Warin : Der schwere Anfang

Aus der Chronik des Krankenhauses: Ansicht von der Burgstraße aus, aufgenommen um 1951.
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Aus der Chronik des Krankenhauses: Ansicht von der Burgstraße aus, aufgenommen um 1951.

Die Geschichte des Wariner Krankenhauses. Teil 1 einer losen Folge anlässlich der 20-jährigen Schließung

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01. Februar 2018, 12:00 Uhr

Zum 20. Mal jährt sich in diesem Jahr die Schließung des Wariner Krankenhauses. Aus diesem Anlass bereitet ein Organisationsteam von zehn Personen das 3. Wiedersehenstreffen der Beschäftigten der Einrichtung am 3. März um 10 Uhr im Hotel Am Wariner See vor.

SVZ stellt in einer dreiteiligen losen Folge die bewegte Geschichte des Krankenhauses in Text und Bild vor. Quelle sind die Lebenserinnerungen von Dr. Eduard v. Fircks und die Chronik des Krankenhauses, die sich im Stadtarchiv befindet. Heute: Teil 1.

Nach Kriegsende 1945 zog in das Verwaltungsgebäude, das auf den Grundmauern der abgetragenen Wariner Bischofsburg errichtet wurde, die russische Kommandantur ein. Danach wurde es vorrübergehend als Seuchenkrankenhaus, später als Dienststelle der Volkspolizei genutzt.

Dann, im Juli 1948, begann man, das im klassischen Stil errichtete Gebäude, als Krankenhaus einzurichten. Im Landkreis Wismar war die medizinische Versorgung nicht gesichert. Ein Krankenhaus in Warin sollte die Notlage im Kreis verringern.

Es war ein äußerst schwerer Anfang, in der noch von den Kriegsauswirkungen geprägten Zeit. Das Haus besaß für ein Krankenhaus nur bedingte Eignung. Zwar hatte es im Erdgeschoss große, luftige Räume. Aber viele davon waren Durchgangszimmer. Im zweiten Stock erreichten nur die Giebelstuben normale Raumhöhe. Dazwischen betrug die Deckenhöhe nur zwei Meter. Viele Räume hatten schiefe Fußböden. Die Zwischenwände waren aus Lehm gemacht.

Im Februar 1949 konnten dann drei Zimmer als belegbar gelten. Die Betten waren aus Brettern notdürftig zusammengenagelt. Als Matratzen dienten Strohsäcke oder auch nur eine lose Strohschüttung. Bettwäsche mussten die Patienten mitbringen. Grobe Wolldecken dienten als Zudeck, wenn die Patienten nicht ihr Federbett mitbrachten. Kopfkissen: Fehlanzeige.

Auch die medizinische Ausrüstung war unvorstellbar dürftig. Einiges hatte Dr. Eduard von Fircks bei seinem Dienstantritt im Februar 1949 aus dem aufgelösten Hilfskrankenhaus Dreveskirchen mitbringen können.

Schon am 7. März 1949 erfolgte eine Bauchoperation mit gutem Ergebnis. Eine Schwester instrumentierte, eine Rote-Kreuz-Helferin assistierte. Beide machten so etwas das erste Mal in ihrem Leben. Es sollte der Beginn einer Erfolgsgeschichte werden. Um den Chefarzt Dr. von Fircks und unter dessen Präsens bildete sich eine verschworene Gemeinschaft heraus, die aufopferungsvoll im humanen Sinne für die kranken Mitmenschen tätig war.

Die Leitung des Krankenhauses lag in der Hand des Wismarer Kreisarztes Dr. Kies. Er kümmerte sich um das Organisatorische und überließ Dr. v. Fircks vollständig die medizinische Leitung. Eine gute Entscheidung, denn der Herr Kies war ein gewiefter Organisator, nur eine Arztausbildung hatte er nie absolviert. Ob ihm bei seiner späteren Verurteilung die Verdienste beim Aufbau des Krankenhauses angerechnet wurden? Wahrscheinlich benötigte das Geleistete einen ziemlich windigen Charakter. Ganze Lkw-Ladungen dirigierte Herr Kies nach Warin: Leichtmetallbetten, steinharte Matratzen, Wolldecken, Bettgeschirr, Essgeschirr, Küchengegenstände und Pflegemittel. Selbst ein Operationstisch kam als Schrott vom Stadtkrankenhaus Wismar nach Warin. Bei Automechaniker Zierke (heute Am Mühlentor 16) wurde dem guten Stück wieder Funktionalität herbei geschlossert.

Improvisationen waren oft nötig. Autowrackteile wurden zu Schranktüren, ein alter Projektor durch den Automechaniker zur Operationsleuchte. Die häufigen Stromausfälle überbrückte ein separater Anschluss an das Stromnetz der Wariner Wassermühle. Dazu standen Autobatterien zusätzlich bereit. Trotzdem musste Dr. von Fircks, wie er in seinen veröffentlichten Lebenserinnerungen berichtet, auch mal eine große Bauchoperation im Lichtkegel einer Taschenlampe beenden.

Der wahrlich schwere Anfang scheint die Belegschaft des Krankenhauses, und das sind weit mehr als nur der oder die Ärzte, stark gemacht zu haben. Das Wariner Krankenhaus erwarb sich sehr bald überregional einen guten Ruf.

Dazu mehr im Teil 2: „Gute Zeiten“.










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