Turloff : Die Wiege stand im Forsthof Turloff

Ludwig Stubbendorff bei seinem Olympiasiegerritt 1936 auf dem Trakehner Nurmi.
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Ludwig Stubbendorff bei seinem Olympiasiegerritt 1936 auf dem Trakehner Nurmi.

Auf Spurensuche nach dem hierzulande faktisch unbekannten Doppel-Olympiasieger Ludwig Stubbendorff.

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22. November 2014, 08:00 Uhr

Durch Turloff ist man mir nichts, dir nichts durch. Auf der Landesstraße 091 aus dem zwei Kilometer entfernten Dabel kommend, befindet sich in der Kurve der Forsthof. Heute gehört das Areal zum Gut Wamckow, wie auch das gegenüber der Straße liegende Dammwild-Gehege. Zudem gibt es noch, dicht nebeneinander, zwei weitere Häuser. Das war’s schon.

Doch Glanz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte – oder in dem Fall im winzigsten Flecken. Im Turloffer Forsthof stand vor über hundert Jahren die Wiege des späteren Olympiasiegers Ludwig Stubbendorff! Am zweiten März 1906 zeigte die Hebamme Wilhelmine Göllnitz aus Dabel an, „daß von der Franziska Johanna Luise Henriette Regina Stubbendorff, … Ehefrau des Oberförsters Ludwig Heinrich Friedrich Stubbendorff, … zu Turloff in der Wohnung ihres Ehemannes am vier und zwanzigsten Februar des Jahres tausend neunhundert sechs nachmittags um ein ein halb Uhr ein Knabe geboren worden sei“. Wie damals üblich, wurden diesem erst nach der Taufe am 26. März 1906 in Wamckow „die Vornamen Ludwig Fritz Ernst beigelegt“.

Nach dem Abitur 1924 am Schweriner Fridericianum trat Ludwig jun. dann als Freiwilliger dem 2. (Preußischen) Artillerie-Regiment bei. 1930 aufgrund seiner reiterlichen Begabung zur Kavallerieschule Hannover delegiert, gewann er sechs Jahre darauf bei den Olympischen Spielen von Berlin auf dem Trakehner Nurmi die Goldmedaille sowohl im Einzel als auch mit der Mannschaft in der Military (heute Vielseitigkeit).

Im Raum Hannover sowie Verden ist der Name Stubbendorff auch heutzutage noch allgegenwärtig. So steht in Verden die Stubbendorff-Reithalle. Zu seinem 100. Geburtstag wurde an der „Nurmi-Eiche“ auf der Verdener Rennbahn ein Gedenkstein enthüllt. Und in Soltau ist ein Weg nach ihm benannt.

Hier in der Region hingegen ist der Doppel-Olympiasieger, der als 35-jähriger Major und Kommandeur der „1. Abteilung des Reitenden Artillerie-Regiments“ am 17. Juli 1941 im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront in Priber am Dnjepr fiel, im Grunde genommen unbekannt. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Spurensuche. Eine Spur führte schließlich zum Dabeler Maler und Bildhauer Eckhardt Erbguth. Der heute 91-Jährige wuchs in Wendisch-Waren bei Goldberg auf, wo Vater Fritz 1923 eine Försterei übernahm. Anfang 1933 ging’s nach Dabel. „Mein Vater wurde in Turloff Nachfolger von Oberförster Ludwig Stubbendorff. Dieser wechselte nach der Rückstufung des Forstamtes Turloff zu einer Revierfösterei zum Forstamt Zölkow“, so Erbguth, der hinzufügt: „In der Zeit bin ich Ludwig Stubbendorff jun. mal begegnet, habe aber kein Bild mehr vor Augen.“ Stubbendorff sen. war schon im Kaiserreich ein nicht unwichtiger Mann, findet sich im „Großherzoglich Mecklenburg- Schwerinerischen Staatskalender von 1916“ wieder.

Ein zweiter Zeitzeuge ist Friedrich-Wilhelm Tegler (92) aus Ahrensbök bei Lübeck. Seine Kindheit verbrachte dieser in Dabel. Und dabei habe er „den Olympiasieger ein paar Mal gesehen, wenn der Herr Rittmeister und Leiter der Reit- und Fahrschule der Reichswehr in Hannover gemeinsam mit meinem Vater auf Jagd in Turloff ging“.

Ludwig Stubbendorf war der erste Goldmedaillengewinner aus Mecklenburg. Und der Flecken Turloff ist der kleinste Geburtsort eines deutschen Olympiasiegers! Bis zum Beweis des Gegenteils…

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