Geldsorgen in Nordwestmecklenburg : Die Sparkasse auf Sparkurs

Kay Facklam und Manuel Krastel von der Sparkasse stellen sich auf eine schwierige Zukunft ein.
Foto:
Kay Facklam und Manuel Krastel von der Sparkasse stellen sich auf eine schwierige Zukunft ein.

Geldinstitut erwirtschaftet wegen niedriger Zinsen weniger Erträge. Nun wurden die Kontoführungsgebühren erhöht. Auch am Personal wird gespart.

svz.de von
19. März 2016, 08:00 Uhr

Die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest muss sparen und das hat Konsequenzen – für Kunden und Mitarbeiter. Zum einen wurden die Öffnungszeiten verkürzt. Die Geschäftsstellen haben am Freitag nur noch bis 13 Uhr geöffnet, in einigen Orten ist auch Montagnachmittag früher zu. Und morgens geht es erst um 9 Uhr statt wie bisher um 8.30 Uhr los.

Für die 240 Mitarbeiter hat das zur Folge, dass ihre Arbeitszeiten reduziert wurden. „Wir sind jetzt alle Teilzeitkräfte“, sagte der Sparkassenvorstand, Manuel Krastel. Damit sinken die Personalkosten. Zugleich hat die Sparkasse Anfang März die Kontoführungsgebühren erhöht. Um 1 bis 1,50 pro Monat. Krastel nennt beides „wichtige Weichen für eine stabile Zukunft der Sparkasse.“

Denn das Geldinstitut plagen die gleichen Sorgen wie viele andere Sparer auch: Die niedrigen Zinsen drücken die Erträge. Die Sparkasse stellt sich also darauf ein, in den kommenden Jahren weniger Geld zu verdienen und versucht schon jetzt Kosten zu sparen.

Zu schaffen macht den Bankern vor allem die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main, den Leitzins auf null Prozent zu senken und den Strafzins im Gegenzug auf -0,4 Prozent zu setzen. Ziel der Maßnahmen: Die Banken im Euro-Raum sollen billig an Geld kommen und es beispielsweise durch Kredite an Unternehmen weitergeben. Zugleich soll mit dem Strafzins verhindert werden, dass die Banken zu viel Geld bei der EZB parken. Wer das macht, muss Geld zahlen, statt Zinsen zu bekommen.

Die europäische Finanzpolitik hat direkte Auswirkungen auf die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest. „Wir müssen die Kundengelder am Kapitalmarkt selber anlegen, bekommen aber kaum Zinsen dafür“, sagte Krastel. Auf der anderen Seite sind Kredite für Häuslebauer billig wie nie. „Der Ertrag für uns wird immer geringer“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. In der Summe heißt das: „Das ist ein echtes Problem für uns.“

Doch eine gute Nachricht hatte Krastel doch zu verkünden. „Wir sind zufrieden mit dem vergangenen Jahr. Das lief ganz ordentlich.“ Die Kundeneinlagen stiegen auf über eine Milliarde Euro, im Kreditgeschäft wurden zusagen in Höhe von 92,5 Millionen Euro erteilt und damit 24,6 Millionen Euro mehr als 2014.

Und auch die Flüchtlinge beschäftigen die Sparkasse: Rund 500 Konten für Asylsuchende wurden bislang eröffnet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen