehmen“. Daran muss sich der Landkreis aber nicht halten.

Dieser wolle die Bauvoranfrage „jetzt zügig bescheiden“, so Dezernent Hamouz gegenüber SVZ. Nach einem Positivbescheid hätte dieser drei Jahre Bestandsschutz. Eine Baugenehmigung sei das laut Dezernent aber nicht, „die muss neu beantragt werden“.

Herbert Pils lässt die Bauvoranfrage weiter laufen und „wartet das Ergebnis ab“. Nach dem SVZ-Anruf habe er ein längeres Gespräch mit dem Finanzinvestor geführt – und „gemeinsam das Projekt auf Eis gelegt. Er hätte sich sehr gefreut, wenn er uns hätte helfen können“, so Pils, der anmerkte: „Ich wollte der Region eigentlich etwas Gutes tun. Das hätte sieben Arbeitsplätze auf Dauer gesichert“, betonte er und sagte zur befürchteten Geruchsbelästigung: „Heutzutage gibt es derartige Filtertechniken, da riecht man nichts mehr. Ich habe mir ein neues Pferde-Krematorium in der Schweiz angesehen, mitten in einem Tourismusort“.

 

Neue Gesetzeslage seit 12. Februar

Am 12. Februar 2017 trat in Deutschland eine Gesetzesänderung in Kraft, die es erlaubt, Pferde in einem Tierkrematorium einäschern zu lassen. Bisher gab es für Pferde, als Nutztiere eingestuft, keine Ausnahmen von der Beseitigungspflicht für Tierkadaver. Nunmehr können  deutsche Pferdehalter bei der zuständigen Behörde die Einäscherung ihres Pferdes beantragen.  Bisher  war die Kremierung ganzer Pferde nur im Ausland möglich: Niederlande,  Frankreich oder Dänemark.

In Deutschland gibt es aktuell  wegen der bisherigen Gesetzeslage allerdings kein Tierkrematorium, das  Pferde unzerteilt verbrennen kann bzw. das eigens für Pferde errichtet wurde.  Doch das dürfte sich ändern, bei einem durchschnittlichen Preis von 1000 bis 2000 Euro pro eingeäschertem Pferd rechnen sich die Investitionen durchaus. Krematorien für Kleintiere (bis einschließlich  Hunde) gibt es seit längerem, so seit gut 15 Jahren im Gewerbegebiet Pritzwalk-Falkenhagen an der A 24.

 

Kommentar "Standortfrage" von Roland Güttler

Spezielle Tierfriedhöfe, wo Frauchen oder Herrchen ihren Liebling   begraben lassen, sind nichts Ungewöhnliches; ja längst auch zu einem einträglichen Geschäftsmodell geworden.

 Auch Pferdebesitzer haben häufig ein inniges Verhältnis zu ihrem vierbeinigen Partner. Darum möchten nicht  wenige, dass ihr Pferd später einmal nicht mit anderen Schlachtabfällen zu Dünger, Schmierfett oder Tiermehl  verarbeitet wird. Sie  wünschen sich einen Abschied in Würde – den letzten Weg  für ihr Tier  in ein Pferdekrematorium.

 Bleibt die Frage: Wäre Neuhof  – ohne Gewerbegebiet – der richtige Standort dafür?

 

 

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