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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 06:52 Uhr

Dabel : Die Windmühle vom Rothen Strumpf

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Name allein regt Fantasien an – ein Rundgang voller Geschichte und Geschichten

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 21:26 Uhr

„Windmühle vom Rothen Strumpf“ – das klingt wie aus einem Kinderfilm oder Kinderbuch bzw. einem Märchen. Doch der Name ist ganz real:   So heißt die weit über die Umgebung  bekannte Dabeler Mühle ganz offiziell.  Ihr letzter Müller, der Ende 2014 verstorbene Fritz Döscher, mahlte noch bis 1997 das Korn. „Danach hat er bis vor sieben Jahren, als er 65 wurde und in Rente ging, mit Mehl gehandelt“, erzählt sein Zwillingsbruder Eckhard Döscher.

Der 72-jährige Sternberger weilt seit über einem Jahr fast täglich in Dabel, kümmert sich als Erbe zusammen mit seiner Frau Brigitte  ums technische Denkmal, das u.a. 1981  auf einer 10-Pfennig-Sonderbriefmarke der DDR-Post verewigt wurde. Er  fühlt sich geradezu verpflichtet, sich Fritz’ Lebenswerk anzunehmen. „Damit die Leute nicht sagen: Nun wo der Bruder tot ist, geht alles den Bach runter!“

Früher, als Eckhard Döscher noch bei der Post in Sternberg arbeitete, half er nach Feierabend seinem Bruder aus. „Wir fuhren das Mehl zu den Bäckern – nach Witzin, Tarnow, Bützow, hier gleich mehrere, sowie Güstrow, Teterow, Groß Roge, Laage und Wendorf bei Göhren-Lebbin. Da war ein sehr guter Bäcker“, weiß er.

Auch sonst kennt sich Eckhard Döscher aus, fast so, als wenn er selbst der Müllermeister ist. „In Dabel durfte  nur Roggen vermahlen werden, von Typ 997, 1150 und grob-grob. Die Elde-Mühle Parchim durfte Roggen und Weizen, die Mühle in Brüel Weizen und die Wariner Roggen mahlen“, berichtet Eckhard Döscher. Anders als die Dabeler waren das aber keine Wind-, sondern einstige Wassermühlen.

Die Dabeler Windmühle ist  technisch noch komplett  ausgerüstet. „Wenn man wollte, könnte hier sofort wieder gemahlen werden.“ Im unteren Bereich  befinden sich  die Doppelwalzenstühle zum Vermahlen des Korns. „Einer ist aus den 30ern, den anderen hat sich Fritz  1954 von der Leipziger Messe mitgebracht.“ In  der zweiten Etage befindet sich  der riesige Mahlstein samt dem Läufer. Fritz Döscher hatte beides nach Stilllegung der Produktion auseinander gebaut und nebeneinander gelegt, damit die Besucher eine bessere Vorstellung davon bekommen. Und oben  im Mühlenkopf thront das vier Tonnen schwere Original-Antriebsrad von 1892.

„Drei, vier Mal die Woche  steige ich die vier Treppen mit ihren 56 Stufen bis ganz oben“, sagt  Eckhard Döscher, der als Rentner nie gedacht hatte, nochmals so viel um die Ohren zu haben. So muss er nach Starkregen den im Mühlenkopf hängenden Wassereimer ausgießen. Dass Nass über die Flügel reinkomme, sei normal. Aber es halte ihn auch fit.

Ideen, die Mühle zu Pfingsten nach Jahren wieder mal zu öffnen, hat Eckhard Döscher verworfen. „Erst muss die Erbschaftssteuersache beim Finanzamt durch sein“, dann sei einiges wieder vorstellbar. Dazu müssten sich aber auch andere „voll einbringen“, betont Döscher klipp und klar. Und dann könnten, wie einst zu legendären unvergessenen Zeiten, auch wieder die Dabeler Müllerburschen an alter Stätte aufspielen.

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