Warin : Die Überraschung im Gasthaus

Eine gelungene Überraschung: Zum 70. Geburtstag von Klaus-Peter Wilken (vorn 2.v.r.), seit mehr als 25 Jahren im Wariner „Stadtkrug“ beschäftigt, hatte Gastwirt Manfred Radtke (hi. 3.v.r.) nicht nur die jetzigen, sondern auch ehemalige Kolleginnen eingeladen. Herta Jobs, Waltraud Joost und Annegret Büttner (vorn v.r.) haben am längsten mit ihm zusammengearbeitet, zeitweilig noch im Gasthaus „Zur Linde“, dem heutigen „Hotel am Wariner See“.
Eine gelungene Überraschung: Zum 70. Geburtstag von Klaus-Peter Wilken (vorn 2.v.r.), seit mehr als 25 Jahren im Wariner „Stadtkrug“ beschäftigt, hatte Gastwirt Manfred Radtke (hi. 3.v.r.) nicht nur die jetzigen, sondern auch ehemalige Kolleginnen eingeladen. Herta Jobs, Waltraud Joost und Annegret Büttner (vorn v.r.) haben am längsten mit ihm zusammengearbeitet, zeitweilig noch im Gasthaus „Zur Linde“, dem heutigen „Hotel am Wariner See“.

Als Dankeschön gratulieren zum 70. Geburtstag von Klaus-Peter Wilken auch ehemalige Kolleginnen im Wariner „Stadtkrug“ .

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09. Dezember 2014, 15:52 Uhr

Ein Vorwand musste her, um Klaus-Peter Wilken am arbeitsfreien Tag in den „Stadtkrug“ zu locken. Ob er denn Sibylle (Sibylle Jakobasch, Lebensgefährtin von Gastwirt Manfred Radtke/d.A.) am Nachmittag für kurze Zeit ablösen könnte. Einsatzwillig wie immer sagte der Gefragte sofort zu. Er sei das am Geburtstag gewohnt. Dann der vereinbarte Anruf, jetzt werde es Zeit zu kommen, Sibylle müsse weg. „Mit allen Geschäftsschlüsseln in der Tasche bin ich los. Dass sie was vorhaben, dachte ich mir, aber mit dem, was dann kam, hatte ich überhaupt nicht
gerechnet. Die Überraschung ist vollauf gelungen“, erzählt Hans-Peter Wilken freudig.


Geburtstagslied aus vielen Stimmen


Als er in die Tür kommt, schallt ihm vielstimmig ein Geburtstagslied entgegen. Sein Chef Manfred Radtke hatte nicht nur die jetzigen, sondern auch ehemalige Kolleginnen eingeladen. „Das hat er zu seinem 70. Geburtstag als Dankeschön verdient. Peter ist 25 Jahre hier, als Kellner und Mädchen für alles, war immer ehrlich, pünktlich und einsatzbereit. Ich finde, sowas sollte man besonders würdigen“, meint Radtke, der die Idee zu diesem ungewöhnlichen Präsent hatte. Gerade Ehrlichkeit sei überall im Leben wichtig, zähle in diesem Metier aber noch mehr.

Mit Herta Jobs hatte der nun 70-Jährige die meisten gemeinsamen Berufsjahre, seinerzeit im Gasthaus „Zur Linde“, dem heutigen „Hotel am Wariner See“. „Bei mir hieß er nur ,uns Peti‘. Er war immer nett. Wir hatten auch ein gutes Verhältnis zu den jungen Leuten bei uns. Die
Arbeit in der Gaststätte lief wirklich gut und hat Spaß gemacht. Der Umsatz lag jedes Jahr zwischen 700 000 und 800 000 Mark. Bei 51 Pfennig für ein Bier war das gar nicht so einfach“, meint die 77-Jährige. Klaus-Peter Wilken nickt zustimmend. Herta Jobs sei die gute Seele in der „Linde“ gewesen, von allen „Mama“ genannt, und das heute noch. Selbst Stammgäste hätten sie so angesprochen. Für Annegret Büttner trifft das wörtlich zu, sie ist Herta Jobs’ Tochter. Sie und Wilken reden sich seit jeher mit den Nachnamen an. Das sei mal aus Jux so entstanden und irgendwie hängen geblieben, ganz freundschaftlich. Wie ihre Mutter war Annegret Büttner jahrelang Kollegin und kam am Montag gern zum Dankeschön für den Jubilar.

„Mit der Kellnerei angefangen“ habe er am 12. Oktober 1969, erinnert sich Klaus-Peter Wilken sogar noch an das Datum. Das sei in Weimar gewesen. In der damaligen Erwachsenen-Qualifizierung habe er den Beruf von der Pike auf gelernt. „Das merkt man bei der Bedienung. Er gibt den jungen Leute oft ein Beispiel und hält sie mit an. Sie akzeptieren ihn links wie rechts“, wirft der Gastwirt ein.

Auch vom Anfang im Wariner „Stadtkrug“ weiß Wilken, der in Brüel aufgewachsen ist, noch das Datum: 22. April 1979. Ein Jahr später wechselte er in die „Linde“. Nach der Wende, „als dort viele entlassen wurden“, ging es zurück in den „Stadtkrug“. Wann das war, wisse er allerdings nicht mehr genau. Zwei Tage in der Woche, meist das Wochenende, arbeitet Wilken noch heute, „wenn nötig, auch mal einen Tag mehr“. Tresen und Bedienung seien eins, auch die in der Spielothek gehöre dazu. „So lange ich das gesundheitlich kann, mache ich gern weiter“, sagt der Jubilar.

Der „Stadtkrug“-Inhaber, mit 68 selbst schon im Rentenalter, ist froh darüber. „Wir arbeiten seit Jahren prima zusammen. Es ging immer sachlich und vernünftig zu, gab nie einen Grund zu streiten.“ Wilken bestätigt: „Wenn ihm was nicht passte, hat er das gesagt, und umgekehrt
genauso.“

Manfred Radtke übernahm 1993 den „Stadtkrug“. Bereits 1989, drei Tage nach dem Mauerfall, sei er „aus der Kieler Gegend“, wo er auch Gastwirt war, das erste Mal in Warin gewesen. „Ein Freund, der Spielautomaten aufstellt, wollte sich nach Gaststätten umsehen. In Stralsund haben wir den Ersten aufgebaut. Und ich lernte hier eine tolle Lebensgefährtin kennen. So blieb ich in Warin. Ihr Sohn hatte damals den ,Stadtkrug’. Er hat Koch gelernt und sieht sich nun in der Welt um, derzeit arbeitet er in Finnland“, erzählt Radtke. Er selbst habe hier nie Schwierigkeiten mit den Leuten gehabt. „Das Gerede von Ost und West ist doch Bödsinn.“ Er fühle sich in Warin wohl, auch wegen solcher Menschen wie Klaus-Peter Wilken.

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