Pennewitt : Der Wald als buntes Warenlager

Kahlschlag auf anderthalb Hektar im Wald bei Pennewitt: Im Frühjahr soll die Fläche wieder mit Kiefern bepflanzt werden. Der Schlemminer Forstamtsleiter Mathias Regenstein (r.) und Sachbearbeiter Marcus Lange erklären, warum das in die vorgesehene Entwicklung zum Mischwald passt.  Fotos: Rüdiger Rump
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Kahlschlag auf anderthalb Hektar im Wald bei Pennewitt: Im Frühjahr soll die Fläche wieder mit Kiefern bepflanzt werden. Der Schlemminer Forstamtsleiter Mathias Regenstein (r.) und Sachbearbeiter Marcus Lange erklären, warum das in die vorgesehene Entwicklung zum Mischwald passt. Fotos: Rüdiger Rump

Bei Pennewitt und an der B 104 beginnt die Frühjahrsaufforstung. / Forstamt Schlemmin: Zur Entwicklung zum Mischwald gehört auch die Kiefer.

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11. März 2015, 22:00 Uhr

Rechts am Waldweg in Richtung Neukloster öffnet sich nach wenigen hundert Metern eine freie Fläche. Am Rand türmt sich wertloses Geäst aus Baumkronen. Auf drei Meter Länge geschnittene Kiefernstämme liegen gegenüber. Die bringen gutes Geld, frohlockt Mathias Regenstein, Leiter des Forstamtes Schlemmin. Die Industrie zahle pro Festmeter Sägeholz 85 Euro. Mehr lasse sich derzeit selbst mit Buche nicht verdienen. Die sei auf rund 80 Euro gefallen. Vor zehn Jahren habe das freilich anders ausgesehen, deren Preis doppelt so hoch gelegen, sogar bis zu 200 Euro pro Festmeter. Der Bedarf habe sich gewandelt, der Absatz sei spürbar gesunken, der von Bauholz aus Kiefer und Fichte nach oben gegangen. Dass in Wismar Werke vor der Haustür stehen, dürfte kein Nachteil sein, meinen die Forstleute.


Einige Bäume dürfen so alt werden wie sie wollen


Industrieholz müsste natürlich „halbwegs gerade“ sein, damit es sich maschinell entrinden lasse. Die Stämme würden gedreht, aneinander reiben und dabei ihre rissige Haut verlieren. Bliebe die dran, hätten aus diesem Holz produzierte Spanplatten weniger Festigkeit.

Bei Pennewitt wurde 2014 ein anderthalb Hektar großer Kiefernbestand heruntergenommen. Passanten wundern sich bei dem Kahlschlag nur, dass noch vereinzelt Bäume stehen. „Sieben bis acht Stück pro Hektar dürfen so alt werden wie sie wollen. Das nennen wir natürliche Verfallsphase“, erklärt Forstmann Marcus Lange.

Zeitweilig habe die Fläche auf Außenstehende ziemlich wüst gewirkt, räumt Forstamtsleiter Regenstein ein. Es sei eben deutlich mehr Holz angefallen, als wenn sich der Einschlag über zehn Jahre verteile. „Pro Hektar 450 Festmeter, die mit schwerer Technik bewegt und mit 40-Tonnern abgefahren wurden. Und wir hatten viel Unterholz in schlechter Qualität“, erklärt Regenstein. Zum Abschluss würden übrigens die Waldwege glatt gezogen. Das Forstamt gäbe dafür jährlich 90 000 Euro aus. Zu zwei Dritteln würden Straßenbaufirmen beauftragt, ein Drittel erfolge durch Eigenleistungen.

Jetzt beginne die Frühjahrsaufforstung, sowohl bei Pennewitt als auch an der B 104 hinter Witzin, wo der Holzeinschlag vor zwei Jahren erfolgte. „Dieses Jahr machen wir das anders“, kündigt Regenstein an. Sonst sei überwiegend mit Buche und Weißtanne aufgeforstet worden. Deshalb fehlten junge Kiefern. Die würden nun auf dem Kahlschlag gepflanzt, wo reichlich Sonne herankomme. „Das ist eine Lichtbaumart.“ Andere würden unter einem Schirm von alten Bäumen heranwachsen, bis sie drei, vier Meter hoch seien und keine Sorgen mehr mit Sonne oder Frost hätten.


Mischung der Baumarten großflächig gedacht


„Wir wollen gemischten Wald, ein buntes Warenlager, das unterschiedliches Nutzholz bietet und das Risiko minimiert. Und dazu gehört die Kiefer.“ Mischwald bedeute nicht, dass mehrere Baumarten direkt nebeneinander stehen, sondern sei großflächig gedacht, wie hier auf den 2200 Hektar vom Neuklostersee bis Blankenberg. Bäume einer Art würden sich gegenseitig pflegen, durch Ausdunkeln der Äste gleichmäßig wachsen, Kiefern dazwischen aber nach oben heraus schießen, erläutert Regenstein.

Die Verjüngung des Waldes erfolge zur Hälfte auf natürliche Weise, in dem etwa herab fallende Bucheckern für Nachwuchs sorgen. Beim Pflanzen von Sämlingen werde besonders darauf geachtet, welche Baumart am besten wohin passe. Auf schwachen Sandböden, wie hier bei Pennewitt, brauche eine Kiefer 100 bis 130 Jahre, um erntereif zu werden, eine Buche dagegen 180 bis 200 Jahre.

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