Pflegeeinrichtung Nisbill : Der Zoll stand plötzlich vor der Tür

Frank Tschiesche ist seit Jahresbeginn der neue Chef in der Fachpflegeeinrichtung „Haus am Bibowsee“ in Nisbill. Er bleibt aber weiter unweit von Lalendorf wohnhaft.
Frank Tschiesche ist seit Jahresbeginn der neue Chef in der Fachpflegeeinrichtung „Haus am Bibowsee“ in Nisbill. Er bleibt aber weiter unweit von Lalendorf wohnhaft.

Geschäftsführer Frank Tschiesche über die ersten 100 Tage in der Fachpflegeeinrichtung „Haus am Bibowsee“ und besondere Probleme.

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15. Juni 2016, 05:00 Uhr

Frank Tschiesche, gebürtiger Güstrower, ist seit Jahresbeginn der neue Geschäftsführer der Fachpflegeeinrichtung „Haus am Bibowsee“ in Nisbill. Es gab nicht nur einen Wechsel auf Leitungsebene; die Einrichtung hat auch einen neuen Betreiber – den Internationalen Bund (IB) Mittleres Mecklenburg mit Sitz in Güstrow. Ferdinand und Suse Hartmann gaben ihr Lebenswerk zum Jahreswechsel – SVZ berichtete – nach elfeinhalb Jahren in neue Hände.

„Als Neuer reinkommen und zu sagen, ich mache aber alles anders, geht so nicht. Man muss auch die Mitarbeiter mitnehmen“, sagt Tschiesche und fügt an: „Ich habe tolle Mitarbeiter und Leitungskräfte übernommen“, betont er gleich zu Beginn unseres Gesprächs, um dann mit Blick auf die Erfolgsstory der Einrichtung seit 2004 ein „aber“ hinzuzusetzen: „Es blendet schon ein bisschen. Das Haus ist das, was drin passiert. In erster Linie geht es um die Bewohner und Mitarbeiter. Und in dem Fall ist es so: Die ersten grauen Härchen kommen raus, Abläufe in der Organisation sind eingefahren.“

Ein ganz normaler Prozess nach elf Jahren. Zumal ein neuer Chef eben nie die Blaupause seines Vorgängers ist. Im Fall der Fachpflegeeinrichtung heißt das: Der Neue verlangt von seinen Mitarbeitern und vor allem dem Leitungspersonal mehr Eigenverantwortung.

„Wenn die Küche was bestellt, soll diese auch die Rechnung nach dem Vieraugenprinzip auf sachlich richtig kontrollieren. Früher hat das Frau Hartmann gemacht“, weiß er. Das gelte auf anderer Ebene für sein Führungspersonal. Die Blankenbergerin Gabi Waack ist vom Stellvertreter Heimleitung unter den Hartmanns zur Heimleitung aufgestiegen. „Sie zeigt unheimlich viel Engagement.“ Allerdings müssten sich alle drei Leitungskräfte noch freischwimmen, jetzt, wo die „Rettungsschwimmer“ Ferdinand und Suse Hartmann nicht mehr da seien. „Ich bin den Dreien nach dem knappen halben Jahr unwahrscheinlich dankbar. Fehler darf jeder machen und bei Problemen kann man zu mir kommen“, betont Tschiesche, der hinzufügt: „Ich gucke auf die Abläufe im Haus schon rauf – in der Geierposition des gesamten Hauses!“

Ein Problem freilich hatte er unterschätzt. „Für die Mitarbeiter gibt es einen reibungslosen Übergang, keinen neuen Vertrag. Es handelt sich auch um keinen Betriebsübergang. Der IB steigt in die bestehende Firma ein“, hatte Vorgänger Ferdinand Hartmann vergangenen Oktober gegenüber SVZ erklärt.

Doch der Teufel steckt – wie so häufig – im Detail. Im Nisbiller Fall ist es ein kleines „g“ – und das sorgte für riesige Probleme. Die IB-Gruppe mit Sitz in Frankfurt/Main und ihren bundesweit 700 Einrichtungen mit insgesamt 12 000 Mitarbeitern ist gemeinnützig organisiert. Und so wurde aus der .„Pflege- und Wiedereingliederungs GmbH“ (PWG) als Betriebsgesellschaft der Fachpflegeeinrichtung „Haus am Bibowsee“ zum 1. 1. 2016 die „Pflege- und Wiedereingliederungs gGmbH“.

Mit der Folge, dass die Sozialkassen das als neue Firma ansahen und alle Mitarbeiter im alten Unternehmen aus den Krankenkassen ausschieden. Gleich 23 Sozialversicherungsträger stellten auf eine andere Betriebsnummer um. Zudem lag die Gemeinnützigkeit der PWG beim Finanzamt Güstrow. Die IB-Gruppe hat aber ihr Finanzamt in Frankfurt/Main, „und das stellte auch noch gerade auf neue Steuernummern um“, erklärt Tschiesche. Am Ende gab es es großes Chaos, was schließlich dazu führte, dass plötzlich der Zoll vor der Tür stand. Die Nisbiller zahlten alle Beiträge ordnungsgemäß – aber eben mit der alten Betriebsnummer. Auf der neuen war hingegen nichts gebucht worden…

„Da hört der Spaß auf bei den Mitarbeitern. In Deutschland gibt es nichts Schlimmeres als Sozialabgaben nicht zu zahlen“, formuliert Tschiesche drastisch. Die Fehlabbuchungen lagen „teilweise bei uns. Ich habe dieses Übergangsproblem zu spät erkannt“, gibt der 48-Jährige freimütig zu. Mittlerweile habe man die hausinternen Dinge im Griff, beim „Austausch zwischen den Finanzämtern knirscht es aber immer noch“.

Am 1. Juli beginnt für Tschieche nochmals eine neue Zeitrechnung: Bisher geht 50 Prozent seiner Arbeit für seine „eV-Aufgabe“ drauf – Tschiesche hat derzeit auch weiterhin den Regionalleiterposten als e.V. des IB Mittleres Mecklenburg inne, zuständig für die Hansestadt Rostock sowie die Landkreise Rostock und Nordwestmecklenburg. Ab der zweiten Jahreshälfte will er dann endgültig in Nisbill angekommen sein…

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