Steinernde Zeitzeugen : Die ganze Welt in Kobrow

Wunderwelt der Mineralien: (v.l.) Fluoride aus Griechenland, China,  Hilberstorf bei Chemnitz (versteinerter Wald) und Marokko.
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Wunderwelt der Mineralien: (v.l.) Fluoride aus Griechenland, China, Hilberstorf bei Chemnitz (versteinerter Wald) und Marokko.

Seit Jahrzehnten sammelt Detlef Uebersohn Mineralien: Bis auf Australien war er auf allen Kontinenten, aber hat auch tolle Funde aus der Grube vor Ort.

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30. Juni 2015, 22:45 Uhr

Wie andere Briefmarken sammeln, so üben auf den Diplom-Geologen Detlef Uebersohn (68) seit Jahrzehnten Mineralien eine Faszination aus. In einem Extra-Kabinett mit aufgemalten sibirischen Mammuts draußen dran, hat er in Vitrinen seine Schätze feinsäuberlich geordnet. Hier findet sich ein Quarz, „erworben auf dem Markt  in Tianjin, China“, ein Fluorid aus Marokko, ein Silberblech aus Eisleben, ein Coelestin (Strontiumsulfat) aus dem Deister sowie ein Antimon aus St. Andreasberg im Harz –  wissenschaftlich sortiert nach der Systematik (mineralogische Tabellen) von Prof. Hugo Strunz (1910 –  2006).

Neugierige können freilich nur staunen ob der atemberaubend schönen Gesteine. Wobei auch in dieser Welt Schein und Sein dicht beieinander liegen. Detlef Uebersohn holt ein goldglänzendes Mineral hervor. „Das ist ein Pyrit aus Wuxian in China und gar nichts Besonderes.“ Als Gegenstück zeigt er ein gediegen Blei aus  Schweden. Die Elemente haben die Eigenschaft, sich zusammen zu tun. Darum sei reines Gestein etwas ganz Wertvolles.

Der aus Hannover-Langenhagen Stammende, den die Wende  nach Mecklenburg verschlug, ist  eigentlich gelernter Elektromaschinenbauer. „Erst mit Anfang 30 habe ich Geologie an der Uni Hannover studiert.“ Er machte sein Hobby quasi zum Beruf und arbeitete als Umweltgeologe. „1993 wurde ich von einem Ingenieur-Büro rübergeschickt zur Abdeckung einer Hausmülldeponie in Rostock-Dierkow.“ 1994  kam der Auftrag vom Landkreis Parchim zu einem Gutachten für den Flughafen Parchim, um die  dortigen Kerosinschäden durch die russischen Streitkräfte zu bearbeiten. Uebersohn: „In 20 Jahren wurden eine halbe Million Liter aus dem Boden  geholt.“

Und im Urlaub oder wenn die Freizeit es erlaubte, war und ist der heutige Rentner unterwegs in Sachen der erdgeschichtlichen Gesteine. Über die weltweiten Sammler-Treffen lernte er 2002 auch seine  Frau Hannelore, eine Thüringerin, kennen – im schwedischen Gotland. Zwei Jahre später wurde „wegen der herrlichen Natur“ ein Grundstück in Kobrow gekauft. Erst einmal waren es 5000 m2 Wiese. Mittlerweile ist daraus eine Gartenlandschaft entstanden, 2007 wurde das blaue Scanhaus errichtet. „Vor fünf Jahren haben wir geheiratet“, sagt die Gattin. Sie teilt die Mineralien-Leidenschaft und sammle „vor allem Seeigel und Schnecken aus der Kobrower Grube“. Hier findet das Paar zudem immer wieder auch Funde des 28 Millionen Jahre alten Sternberger Kuchens. Ja, die Uebersohns dürften davon inzwischen die größte Sammlung haben.

In früheren Jahren bereiste der Gatte die ganze Welt –  bis auf Australien. Durch Tausch besitzt Detlef Uebersohn aber auch einen Hämatit aus Down Under – aus Hamersley Range. Gut ein Dutzend Mal war er unter Tage im griechischen  Lavrion an der Südspitze Attikas in einer Blei-Zink-Lagerstätte, „weil ich etliche Bergleute kannte“. Heute ginge das nicht mehr, etliche Minen seien zudem bereits zu.

Der Traum eines größeren Museums für seine in die Tausende gehenden Schätze hat sich nie erfüllt. Darum hat er sein eigenes Mineralien-Kabinett  geschaffen. Ein Museumsschild steht draußen; offizielle Öffnungszeiten hat die Schatzkammer freilich (noch)nicht. Doch Interessenten können gerne anrufen unter 03847 - 435174.

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