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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. August 2017 | 17:54 Uhr

Insolvenz beantragt : Die Backöfen bleiben kalt

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

„Der 7-Seen-Bäcker“ ist nach einem Jahr bereits wieder Geschichte / Insolvenz beantragt, ein Verwalter aber noch nicht benannt.

Das Firmenschild am Produktionsgebäude „Der 7-Seen-Bäcker“ im Sternberger Gewerbegebiet Rachower Moor hängt noch, der Meisterbrief von Wilfried Theodor Schütte im Foyer gleich hinter der gläsernen Eingangstür ebenso – Zeugen der Vergangenheit. Denn die Öfen sind erkaltet, die Verkaufsläden, so der in der Wismarer Altwismarstraße, geschlossen. 

Eine Mitarbeiterin des Schweriner Amtsgerichts bestätigte auf SVZ-Nachfrage, dass der 7-Seen-Bäcker mit seinen beiden Geschäftsführern Wilfried Schütte und Friederich Landgraf am „28. Mai einen Eigenantrag auf Insolvenz gestellt hat. Das Verfahren ist aber noch nicht eröffnet, ein Insolvenzverwalter noch nicht bestellt.“ Zuvor seien bei Gericht allerdings bereits einige andere Anträge auf Insolvenz eingangen. Mehr könne sie, so die Mitarbeiterin „aus Gründen des Datenschutzes nicht sagen“. Wie SVZ erfuhr, ist die Techniker Krankenkasse (TK) einer der Antragsteller. „Das kann ich bestätigen“, sagte Kevin Nowotka, Pressesprecher der TK in Mecklenburg-Vorpommern. Durch den neuen Gesundheitsfonds seinen die Kassen nur noch so genannte Einzugsstellen. Mit dem Fond, so Nowotka, „hat sich die Sache mit den Beitragsschulden verschärft“. Und im Fall der Sternberger Bäckerei habe man „immer wieder seit Mitte vergangenen Jahres Mahnungen verschickt, schließlich auch das Hauptzollamt eingeschaltet“. Der Firma im Rachower Moor sei im Januar 2014, so Nowotka, „bereits der Gang zum Insolvenzgericht angedroht worden. Im April haben wir das Verfahren dann eingeleitet“, sagt der TK-Sprecher.

Endgültig aktenkundig beim Amtsgericht Schwein wurde dies nach unseren Informationen am 22. Mai. Wenige Tage später zogen Schütte und Landgraf dann – wie gesagt – selbst die Reißleine. Abschließend bemerkt Nowotka: „Wir gehen nicht gleich zum Insolvenzrichter, da muss schon viel passieren. Nur wenn die vielen Mahnungen nicht fruchten, ist es letztlich unausweichlich.“

Erst im Frühjahr 2013 hatten Schütte und der aus Lübow bei Wismar stammende Landgraf die Konkursmasse der „Back-Manufaktur“, dem 2012 gegründeten Nachfolger des „Sternberger Bäcker“, erworben und daraus den „7 Seen Bäcker“ gemacht. Standbein war die Belieferung eines Discounters. Das Duo hatte hochfliegende Pläne. Der Mann, der einst die Bäckerei Schütte im ostfriesischen Timmel groß gemacht hatte, plante mit dem „7 Seen Bäcker“ bis zu 120 Filialen. Kurz vor Weihnachten waren es deren zehn, u.a. in Schwerin, Hagenow, Grevesmühlen, Rostock, Wismar, Insel Poel und Sternberg. Letztere schloss bereits im April, die anderen Ende Mai. Und auch sonst sorgten Schütte & Co. für reichlich Turbulenzen, indem sie z. B. die kriselnden Traditionsbäckereien Strelaback in Stralsund sowie „Landbäckerei Grundmann“ in Ostholstein als Hoffnungsträger erwarben, um sie schnell wieder zu schließen.

Und auch der Sternberger Standort hat einiges durch: Es ist die dritte Firmen-Pleite innerhalb von kaum mehr als drei Jahren. Bereits bei der „Back-Manufaktur“ wollte Schütte im Februar 2012 als Mitgesellschafter einsteigen. Auf die Frage von SVZ, warum er nun den 7 Seen Bäcker habe schließen müssen, erklärte Wilfried Schütte gestern am Telefon: „Keine Aussage. Wir haben damit abgeschlossen…“


 

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erstellt am 25.Jun.2014 | 07:22 Uhr

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