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Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 17 : Die mit den Armen sehen können

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Schlangensterne können bei Gefahr einzelne Körperteile abwerfen und haben auch andere besonderen Eigenschaften.

von
erstellt am 10.Feb.2017 | 04:46 Uhr

Neben zum Beispiel Seeigeln und Seesternen zählen auch Schlangensterne (Ophiuroidea) zum Stamm der marin lebenden Stachelhäuter (Echinodermata). Gemeinsames Merkmal dieses Tierstammes ist die fünfstrahlige Symmetrie ihres aus Kalkplatten bzw. Kalkkörperchen aufgebauten Skelettes.

Schlangensterne haben eine runde oder polygonale Körperscheibe mit untenliegender Mundöffnung, die sich von den langen (bis 70 cm), dünnen und runden, zum Teil verzweigten Armen aus gelenkig verbundenen Gliedern deutlich absetzt. Dieses bei allen Arten recht einheitliche Bauprinzip wurde bereits im Erdaltertum – vor 500 Millionen Jahren im Ordovizium – entwickelt und hat sich im Verlauf der Evolution bis heute nicht wesentlich verändert.

Schlangensterne sind rezent mit ca. 2300 Arten in allen Ozeanen von der Flachwasserzone bis in die Tiefsee vertreten. Sie kommen auf Hart- und Weichböden vor, in die sie sich auch oft eingraben, und besiedeln in großer Zahl Korallenriffe. Ihre Nahrung, die mit den Armen aufgefangen wird, besteht hauptsächlich aus Detritus (durch Zersetzung von Tier- und Pflanzenresten entstandenes Material) und Plankton. Manche Arten verschmähen aber auch Würmer, Krebse und kleinere Weichtiere nicht.

Die linke Abbildung zeigt ein Schlangenstern-Exemplar aus meiner Sammlung, einer besonders skurrilen rezenten Art. Es ist ein Gorgonen- oder Medusenhaupt (Gorgonocephalus sp.) mit stark verzweigten Armen, der nach den Schreckgestalten aus der griechischen Mythologie, den Gorgonen mit ihren Schlangenhaaren bzw. nach der Gorgone Medusa benannt wurde.

Schlangensterne besitzen die Fähigkeit, bei Gefahr einzelne Körperteile abzuwerfen, die anschließend wieder regeneriert werden können. So wachsen verlorene Arme und auch Teile der Zentralscheibe problemlos nach.

Darüber hinaus haben neuere Forschungen gezeigt, dass auf Licht reagierende Arten ein in der Tierwelt einmaliges Sehsystem entwickelt haben. In den Skelettplatten der oberen Arme sind hunderte mikroskopisch kleine Linsen aus Kalkspat eingebaut, die Licht einer bestimmter Richtung konzentrieren und im Brennpunkt auf darunter liegende Bündel von Nervenfasern projizieren. Somit bildet das Netzwerk aus Kalkspatlinsen in Verbindung mit den Rezeptoren ein lichtempfindliches System, vergleichbar mit den Komplexaugen der Insekten, das die Schlangensterne „sehen“ lässt.

Da das äußerst fragile und zerbrechliche Skelett der Schlangensterne nach dem Tod der Tiere sehr schnell mechanisch zerstört wird und in seine Einzelteile zerfällt, findet man komplette fossile Exemplare in der Regel ausgesprochen selten und nur in Gesteinen die unter, für die zerstörungsfreie Einbettung günstigen Sedimentationsbedingungen, entstanden sind.

Im Sternberger Gestein gehören sie zu den absoluten Raritäten, denn bisher wurden nur an der Hand abzählbare, fast komplette Schlangenstern-Exemplare gefunden. Die zweite Abbildung zeigt ein präpariertes Handstück aus der Sammlung der Dipl.-Geol. Karina Thiede und ihres Ehemannes Nils aus Parchim. In der Kiesgrube Kobrow gefunden, zeigt es einen Schlangenstern (Ophiura sternbergica) mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern neben einer Kreiselschnecke (Calliostoma serratocostata).  







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