Auszeichnung der Ehrenamtsstiftung : Die Paradiesmacher vom Schulhof

So ein Paradies macht sich nicht von selbst: Diesmal müssen gewichtige Steinbrocken bewegt werden.  Fotos: Katja Frick
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So ein Paradies macht sich nicht von selbst: Diesmal müssen gewichtige Steinbrocken bewegt werden. Fotos: Katja Frick

Die Auszeichnung der KGS-Schüler für die Gestaltung des Schulhausgartens wirft auch ein Schlaglicht auf ein Beispiel gelungener Integration

svz.de von
13. Dezember 2017, 12:00 Uhr

„Heute müssen diese Findlinge dort drüben hin“, weist Gottfried Hägele am Montagnachmittag die sechs Schüler an, die abschätzend die gewichtigen Brocken am kleinen Schulhaus ins Auge fassen. Sie haben Arbeitssachen an und bereits Matschflecken auf den Hosen und doch ist es Unterricht. „Das ist ein Wahlpflichtkurs für die zehnten Klassen des Regionalteils der Kooperativen Gesamtschule Sternberg (KGS), als Vorbereitung auf das Berufsleben“, erklärt der Sozialkundelehrer der SVZ, der selbst einmal Garten- und Landschaftsbau gelernt hat. Bereits seit vier Jahren wird das verwilderte Terrain rund um das denkmalgeschützte Schulhaus im Rahmen des Kurses auf Vordermann gebracht. Mit viel Engagement wurden Gehölze gerodet, alte Betonmauern entsorgt und verrostete Zäune abgerissen. Am Freitag wurden die „Paradiesmacher“, wie der Lehrer inzwischen seinen Kurs nennt, in Berlin ausgezeichnet (SVZ berichtete). Die Auszeichnung „Ehrenamt macht Schule“ wurde auf Vorschlag der Ehrenamtsstiftung MV und des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes vergeben. Die Bevollmächtigte des Landes beim Bund, Staatssekretärin Bettina Martin, und die 1. Vorsitzende der Ehrenamtsstiftung MV, Hannelore Kohl, überreichten feierlich die Urkunden. 12 Schüler der vier Jahrgänge und Gottfried Hägele wurden dafür nach Berlin und zu einer Hotelübernachtung eingeladen. „Wir waren im Hotel Meininger“, erzählt Lea Schmudlach, seit drei Jahren Schülersprecherin der KGS, die auch mit in Berlin war. „Das war schon schick.“ Am Freitag besuchte die Gruppe die Landesvertretung MV und den Bundestag, am Donnerstagabend nach der Anreise den Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz. „Da sind wir auf dieser Riesenrutsche mit Reifen herunter gerutscht, das war echt cool“, lacht die Schülersprecherin.

Mahmoud und Ahmad hatten allerdings etwas anderes vor. Die beiden 17-jährigen Syrer waren mit Gottfried Hägele zusammen in Kreuzberg. „Da haben wir am Hermannplatz arabisch gegessen und arabische Süßigkeiten gekauft“, berichtet Mahmoud mit leuchtenden Augen. Er ist 2015 aus dem heute inzwischen fast vollständig zerstörten Aleppo geflohen und kam genauso wie sein Freund Ahmad als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland. „Wir haben hier sieben oder acht Flüchtlinge“, weiß Lea Schmudlach. „Am Anfang waren die anderen skeptisch, aber inzwischen gehören sie vollständig dazu.“ Ein Zeichen dafür ist, dass Mahmoud und Ahmad genauso wie ihre deutschen Mitschüler Tim, Finn, Hannes und Tim S. auf die Frage der SVZ antworten, warum sie denn diesen Wahlpflichtkurs ausgewählt haben: „Weil wir kein Russisch machen wollten.“ Doch inzwischen haben die beiden jungen Syrer genau wie die deutschen Jugendlichen so etwas wie Spaß an dieser ungewöhnlichen Form des Unterrichts gefunden. „Das ist eigentlich nicht so schlimm, wenn das Wetter okay ist“, fasst Tim Sellin die Meinung aller zusammen, und das ist in diesem Alter schon fast ein Lob. Allerdings ist das Wetter heute nicht okay. „Ja, dann ist es eben mal matschig“, meint Gottfried Hägele. „Ich halte nichts von Kuschelpädagogik. Die Rechenaufgabe ist auch nicht schön. Arbeit ist Arbeit, die muss nicht Spaß machen, aber am Ende steht da eine Mauer.“

Nach dem Abschluss dieses Schuljahres will Mahmoud eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann beginnen, Ahmad möchte Friseur werden, Tim und Finn KFZ-Mechatroniker und Hannes Verfahrensmechaniker. Schwere Aufgaben anzupacken, haben sie alle bei Gottfried Hägele schon mal gelernt.

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