Serie: Raritäten des „Sternberger Kuchens“, Teil 25 : Die Artisten der Meere

Beim dunkleren Teil handelt es sich vermutlich um ein präpariertes Handstück aus dem vorderen Kieferbereich eines „Urdelfins“ aus der Sammlung von Karina Thiede aus Parchim.
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Beim dunkleren Teil handelt es sich vermutlich um ein präpariertes Handstück aus dem vorderen Kieferbereich eines „Urdelfins“ aus der Sammlung von Karina Thiede aus Parchim.

Vom „Urdelfien“ bis zu Publikumsliebling „Freddie“ in der Kieler Förde.

svz.de von
09. September 2017, 05:24 Uhr

Als Publikumsliebling wurde er „Freddie“ getauft und war im Sommer und Herbst 2016 die Attraktion der Kieler Förde. Wochenlang beherrschte sein Erscheinen die Schlagzeilen der Presse, der zur Familie der Delfine (Delfinidae) gehörende Große Tümmler (Tursiops truncatus), der sich in die Ostsee verirrt hatte, faszinierte die Zuschauer mit seinem zutraulichen Verhalten und seinen akrobatischen Wasserspielen.

Nicht erst seit der Fernsehserie „Flipper“, in der auch ein Großer Tümmler die Hauptrolle spielte, werden Delfine als positive, faszinierende Lebewesen wahrgenommen und aufgrund ihrer Intelligenz von den meisten Menschen geliebt. Schon in der Antike symbolisierten sie die Lebenskraft des Meeres und spielten zum Beispiel in den Schöpfungsmythen und Legenden der Griechen eine bedeutende Rolle. Und der berühmte französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau schrieb 1995 Folgendes: „Die Delphine verzaubern uns. Man sagt, dass sie den Seeleuten Glück bringen, die Schiffbrüchigen retten, unsere Musik mögen und manchmal freundschaftliche Beziehungen mit den Menschen anknüpfen“.

Mit fast 40 rezenten Arten gehört die Familie der Delfine zu der Gruppe der Zahnwale (Odontoceti) und damit zu den Meeressäugern. Ihre stromlinienförmigen Körper erreichen je nach Art Größen zwischen einem und neun Metern (größte Art der Familie ist der Orca, Orcinus orca).

Sie sind in kaltgemäßigten sowie warmen bis tropisch-subtropischen Bereichen aller Weltmeere vertreten und leben in hochkomplexen sozialen Verbänden (Schulen) zusammen. Die mit leistungsfähigen Gehirnen ausgestatteten Delfine verständigen sich untereinander mit Klicklauten, Pfeifen, Schnattern und kommunizieren auch durch Körperkontakt mit ihren Artgenossen. Ihre Hauptnahrungsquelle sind Schwarmfische und Kalmare, die sie durch Echolotung aufspüren. Manche Arten haben eine ausgefeilte Jagdtechnik entwickelt, bei der die Gruppe Fischschwärme eng umkreist und zusammendrängt oder an die Küste treibt, um so maximale Jagderfolge zu erzielen.

Aufgrund von Fossilfunden lässt sich die Gruppe der Delfine entwicklungsgeschichtlich bis in das Oberoligozän (ca. 28 bis 23 Mio. Jahre), also der Bildungszeit des „Sternberger Kuchens“, zurückverfolgen. In dieser Zeit erschienen einige vergleichsweise kleine Zahnwale die den heutigen Tümmlern in ihrer allgemeinen Erscheinung sehr ähnlich waren. Diese Ahnen unserer heutigen Delfine sind die Squalodontidae. Sie erreichten ihre Blütezeit im Miozän (23 bis 5 Mio. Jahren) und starben wahrscheinlich gegen Ende dieses geologischen Zeitalters aus.

Fossile Überreste von „Urdelfinen“, die sich eindeutig zuordnen lassen, sind im gesamten Oberoligozän Deutschlands sehr selten überliefert. Auch im Sternberger Gestein sind sie extrem selten, bisher liegen nur drei Zähne vor, die wahrscheinlich „Urdelfinen“ zugeordnet werden können. Die Abbildung zeigt ein ca. 6 cm großes, säurepräpariertes Handstück aus der Sammlung der Dipl.-Geol. Karina Thiede, Parchim, mit einem ca. 1,5 cm langen Zahn. Die typische Form mit langer Wurzel und der leicht gekrümmten Krone weist Merkmale eines delfinoiden Zahnes auf und stammt vermutlich aus dem vorderen Kieferbereich eines „Urdelfins“ (Squalodontidae).  


Unser Experte und Autor Detlef Uebersohn

Dipl.-Geologe aus Kobrow

Offizielle Öffnungszeiten hat
Uebersohns Privatmuseum nicht. Bei Interesse: 03847 - 435174.


















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