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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. Oktober 2017 | 01:25 Uhr

Klein Labenz : Die bewegte Geschichte eines Oldtimers

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Dittmar Bruck bekam vor Aufarbeitung der Cabrio-Limousine F8, Baujahr 1956, Wünsche des Wariners Karl Möller mit.

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 17:10 Uhr

Es ist noch gar nicht so lange her, da berichtete SVZ von der herbstlichen Landpartie der Oldtimer in Bützow. Mit dabei waren zum ersten Mal Karin und Dittmar Bruck aus Klein Labenz mit ihrer Cabrio-Limousine F8, Baujahr 1956. Hinter diesem Fahrzeug verbirgt sich eine rührende Geschichte, die hier erzählt sein soll.

Dittmar Bruck, genauso alt wie der F8, war viele Jahre Kfz-Schlosser unter Obermeister Karl Möller, dem Mann, der das Oldtimermuseum aufgebaut hat und dort jahrelang war. Auch dieser hatte sich einige Oldies wieder aufgebaut. Als letztes stand in seiner Garage in Warin ein alter F8 Cabrio-Limousine, etwas ganz besonderes, denn davon waren nur wenige hergestellt worden. Immer wenn er Zeit hatte, werkelte er daran. Als Karl Möller jedoch schwer erkrankte, übergab er dem Mann die alten Fahrzeugteile, den er bereits zu DDR-Zeiten als Obermeister ob seiner Zuverlässigkeit und Genauigkeit schätzte: Dittmar Bruck.

„Dieses Schrauben hat mich mein ganzes Leben nie wirklich losgelassen. Habe mir z. B. eine ES 250 mit Seitenwagen, Baujahr 1972, fertig gemacht, und damit war ich schon wieder drin“, erzählte Bruck. „Und weil ich noch eine halbe Garage frei hatte, bestand der Wunsch, mir ein Auto fertig zu machen. Irgendwann hatte ich diesen Wunsch Karl Möller gegenüber mal geäußert. Da sagte er zu mir: Jung, dann komm doch mal lang.“

Bruck hatte trotz großer Schlossererfahrung noch nie einen F8 unter den Händen. Deshalb begann er, sich ausführlich zu belesen, forschte im Internet und suchte sich fachliche Hilfe. Denn mit Übergabe des F8 musste Bruck seinem alten Obermeister drei Versprechen geben: 1. Dieser F8 soll seine Originalfarbe wieder bekommen; er war er noch braun und verrostet). 2. Auf dem Nummernschild stehen Karl Möllers Initialen und sein Geburtsdatum, 3. Oktober. 3. Die erste Ausfahrt soll Bruck mit ihm machen.

Ein gutes Jahr hat Dittmar Bruck daran gearbeitet und dem Fahrzeug nicht nur sein Grau wieder gegeben, sondern sich auch gänzlich bemüht, den Originalzustand dieses Fahrzeug, in Verbindung mit den notwendigen Vorschriften der heutigen Zeit, herzustellen. Dafür erhielt das Auto durch einen Gutachter die Note 1.

Das mit dem Nummernschild war etwas schwieriger einzuhalten. „Ein Saisonkennzeichen ist nicht groß. NWM-KM 310 passte nicht drauf.
Also musste ich Kompromisse eingehen. So habe ich WIS genommen, das K und die Drei. Mehr war nicht möglich. Aber, ich denke, damit habe ich seinen zweiten Wunsch auch erfüllt“, so Bruck.

Karl Möllers dritten Wunsch konnte sein Freund ihm so leider nicht mehr erfüllen, denn genau am 3. Oktober 2014 verstarb Karl Möller. Da war das Auto noch lange nicht fertig. „Aber da dachte ich mir, es ist doch sicher in seinem Sinne, wenn ich seine Frau Christel und Tochter Heide zur ersten großen Ausfahrt einlade.“ So fuhren Karin und Dittmar Bruck mit einer glänzenden Cabrio-Limousine F8 bei den Möllers in Warin vor. Christel Möller war schrecklich aufgeregt: „Ich finde diese Geste so toll. Wenn man die Arbeit von Karli sieht, das Akkurate, die Gewissenhaftigkeit, die Verlässlichkeit – das sieht man alles bei Bruck wieder. Deshalb ist das Auto bei ihm auch in den richtigen Händen.“

Voller Stolz zeigte Bruck den beiden Frauen vor der Haustür das tolle Auto, erklärte hier und zeigte da, erzählte, wie schwierig es, war, das Heck mit Leder zu beziehen und wie viel er zusammen mit diesem Auto gelernt habe. „Auch mich macht es sehr stolz, wie Dittmar die Arbeit meines Mannes würdigt. Aber unabhängig davon wäre Karli unsagbar glücklich, wenn all das, was er aufgebaut hat, auch so weitergeht“, wünschte sich Christel Möller und spielte dabei auch auf den Verein und das Museum an.

Nach all seinen Vorträgen am Fahrzeug meinte Dittmar Bruck zum Schluss: „Na, Mädels, drehen wir jetzt `ne Biege?“ Ein Satz, den Möller oft gesagt hatte. Diese „Biege“ führte die Vier bei Sonnenschein nach Baumgarten zum Kaffeetrinken und Karl Möllers Frauen waren überglücklich.

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