zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 01:04 Uhr

Kultur : Die Spur der Sagensteine

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Schloss im Schweriner See und Zwerge in der Sonne – wunderbare und nicht alltägliche Geschichten gibt es jetzt in Retgendorf

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2015 | 09:00 Uhr

„Auf der Retgendorf/Flessenower Flur, am Ufer des Schweriner Sees, hütete einst ein Bauer sein Vieh. Es war der 24. Juni, der Johannistag, mittags gegen 12 Uhr. Plötzlich teilte sich das Wasser und die Wellen schlugen auseinander. Der Mann erschrak und sah, wie ein wunderschönes prächtiges Schloss aus der Tiefe emporsteigt. Aber mit dem Ein-Uhr-Glockenschlag verschwand die ganze Herrlichkeit im See.“ So lautet sie, die Sage vom Schloss im Schweriner See. Und so steht sie geschrieben auf einer Tafel neben einem schwergewichtigen Findling in Retgendorf. Dort, wo eine kleine Straße endet und es zum neuen Rad- und Wanderweg entlang des Schweriner Sees geht. „Der Findling, das ist ein neuer Sagenstein“, sagt Gottfried Holzmüller.

Gottfried Holzmüller ist ein betagter Mann. Die Statur stattlich, das Haar weiß, die Stimme tief. Holzmüller ist der Typ Großvater, dem Kinder gerne beim Geschichten erzählen zu hören. Geschichten und Sagen von Räubern und Riesen, von Wasserhexen und Waldgeistern, von Königen und Kobolden. Und Sagen kennt der 78-Jährige zuhauf. Das bleibt nicht aus, wenn man Vorsitzender eines Kulturvereins in Mecklenburg-Vorpommern ist, der sich Sagenland nennt und dessen Mitglieder ständig auf der Suche nach Sagen sind, die sich in den Dörfern rund um den Schweriner See finden lassen.

Ein sonniger Herbsttag. Am Morgen war Gottfried Holzmüller noch unterwegs. Sagenwanderung. Mit Drittklässlern in Sukow, dort, wo Räuber Röpcke in grauer Vorzeit hauste. „Den Kindern hat der Ausflug wohl gefallen. Und mir auch“, sagt der Sagenfreund. Aber wie kommt eine Sage überhaupt zu Stande. „Eigentlich ist es so ähnlich wie bei der ,Stillen Post’. Aus dem, was am Anfang gesagt wird, kommt am Ende etwas ganz anderes heraus“, so Holzmüller. Die Sage – ein ursprünglich mündlich überlieferter Bericht über eine im Einzelnen nicht verbürgte, nicht alltägliche, oft wunderbare Begebenheit. So definiert es der Duden. Und nicht alltägliche, wunderbare Begebenheiten, die gibt es reichlich rund um den Schweriner See. In Dutzenden von Dörfern wurden schon 70 Sagensteine aufgestellt. In Retgendorf gibt es jetzt dank der Hilfe der Gemeinde Dobin am See zwei neue. Neben der Sage vom Schloss im Schweriner See auch noch die von den sich sonnenden Zwergen.

Und auch in Zietlitz wurde jüngst der Sage vom „Mädchen im Wasserloch“ ein Stein nebst Erklärungstafel gewidmet. Irgendwann, so die Idee der Sagenland-Mitglieder, soll en alle Steiner zu einer Route verknüpft werden.

Pinnow, Retgendorf, Bad Kleinen oder Sukow – die SVZ wird sich in den kommenden Wochen schon einmal auf diese Spur begeben und die Sagen abdrucken, die über Räuber und Riesen, Wasserhexen und Waldgeister. Oder die vom Lindwurm, dem in Flessenow auch ein Sagenstein gewidmet ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen