Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 13 : Der sanfte Riese

Was wie eine Feder aussieht, ist der abgeworfene Teil einer Kiemenreuse eines heutigen Riesenhaies. Dazu auf dem Fundstück in der Kobrower Kiesgrube eine wie ein Angelhaken aussehende Zacke aus der Kiemenreuse (dunkles Teil auf dem Gestein).
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Was wie eine Feder aussieht, ist der abgeworfene Teil einer Kiemenreuse eines heutigen Riesenhaies. Dazu auf dem Fundstück in der Kobrower Kiesgrube eine wie ein Angelhaken aussehende Zacke aus der Kiemenreuse (dunkles Teil auf dem Gestein).

Beim Beitrag unseres Autors Detlef Uebersohn geht es diesmal um Haie und ihre Zähne.

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03. Dezember 2016, 09:00 Uhr

Im Sternberger Kuchen finden sich gelegentlich schwarze, auf den ersten Blick wie Angelhaken aussehende Gebilde, die den Kiemenbogen eines großen Haies entstammen.

Es sind so genannte Kiemenreusendorne des Riesenhais Cetorhinus parvus, der im gesamten Oligo-Miozän (zwischen ca. 35 und 5 Mio. Jahren) im damals noch warm-temperierten bis subtropischen Nordseebecken auftrat und erst nach einem merklichen Abfall der Jahresmitteltemperaturen durch die noch heute existente Art Cetorhinus maximus abgelöst wurde.

Im Gegensatz zu den meisten seiner Artgenossen aus der Ordnung der Haie (Selachii), die mit z.T. extrem gefährlichen Gebissen als Raubfische in den Weltmeeren unterwegs sind, hat die Familie der Riesenhaie (Cetorinidae) aufgrund ihrer Nahrungsvorliebe für Kleinstlebewesen, im Verlauf der Evolution, ihr Gebiss bis zur Funktionsunfähigkeit reduziert (Zähne im Millimeterbereich) und dafür einen Filterapparat entwickelt.

Als passive Planktonfresser saugen die Riesenhaie kein Wasser ein, sondern lassen es, mit weit geöffnetem Maul langsam schwimmend, lediglich über ihre Kiemen gleiten (ca. 2000 Tonnen pro Stunde) und filtrieren so mit den kammähnlichen, in den Schlund ragenden Kiemenreusen, ihre Nahrung aus. In den Wintermonaten, in denen die Riesenhaie vermutlich keine Nahrung aufnehmen, werden diese Kiemenreusen rückgebildet bzw. abgeworfen und dann wieder neu gebildet.

Die Abbildung zeigt das federähnliche, abgeworfene Teil einer Kiemenreuse eines rezenten Riesenhaies (Cetorhinus maximus), sowie ein in der Kiesgrube Kobrow gefundenes Handstück mit einem Kiemenreusendorn (eine Zacke aus der Kiemenreuse) des oligozänen Riesenhaies Cetorhinus parvus. Beide Exponate entstammen der Sammlung der Parchimer Dipl.-Geologin Karina Thiede und ihres Ehemannes Nils.

Die heutige, einzige Art aus der Familie der Riesenhaie, der Cetorhinus maximus ist mit ca. zwölf Metern Länge und einem Gewicht von bis zu sieben Tonnen der zweitgrößte Fisch der Erde. Als Einzelgänger oder in Schulen (bis zu hundert Tiere) kommt er im Bereich der Kontinentalsockel in gemäßigten und kalten (subpolaren) Meeren vor. Hier zieht er seiner Nahrungsquelle, den saisonal bedingten Planktonströmen hinterher und legt so jährlich tausende Kilometer zurück.

Auch in der Nordsee werden jährlich Sichtungen von Riesenhaien gemeldet, so zuletzt im Juni 2016, im küstennahen Bereich des Sylter Außenriffs.

Die Legenden der Seefahrer über gewaltige Meeresschlangen bzw. anderer Seemonster geht z.T. vermutlich auch auf die Schwimmweise der Riesenhaie zurück. Da sie gern an der Wasseroberfläche und hintereinander schwimmen, wobei die großen Rückenflossen die Wellen durchbrechen, mag bei manchen Seeleuten den Eindruck eines einzigen riesigen Tieres hinterlassen haben.

Aufgrund der späten Geschlechtsreife (die lebendgebärenden Weibchen sind ca. drei Jahre schwanger) und der damit verbundenen langsamen Vermehrung, wirkte und wirkt sich die intensive Bejagung der Haie dramatisch für ihre Bestände aus. Trotz eines absoluten Bejagungsverbotes, dem sich inzwischen 124 Vertragsstaaten angeschlossen haben (Bonner Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden Tierarten, CMS), werden die Tiere weiter bejagt. Für die Flossen erhält man in Asien bis zu 2500 Euro!
 

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