Warin : Die letzten Blumen von Syringa

Mit dieser Blütenpracht im Gewächshaus ist Schluss bei Syringa Gartenbau in Warin. Der traditionsreiche Betrieb, der über die Region hinaus einen guten Namen hatte, gibt nach etwa fünfeinhalb Jahrzehnten seines Bestehens auf.  Fotos: Rüdiger Rump
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Mit dieser Blütenpracht im Gewächshaus ist Schluss bei Syringa Gartenbau in Warin. Der traditionsreiche Betrieb, der über die Region hinaus einen guten Namen hatte, gibt nach etwa fünfeinhalb Jahrzehnten seines Bestehens auf. Fotos: Rüdiger Rump

Der Wariner Gartenbaubetrieb schließt nach über fünf Jahrzehnten. Die Fläche mit Folienzelten steht zum Verkauf.

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14. April 2015, 21:00 Uhr

Es ist der botanische Name für Flieder: Syringa. Er gab einst der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) in Warin ihren Namen. Und die erwarb sich weit über die Region hinaus einen guten Ruf, hatte zu besten Zeiten rund 90 Beschäftigte. Nach der Wende ging daraus die Syringa Gartenbau GmbH hervor. Über fünf Jahrzehnte lang lieferte der Betrieb Frühblüher aus eigener Aufzucht, Beet- und Balkonpflanzen für die Zeit danach, unterschiedlichsten Nachwuchs für den Gemüsegarten sowie Tomaten, in den letzten Jahren auch Auberginen, Pattison, eine Art Zwischending zwischen Kürbis und Zucchini, Knollenfenchel, Peperoni, Rote Bete oder frische Kräuter. Doch damit ist es in diesem Jahr vorbei, der traditionsreiche Wariner Betrieb gibt auf und schließt für immer.


Anlagen veraltet – Kosten stiegen ins Uferlose


Vor allem Stiefmütterchen und Hornveilchen, die sich noch einmal in aller Farbenpracht zeigten, wurden direkt aus dem Gewächshaus verkauft oder für Begegnungsstätten des Vereins „Das Boot“ in Wismar und Warin gesponsert. Es waren die letzten Blumen von Syringa. Was übrig blieb, landet dieser Tage auf dem Kompost.

Die Gärtner waren schon unlängst etwa von Oktober bis März zu Hause, in der Arbeitslosigkeit. Nur eine kleine Mannschaft sicherte den Winterbetrieb ab. Doch über den letzten Jahreswechsel, seit November, waren auch die verbliebenen fünf Gesellschafter ohne Arbeit, sagt die bisherige Geschäftsführerin Meike Bethge, die sich neben ihrer berufsfremden Anstellung, die sie in Wismar bekam, um die Abwicklung des Gartenbaubetriebes kümmert. So wie sie hätte „ein Teil der Leute“ wieder Arbeit, einige auch in ihrem Beruf. Die Gesellschaft werde mindestens noch ein Jahr bestehen, bis alle Formalitäten erledigt sind, so Bethge.

„Wir haben uns entschieden, jetzt diesen Schnitt zu machen, bevor es doch in die Insolvenz geht.“ Die Kosten drohten dem Betrieb zunehmend über den Kopf zu wachsen. Vor allem die für die Heizung stiegen ins Uferlose. Die 6000 Quadratmeter unter Glas stammen noch aus DDR-Zeiten, wurden immer wieder in Schuss gebracht. Die 3600 Quadratmeter unter Folie sollten nach und nach erweitert werden, mehrere Bögen warteten darauf, neu eingedeckt zu werden, doch dafür reichte das Geld nicht. „Mit den veralteten Anlagen ließ sich nicht mehr kostendeckend arbeiten“, bringt Meike Bethge es auf den Punkt.

Bei den Blumen habe der Druck durch billige Importware ständig zugenommen, stellt Clemens Thiele fest. Er war als Produktionsleiter bei Syringa eingestiegen. Dies sei der Monat der Frühblüher, doch Baumärkte und Discounter würden jetzt schon Geranien und andere Sommerblumen für Garten und Balkon anbieten. „Wenn wir die aufziehen würden, wären die noch so klein“, sagt Thiele und deutet eine Größe etwa in Streichholzlänge an.

Er hat sich selbstständig gemacht und übernimmt am Neuklosterweg den Teil mit dem Gewächshaus. Über konkrete Pläne zu sprechen, sei es noch viel zu früh. Er werde Zeit und einen langen Atem brauchen, denke an Gemüse und Kräuter. Der andere Teil mit den Folienzelten, in denen jahrelang leckere Tomaten heranwuchsen, steht im Internet zum Verkauf, sagt Meike Bethge. „Das ist schon traurig und kommt uns bitter an.“ Sie habe zu DDR-Zeiten im Büro gearbeitet und nach der Wende 13 Jahre lang. Zwei Gesellschafterinnen, für die nun das Aus kam, hätten im Betrieb schon gelernt.

Ihr persönlich gehe es nun besser, sagt Bethge, weil sie nicht mehr ständig daran denken müsse, wie es weiter geht. Wenn der Flieder blüht, der Namensgeber für Syringa Gartenbau, ist dort nichts mehr von der Farbenfreudigkeit übrig.

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