Eickelberg : Die kleine Eiszeit bei Eickelberg

Was bedeuten die riesigen Steine am Wegesrand? Wanderführer Peter Gossel (l.) hatte viele interessante Details zu berichten.
Was bedeuten die riesigen Steine am Wegesrand? Wanderführer Peter Gossel (l.) hatte viele interessante Details zu berichten.

Bei einer geführten Wanderung erfuhren Mitglieder der Dorf-zu-Dorfgemeinschaft viel Wissenswertes über die Wälder.

svz.de von
06. November 2018, 07:45 Uhr

Wer es nicht weiß, würde nicht vermuten, dass aus größeren Löchern im Wald bei Eickelberg einst Ton für die Ziegelherstellung gewonnen wurden. Das und manches mehr erfuhren Teilnehmer der Dorf-zu-Dorf-Gemeinschaft, die am Sonnabend zu einer Wanderung unter dem Thema „Einst Acker, heute Wald?“ aufbrachen. Eingeladen dazu hatte Peter Gossel.

Ausgangspunkt war die Eickelberger Kirche. Die kleine Gruppe mit Interessierten aus Eickelberg, Qualitz, Groß Labenz und Klein Görnow begab sich auf den Landweg nach Groß Labenz. „Die Güter, die einst von Ackerbau lebten, wurden vor 120, 140 Jahren unrentabel. Daraufhin hatte man die erste große Aufforstung gemacht. Die zweite folgte nach 1945“, erzählte der 63-Jährige. Er habe einst seinem Großvater gelauscht, wenn dieser von früher erzählte und habe sich später auch viel angelesen. Die letzte große Aufforstung nach 1945 sei im nördlichen Teil des alten Landkreises Sternberg mit etwa 2000 Hektar gewesen. Unvorstellbar ist zum Beispiel für die Görnower, dass links und rechts der Asphaltstraße von Klein Görnow in Richtung Weiße Krug bis zum Radebach hin einst Acker gewesen sein soll. Labenz war ein Gut, das von Kartoffelanbau und der Schnapsbrennerei gelebt hatte. Die Brennerei stand in Klein Labenz und wurde im Sommer 1944 zerstört und danach nicht wieder aufgebaut.

Auf der Wanderung über den „Steinerberg“ wurden Napoleons Pappel-Anpflanzungen näher erläutert, der sogenannte Tempelberg unter die Lupe genommen und es kamen mit Betreten des Eickelberger Walds die Findlinge zur Sprache. Feldsteine, die zum Teil sehr stark eingewachsen links und rechts des Weges und im Wald liegen – wie eine richtige Steinmauer. Und genau daran erkenne man, so Peter Gossel, die einstigen Ackerkanten. Die Feldsteine wurden vom Acker aufgesammelt und dann entlang des Ackerrandes abgelegt und sogar aufgeschichtet.

In diesem Zusammenhang erfuhren die Wanderer, dass im 18. und 19. Jahrhundert solche Steine auch zu Baumaterial verarbeitet wurden. Das ist in Eickelberg noch an ein, zwei Häusern und dem Fundament der Kirche sehen kann.

Im Wald selbst zeigte Peter Gossel einige große Löcher, die einst Tongruben gewesen sein sollen. Es könnte sein, dass in diesem Bereich die Ziegelherstellung für die Kirche stattfand, so Gossel.

Und dann stehen die Wanderfreunde vor einem tiefen, langen Graben. „Das ist keine Landwehr, kein Panzergraben, sondern eine Erosionsrinne, die auf das Mittelalter zurückzuführen ist“, erklärte der Wanderführer. Von diesen Erosionsrinnen gibt es einige im Eickelberger Wald. „Hierbei handelt es sich um eine Auswirkung des Magdalenenhochwassers im Sommer 1342 – eine Wettererscheinung, die etwa alle 10 000 Jahre passiert. Die Regenmenge soll zwischen 20 Zentimeter und einem halben Meter innerhalb von drei bis vier Tagen gelegen haben – unvorstellbar. Dem folgten Hungersnot, die Pest, eine kleine Eiszeit – man glaubte, , das Ende der Welt sei nahe. Aber man baute genau in dieser Zeit die ersten Kirchen, so auch die Eickelberger Kirche. Die geschätzte Masse an Erde, die die Magdalenenflut bewegt hat, wird auf 13 Milliarden Tonnen geschätzt.

Bei einer abschließenden Kaffee- und Kuchenrast an der Eickelberger Kirche stellten alle fest, dass zu viel Geschichte und Geschichten auf diesem kleinen Ausflug zu Tage kamen und man sich animiert fühlt, den Heimatwald mit ganz anderen Augen zu sehen.

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