Zaschendorf : Der Retter des barocken Torhauses

Seit fast 20 Jahren  arbeitet der Zaschendorfer Thomas Stüwe nach der Rettung des barocken Torhauses aus der Zeit um 1780 mit einer Grundfläche von ca. 650 m2 an dessen Sanierung. Fotos: Roland Güttler
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Seit fast 20 Jahren arbeitet der Zaschendorfer Thomas Stüwe nach der Rettung des barocken Torhauses aus der Zeit um 1780 mit einer Grundfläche von ca. 650 m2 an dessen Sanierung. Fotos: Roland Güttler

Zaschendorfer Thomas Stüwe wird übermorgen in Schwerin mit dem Denkmal-Handwerkerpreis ausgezeichnet.

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24. November 2014, 10:24 Uhr

Thomas Stüwe ist ein Retter! Ein Retter mit Sinn für Geschichte. Der 53-Jährige hat das barocke Torhaus von Zaschendorf aus der Zeit um 1780 seit 1995 mit dem Kauf von der Treuhand erst vorm Abriss gerettet, um es schrittweise zu sichern und instand zu setzen.

Dafür wird er übermorgen im Neustädtischen Palais von Schwerin mit dem Denkmal-Handwerkerpreis geehrt. Die Festrede hält Ministerpräsident Erwin Sellering. „Erst habe ich überlegt, ob ich in Zimmermann-Kleidung hingehe. Aber ich mache es doch nicht“, sagt der passionierte Segler von 20er-Jollenkreuzern. Das Wasser sieht ihn aber nur für „die Zeit, die bleibt“.

Thomas Stüwe ist eigentlich Schweriner, in den 90ern hat er jedoch die „tollste Landschaft“ um Zaschendorf und vor allem sein Lebenswerk Torhaus entdeckt. Das einst prächtige barocke Kleinod, in dem zu DDR-Zeiten die LPG u.a. Getreide lagerte, „war bereits von der Denkmalliste gestrichen gewesen, als ich es 1994 von der Treuhand erwarb“. Das abgebildete „Zeitdokument“, belegt: Statt barocker Pracht war das Torhaus reif für den Abriss. Bis Thomas Stüwe kam, der 1977 beim VEB Denkmalpflege Schwerin die Zimmererlehre begann und bis vor drei Jahren bei den Nachfolge-Betrieben arbeitete. Seitdem hat er eine eigene Firma, als Ein-Mann-Betrieb: Er hole sich „andere Firmen dazu, wenn ich sie brauche“.

Erst wollte er in seinem Torhaus auch irgendwann einziehen, doch als Stüwe merkte, das könne ewig dauern, baute er 1996 gleich nebenan ein Einfamilienhaus. Und machte sich zugleich Stück für Stück an die Rettung des Einfallstores zur einstigen Gutsanlage. Seit fast zwei Jahrzehnten mittlerweile. „In zwei, drei Jahren will ich mit den Außenarbeiten aber fertig sein“, verkündet er. Wenn man solch ein Projekt angeht, bei dem weit mehr als nur alle Fachwerksstiele und Balkenköpfe vergammelt waren, gibt es für Stüwe nur zwei Möglichkeiten: „Entweder man hat ganz viel Geld, oder man muss es selber können.“ Wobei, ohne die nötige Knete läuft hier auch als Handwerksmeister wenig. Doch darüber schweigt er sich lieber aus: „Geld und Stunden habe ich nicht gezählt.“

Wer traut sich dennoch zu, so was zu übernehmen? Das fragte sich seine Lebenspartnerin Claudia anfangs auch. Doch jetzt meint sie: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er überhaupt verzweifelt. Seine Ruhe und die Liebe zum Beruf – einfach schön zuzuschauen.“

Getreu dem Motto: Wen einmal die Denkmalpflege gepackt hat… Neubauten übernimmt die „Zimmerei Stüwe“ hin und wieder auch, „aber das mache heute jeder. Fertig abgebundene Dachstühle nur draufzusetzen und zweimal in der Woche Richtfest zu feiern“, dies ist nicht sein Ding. Zwei Jahre lang arbeitete er am Reriker Kirchturm und Glockenturm. Gegenwärtig sind es wieder zwei Gotteshäuser. In Dreveskirchen macht Stüwe die Notsicherung, in der Kirche von Börzow bei Grevesmühlen ist weit mehr zu tun. Und auch bei einem alten Wismarer Stadthaus ist der Zaschendorfer aktuell zu Gange.

Und natürlich am Torhaus. Der Jury des „Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege“ beeindruckte vor allem „sein hoher handwerklicher und denkmalpflegerischer Ansatz“, wie es in der Begründung heißt. Das geht Thomas Stüwe runter wie Öl, eine bessere Werbung kann’s nicht geben. Und dafür wirft man sich zur Preisverleihung schon mal in Schale…

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