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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. August 2017 | 10:57 Uhr

Numismatische Sensation : Der Sternberger Witten-Fund

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Numismatische Sensation im Jahr 2009 rückte Stadt endgültig in den Kreis der mittelalterlichen Münzprägeorte Mecklenburgs

In der Prägung der Witten und Viertelwitten beteiligten sich Ende des 14. Jahrhunderts in Mecklenburg alle größeren Städte – nur für Sternberg gab es lange keinen Nachweis. Dies war völlig unverständlich, denn von seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutung her war Sternberg unbedingt als mittelalterliche Münzprägestätte zu erwarten.

War der Ort doch eine alte Residenzstadt (14. bis Anfang 15. Jhd.) und nach Neubrandenburg waren Sternberg und Friedland die nächstgroßen Städte in damaligen Mecklenburg-Stargard. So war Sternberg die einzige unter den mecklenburgischen Städten, die im Landfrieden von 1351 zwar zwanzig und mehr Bewaffnete auf eigene Kosten zu stellen hatte, aus der aber keine Witten überliefert waren.

Diese Situation änderte sich schlagartig im Jahr 2009: Die lange vermutete Wittenprägung in Sternberg wurde durch das Auftauchen eines Sternberger Wittens bestätigt. In diesem Jahr erschien in der Juni-Ausgabe der Sammlerzeitschrift „Münzen & Sammeln“ ein Aufsatz unter dem Thema „Raritäten und Entdeckungen: Ein unbekannter Witten der Stadt Sternberg“.

Dieser – bis heute einzige Witten Sternbergs – stellt eine numismatische Sensation ersten Ranges dar und rückt nun endlich auch Sternberg in den Kreis der mittelalterlichen Münzprägeorte Mecklenburgs. Im Herbst desselben Jahres wurde diese historisch bedeutende Münze dann auf einer Auktion in Deutschland verkauft.

Es hatte somit fast 100 Jahre gedauert, bis wieder über eine neue mecklenburgische Wittenmünzstätte berichtet werden konnte. 1921 betraf es einen Viertelwitten aus der bis dahin unbekannten Münzstätte Waren.

Der Sternberger Witten gehört in die zweite Wittenperiode Mecklenburgs, die um 1410 begann. Ab jetzt beteiligten sich – neben dem Mecklenburg-Schweriner Städtchen Gnoien – auch die Mecklenburg-Stargarder Städte Neubrandenburg, Friedland und, wie wir jetzt wissen, auch Sternberg an der Wittenprägung. Etwa 1424 kam noch Burg Stargard hinzu.

Friedländer und besonders Neubrandenburger Witten sind nicht allzu häufig in Münzfunden anzutreffen. Im Gegensatz zu den Witten aus Rostock und Wismar, gefolgt von Güstrow, Parchim und Gnoien. Daran schließen sich die Friedländer und Neubrandenburger Witten an, deren Vorkommen etwa dem der seltenen Malchiner Witten vergleichbar ist. Raritäten sind die Witten bzw. Viertelwitten aus Burg Stargard, Teterow, Waren und Neukalen. Der neu aufgefundene Sternberger Witten ist jedoch die seltenste Wittenmünze Mecklenburgs.


Erster Prägehinweis aus dem Jahr 1394


Einen Hinweis auf eine mögliche Münzprägung in Sternberg gab bereits eine alte Urkunde aus dem Jahre 1394 (Mecklenburgisches Urkundenbuch XXII, Nr. 12650), in der der Sternberger Münzmeister Baumgarten dem werleschen Fürsten Balthasar Urfehde (beeideter Fehdeverzicht) schwört, nachdem er zuvor der Falschmünzerei angeklagt war.

Es gab jedoch keinen Beweis für eine eigene Münzprägung in Sternberg. Ein heute verschollener Witten aus dem Berliner Münzkabinett wurde in der Vergangenheit mit Sternberg in Verbindung gebracht. Diese vor 1392 entstandene Münze nennt aber im Gegensatz zu allen anderen mecklenburgischen Witten keinen Prägeort, d.h., auch nicht Sternberg in der Umschrift, sondern den Landesherren. Da hier von Herzögen in der Mehrzahl die Rede ist (MONETA DUCIS/Geld der Herzöge), ist eine Gemeinschaftsprägung mindestens zweier Fürsten anzunehmen. In dieser Zeit regierten aber sowohl in Mecklenburg-Schwerin als auch in Mecklenburg-Stargard mehrere Herzöge nebeneinander, so dass es keinen Grund gab, diesen Witten Sternberg zuzulegen. Er kann genauso gut in Schwerin entstanden sein.


„MONETA STERNEB“ (Sternberger Geld)


Den ersten zweifelsfreien Beweis für eine mittelalterliche Münzprägung in Sternberg erbringt der 2009 aufgetauchte Witten mit der Nennung Sternbergs in seiner Umschrift. Sowohl vom Münzbild, als auch von den Umschriften passt ee in jeder Hinsicht zu den üblichen mecklenburgischen Witten. Er zeigt auf der Vorderseite den gekrönten mecklenburgischen Stierkopf mit der regulären Umschrift „CIVITAS MAGNOPOL“ (Stadt Mecklenburgs) und auf der Rückseite ein Kreuz, in dessen Mitte ein Kreis mit Stern geschnitten ist. Die Rückseitenumschrift „MONETA STERNEB“ (Sternberger Geld) identifiziert eindeutig Sternberg als Prägeort dieser Münze.

Der Stierkopf des Sternberger Wittens ist dem Stierkopf auf drei sehr seltenen Malchiner Wittentypen stilistisch so eng verwandt, dass diese Münzen vom selben Stempelschneider stammen müssen. Da diese Malchiner Witten um 1410 geprägt wurden, ist auch der Sternberger dieser Zeit zuzuordnen. Auch sein Durchmesser von fast 2 cm und sein Gewicht von 0,8 g passen gut zu den Witten aus dieser Zeit.

Das bedeutet, dass Johann II. (1392-1416) von Mecklenburg-Stargard-Sternberg der Münzherr des Sternberger Wittens ist. Er hat also nicht nur in seinem östlichen Landesteil (Friedland) Witten prägen lassen, sondern gleichzeitig auch im westlichen Teil seines Herzogtums, wahrscheinlich auf der Sternberger Burg, wo heute das Heimatmuseum steht. Die Anstellung des Malchiner Münzers lässt den Schluss zu, dass eine reguläre Wittenprägung in Sternberg beabsichtigt war. Sie blieb allerdings sehr bescheiden. Die Ursache hierfür liegt wahrscheinlich darin, dass Sternberg zum Gebiet der lübischen Münzen gehörte, die nach der Wende zum 15. Jahrhundert durch die sundischen Münzen aus ihrer dominierenden Rolle im Ostseehandel verdrängt wurden. Deshalb ist es verständlich, dass die Stargarder Fürsten dem lübischen Münzfuß weniger zuneigten als dem sundischen Münzfuß, in dessen Einflussbereich ihre erfolgreichen Prägeorte Friedland und Neubrandenburg lagen.

Mit diesem bis vor kurzem noch unbekannten Witten ist somit der sichere Beweis für eine mittelalterliche Münzprägung in Sternberg erbracht worden und die Geschichte dieser alten Residenzstadt um eine interessante Facette reicher.




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