Witzin : Der Turm drohte zu brechen

Seit April ist die mehr als 700 Jahre alte Kirche in Witzin eingerüstet.  Fotos: Caroline Weißert
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Seit April ist die mehr als 700 Jahre alte Kirche in Witzin eingerüstet. Fotos: Caroline Weißert

Die um 1300 erbaute Witziner Feldsteinkirche wird derzeit saniert.

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22. Juli 2014, 23:53 Uhr

Witzin Ein tiefer Riss zieht sich durch das Mauerwerk des Witziner Kirchturms. Fast bedrohlich wirkt es, als  Stephan Birkholz vom Kirchengemeinderat seine gesamte Hand in den Spalt steckt. Der Statiker habe bei einer Baubegehung gesagt: „Warum der Turm noch steht, kann ich ihnen rechnerisch wirklich nicht erklären“, erinnert sich der Witziner, der die dringende Sanierung an dem 1275 erbauten Gebäude – der Turm mit seiner sogenannten Bischofsmütze wird auf 1441 datiert –  genau verfolgt.

„Schon im vergangenen Jahr musste eine Notsicherung vorgenommen werden, damit der Turm nicht auseinander bricht“, weiß  Birkholz. Damals haben Fachleute horizontal durch das Gemäuer gebohrt und Gewindestangen zur Stabilisierung eingezogen. Doch der Dachstuhl arbeitete weiter, sodass sich der Riss inzwischen über mehrere Meter bis auf Erdhöhe durch den historischen Kirchturm zieht.

Eisenplatten sollen neuen Halt geben

„Die Fußpunkte der Dach-Schwellen sind weggefault und so drücken die Sparren direkt auf das Mauerwerk und pressen den Turm auseinander“, erklärt Tiefbauer Stephan Birkholz die Ursache für den gewaltigen Riss an einem der ältesten Kirchenbauten des Landes.

Seit vielen Jahren versucht die Kirchengemeinde inzwischen die dringende Sanierung voranzutreiben, nun wurden entsprechende Gelder durch Zuwendungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Spenden aus der Rudolf-Dankwart- und Marlis-Kressner-Stiftung und Eigenmittel von Nordkirche und Kirchengemeinde frei. Im April wurde der baufällige Turm eingerüstet und Ende Mai starteten die notwendigen Baumaßnahmen. Um eine bessere Haltbarkeit zu gewährleisten, wurden Eisenplatten eingezogen, sodass die Sparren nicht mehr auf den Schwellen aufliegen. Statisch sei dies die beste Lösung, um den Turm zu retten, so Stephan Birkholz.

Momentan werkeln die Zimmerleute und Maurer der Schweriner Baufirma „Neumühler Bauhütte“ an der Feldsteinkirche. „Wir kümmern uns gerade um die sogenannten  Aufschieber. Das sind  Holzkeile, die auf dem unteren Ende der Dachkonstruktion angebracht werden und so dem Dach einen Schwung nach außen verleihen“, erklärt Zimmerer Manuel Hunger. Während dieser gemeinsam mit seinem Kollegen Hartmut Zerm die Keile am Boden zuschneidet, arbeiten die Maurer der „Neumühler Bauhütte“ in luftiger Höhe am Turm.

„Durch den Austausch von Backsteinen werden gerade die Risse geschlossen“, so Hunger. Außerdem werde die Schwelle untermauert, damit der Turm wieder Last aufnehmen kann und am Ende werde auch der Südgiebel wieder im gotischen Stil hergestellt. Die grobe Sanierung sei damit beendet, resümiert Manuel Hunger: „Wir haben Schwellen ausgetauscht, Sparren teilweise erneuert oder ausgeblattet und neue Holzverbindungen geschaffen.“ Nun seien noch die Aufscheiber zu machen, anschließend werde der Turm zugeschalt, die Unterspannbahn verlegt und mit Latten befestigt, sodass die neuen Holzschindeln aufgenagelt werden können, so Hunger weiter. „Früher hat man dafür gesägte Eichenschindeln verwendet, aber in den vergangenen Jahren  mussten wir hier viel ausbessern, weil  sich die Schindeln vollgesogen und gelöst hatten – die neuen  Schindeln werden daher geschlagen und aus Lärchenholz sein“, sagt  Birkholz. Bis spätestens Ende September solle die Sanierung  des historischen Turms abgeschlossen sein, verrät Bauingenieur Wolfgang Sagasser. „Leider kann der ursprünglich geplante Termin Mitte August nicht eingehalten werden, da sich die Sanierung schwieriger und aufwendiger gestaltet, als ursprünglich geplant“,  so Sagasser.   Die Arbeiten erforderten eine sehr hohe fachliche Anforderung, die nur von versierten Fachleuten ausgeführt werden können, erklärt der Fachmann weiter.

„Wir machen hauptsächlich Kirchen-Sanierungen und haben schon schlimmere bauliche Zustände gesehen“, zeigt sich Manuel Hunger  jedoch zuversichtlich.

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