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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

11. Dezember 2017 | 06:54 Uhr

Mustin : Die Eisbaderin vom Mustiner Dorfsee

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die 73-jährige Edda Ferl kennt mittlerweile seit zehn Jahren keine Winterpause .

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 16:30 Uhr

„Ich bin nun mal ’ne Wasserratte“, sagt Edda Ferl über sich. Die inzwischen 73-Jährige steigt fast täglich, Sommer wie Winter, ins für die allermeisten jetzt wirklich viel zu kalte Nass.

Nicht so für die Rentnerin. Kurz vor Weihnachten beim Wintervergnügen im Roten See von Brüel sowie dem traditionellen Sternberger Silvester-Eisbaden war die Mustinerin – natürlich – wieder in ihrem Element. 2013 herrschten sechs bzw. gar sieben Grad im Wasser – geradezu frühlingshafte Temperaturen für die bekennenden Eisbärinnen und -bären. Lassen die sich doch auch keineswegs von tieferen Thermometer-Marken schocken. „Ich war auch schon bei einem Grad drin“, verkündet die rüstige Mustinerin.

Edda Ferls Lieblingsort ist und bleibt jedoch der heimische Dorfsee. „Seit zehn Jahren bin ich fast täglich hier“, betont sie. Ihre Eisbadezeit begann 2003 übrigens ohne besonderen Anlass: „Die Saison geht eigentlich bis in den September. Da sagte ich mir: Versuch’s bis Oktober, aus Oktober wurde schließlich November…“ Und Eisbaden hält fit. In den zehn Jahren hatte sie nur „zweimal Schnupfen. Ich bin nicht so empfindlich.“

Längst ist das In-den-See-Gehen – zu welcher Jahreszeit auch immer – für Edda Ferl zu einem Ritual geworden. Nicht nur Mustins Bürgermeister Bertold Löbel kann, wenn er die Kopfsteinpflasterstraße in Richtung des Ortsteils Bolz fährt, die Uhr danach stellen: „Nach der Mittagszeit treffe ich Frau Ferl immer an ihrer Badestelle.“ Diese befindet sich dort, wo der Mustiner Dorfsee und der Lange See, nur durch die Bolzer Zuwegung getrennt, aneinander grenzen.

Ihre Nachbarn wissen längst Bescheid: Wenn Edda Ferl ihr altes Damenfahrrad der Marke Diamant aus DDR-Zeiten rausgeholt und die bunte Tasche mit den Bade-Utensilien drin auf dem Gepäckträger befestigt hat, geht’s los. Das Fahrrad habe sie „vor einigen Jahren von einem Kumpel geschenkt bekommen. Das nehme ich nur zum Baden. Ich habe noch ein neueres, dies benutze ich, wenn ich ansonsten Rad fahre.“

Angekommen an ihrer Lieblingsbadestelle, geht es ohne viel Federlesen rein. Edda Ferl schwimmt im Bruststil ca. 100 Meter raus, dreht dann um. Irgendwann hat sie wieder Grund unter den Füßen und beginnt mit der Massage der Finger, denn „hier kribbelt es immer zuerst“. Wenn sie es dann auch noch in den Waden spürt, weiß die Rentnerin, es wird Zeit. „Normalerweise bin ich um diese Jahreszeit zwei Minuten drin“, vergangenen Sonnabend waren es mehr als das Doppelte. Kein Wunder. Rief Edda Ferl doch an Land: „Warm heut’“. Die Wassertemperatur schätzte sie „auf sechs Grad“. Genauso viel wie die der Luft, wobei die sich für die zuschauende Landratte kühler anfühlte.

„Früher habe ich, wenn der See zugefroren war, ein Loch reingehackt. Das mache ich nicht mehr.“ Lediglich wenn’s regnet, fällt das Dorfsee-Vergnügen buchstäblich ins Wasser. Ein nasser Kopf ist ungesund. Edda Ferl, die „von Geburt an“ in Mustin lebt, geht so lange zum See, „bis er zugefroren ist. Und danach steige ich zwei, dreimal die Woche unter die Dusche. Erst lauwarm und dann kalt. Das ist kälter, als wenn ich in den See steige.“

Dann doch lieber in den Dorfsee. Wieder an Land, wird sich zügig abgetrocknet, die Gummi-Badematte eingerollt – und ab geht’s nach Hause. „Hier tuddle ich noch ein bisschen draußen rum. Und um 15 Uhr gibt’s dann Kaffee.“

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