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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 13:08 Uhr

Brüel : Die Stadt ist bunter geworden

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Über 2014 und einen Ausblick auf das neue Jahr sprach SVZ mit dem Brüeler Bürgermeister Jürgen Goldberg.

von
erstellt am 04.Jan.2015 | 23:18 Uhr

Zeit für eine Rückschau auf die vergangenen zwölf Monate und einen Ausblick auf 2015: SVZ-Redakteurin Roswitha Spöhr sprach mit dem ehrenamtlichen Bürgermeister der Stadt Brüel Jürgen Goldberg.

Worüber haben Sie sich, Herr Goldberg, 2014 besonders geärgert und worüber besonders gefreut?

Jürgen Goldberg: Bevor ich zu den Freuden und Ärgernissen komme, möchte ich den Einwohnern und Gästen der Stadt mit ihren Ortsteilen Keez, Thurow, Golchen und Necheln ein friedvolles und erfolgreiches 2015 wünschen. Was mich besonders freut, ist die aktive Teilnahme vieler am gesellschaftlichen Leben der Kommune, sei es in den Vereinen, Verbänden oder losen Gruppen; das Mitwirken vieler Bürger bei Entscheidungsfindungen für die Gemeinde, die aktive Gestaltung der Feste, die ehrenamtliche Tätigkeit für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen in sportlichen und kulturellen Bereichen, auch die Betreuung der Senioren ist erwähnenswert. All das macht das Leben hier reicher und auch lebenswerter. Erfreulich ist auch, dass die Zusammenarbeit der Schulen, Vereine und der Stadt gefestigt werden konnte, so ist die Stadt auffallend bunter geworden, was besonders im Frühjahr und Sommer erlebbar ist.

Ein besonderer Dank gebührt den Bürgern, die selbstlos in der Stadt wirken, z. B. Plätze und Flächen sauber halten.

Positiv werte ich, dass die neu gewählte Stadtvertretung mit viel Elan und Initiative kommunale Probleme zu lösen bemüht ist.

Sicherlich ist es ärgerlich, wenn Geschaffenes sinnlos zerstört wird, wie z. B. das von Schülern gepflanzte Gehölz, oder eigener Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt wird - siehe Containerplätze, was Mehrarbeit und Mehrkosten für die Stadt bedeutet. Ärgerlich ist auch, wenn es übermäßig lange dauert, bis Missstände beseitigt sind, weil sich niemand richtig verantwortlich fühlt.
In einem SVZ-Gespräch vor einem Jahr haben Sie gesagt, dass Straßenbau wohl ein ständiges Thema bleibe. Die Erneuerung der Fahrbahn vom Ortsausgang bis zum Parkplatz Roter See könnte nun Wirklichkeit werden. Baustellen sind auch der Alleeweg mit Zugbrücke und die Zuwegung nach Alt Necheln.

Die Erhaltung und Erweiterung der Infrastruktur ist eine ständige Aufgabe. Im Stadtbereich muss endlich die Oberfläche der Fahrbahn Sternberger Straße erneuert werden. Hier wirken wir mit dem Straßenbauamt zusammen. Der Ausbau der Straße zum Roten See außerorts ist wohl 2015 möglich, die Planung ist beauftragt, die Eigenmittel sind in den Haushalt eingestellt. Nun hoffen wir auf die beantragten Fördermittel.

Längerfristig gesehen muss der Alleeweg mit der Zugbrücke saniert werden. Das wird nötig sein, wenn der Radweg Brüel - Blankenberg/Warin gebaut wird, um Radfahrer gefahrlos durch die Stadt zu leiten.

Die Zuwegung Alt Necheln wie auch andere ortsteilverbindende Straßen könnten über das Flurneuordnungsverfahren „Warnow II“ saniert werden. Das sind längerfristige Vorhaben, die auch erhebliche Eigenmittel verlangen.

Auch im Stadtbereich, z. B. Schmiedestraße, besteht großer Handlungsbedarf.

Viele leer stehende Häuser in der Innenstadt sind privates Eigentum, der Stadt sind also die Hände gebunden. Anders istes bei Objekten wie die alte Sporthalle und die ehemalige Kita Schulstraße. Strengt sich die Stadt genügend an, um dafür Interessenten zu bekommen?

Das ist eine vielschichtige Problematik. Zum einen hängt sie mit der historisch entstandenen Stadtstruktur zusammen, auch die jeweilige Grundstücksart und -größe spielen eine Rolle und ebenfalls die für diese Bereiche fehlende Städtebauförderung. Ganz wesentlich ist der Rückgang der Einwohnerzahl, so dass ein Wohnungsüberschuss entstanden ist. Hinzu kommt, dass die Sanierung eines alten Gebäudes mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden ist.

Zur Vermarktung der Kita Schulstraße kann ich sagen, dass es Anfragen gab, jedoch wegen der unmittelbaren Nähe zu den Trinkwasserbrunnen der Stadt Bebauungseinschränkungen gibt.

Für die alte Sporthalle gibt es z.Z. keine Nachfragen.

Die Stadt nutzt die Möglichkeiten über ihren Internetauftritt. Selbst Verkäufe sind keine Garantie, dass ältere Gebäude saniert werden. Einige sind schon mehrfach weiterverkauft worden ohne sichtbare Veränderungen.

Wir bemühen uns mit dem Amt in diesem Bereich.

Bei Keez soll eine Milchviehanlage gebaut werden, in Thurow und Neu Necheln Gärr-/Güllerestbehältern. Mit der sensiblen Thematik haben sich auch 2014 Stadtvertreter, Sie als Bürgermeister und weitere Bürger auseinandergesetzt. Eine Bürgerinitiative und eine BUND-Ortsgruppe haben sich gegründet. Allerdingswird immer mehr deutlich, dass Stadtvertretung und Bürgermeister kaum wirklich entscheiden können. Was treibt Sie an, trotzdem weiter zu machen?

Die beantragte Errichtung einer großen Milchviehanlage bei Keez hat uns alle - Stadtvertreter, betroffene Bürger der Ortsteile, mehrere Vereine - das letzte Jahr sehr beschäftigt. Grundsätzlich ist fast jede Investition positiv zu werten, besonders wenn die Arbeitsbedingungen und die Lebensverhältnisse in der Region qualitativ verbessert werden. Allerdings geht es bei dieser Investition nicht nur um bauliche, betriebswirtschaftliche Belange, sondern die Folgen dieser großen Anlage haben uns alle Sorgen bereitet. Deshalb gab es Veranstaltungen, Rundtischgespräche, Vor-Ort-Begehungen zwischen Bürgern, Stadtvertretung, Investitionsverantwortlichen und dem Landkreis. Im Vordergrund aller unserer Bemühungen stand die Suche nach einem vernünftigen Kompromiss. Die Bedenken, Einwendungen der Stadtvertretung und der betroffenen Bürger führten zu Veränderungen der ursprünglichen Anträge, auch zu gründlicheren, umfangreicheren Prüfungen. Die langfristigen Auswirkungen auf den Boden, das Wasser, auch auf die Infrastruktur sind wohl zu bedenken. Das Für und Wider muss abgewogen werden. Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen. Verantwortung trägt nicht nur der Investor. Es ist nicht das Anliegen der Stadtvertretung, eine Erneuerung der landwirtschaftlichen Produktion zu verhindern, sondern nachhaltige, natur- und umweltschützende, d. h., vernünftige Lösungen zu finden! Eine Versachlichung der Gespräche sollte im Interesse aller Seiten angestrebt werden. Hierbei mitzuwirken und mitwirken zu können, ist doch Antrieb genug.



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