Landratswahl : Der lange Weg zum Rockstar

Will als Landrat Mittler und Dienstleister sein: Klaus-Michael Glaser
Will als Landrat Mittler und Dienstleister sein: Klaus-Michael Glaser

Vorgestellt: Der Landratskandidat Klaus-Michael Glaser von der CDU, der gerne bekannter wäre

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16. Mai 2018, 05:00 Uhr

Am 27. Mai wählt Ludwigslust-Parchim einen neuen Landrat. Unsere Redaktion hat die vier Kandidaten zum Gespräch gebeten – unter einer Bedingung: Es soll an ihrem liebsten Platz im Landkreis stattfinden. Heute: Klaus-Michael Glaser, der Kandidat der CDU.

Klaus-Michael Glaser (58) hat ein Problem. Und das ist er selbst. Seine Kontrahenten, Stefan Sternberg und Jacqueline Bernhardt, werden auf der Straße schnell mal erkannt. Da der SPD-Bürgermeister aus Grabow, da die einzige Linken-Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis. Selbst der AfD-Kandidat Matthias Pasternak waberte jüngst durch die bundesdeutsche Presse.

Von Klaus-Michael Glaser hingegen ist nicht viel zu hören. Oder zu sehen. Er ist in Fleisch und Blut gegossene Kommunalpolitik. Jene Ebene, für die sich die Leute in der Regel nicht interessieren oder erst gar nicht wissen, was sie bewirkt. Er kann einem fast leidtun. Denn sein Lebenslauf liest sich wie eine Antwort auf die Stellenbeschreibung eines Landrates.

Studierter Jurist. Beinahe 30 Jahre in der Kommunalpolitik tätig. Schrieb nach der Wende an der kommunalen Gesetzgebung mit. Ist jetzt Referent beim Städte- und Gemeindetag des Landes. Hätte nach eigenen Schätzungen fast jede Bürgermeisterhand Mecklenburg-Vorpommerns geschüttelt.

Sein Team arbeitete im Moment daran, ihn bekannter zu machen, sagt Glaser und lacht. Vor ihm steht eine Tasse Latte macchiato, ihm gegenüber sitzt seine Frau, die er zum Interview mitgebracht hat.

Im Naschwerk sind sie öfter. Ein kultiges Café in der Nähe ihres Wohnortes Pinnow, versteckt zwischen Straßen, Wald und Wasser. Sie schätzen den Kuchen. Viel mehr noch den Chef, Edje, ein Niederländer. Der unterstützt Glaser. Auf dem Weg zur Toilette hat er eine Handvoll Kandidaten-Handzettel ausgelegt.

„Ich bin eher so ein sachlicher Typ, der nicht alles persönlich nimmt und ausficht“, sagt Glaser über sich. Die Heimat schimmert durch. Er kommt aus der Nähe von Hamburg. Ein Hanseat halt. Seine Formel: Konflikte sachlich lösen. „Das lernt man als Jurist. Können allerdings nicht alle.“

Nachfrage bei einem Politiker aus einer anderen Partei, der öfter mit ihm zu tun hat. Partnerschaftlich sei das Zusammenarbeiten, vielmehr könne er gar nicht sagen. Na gut, ab und zu wäre Glaser ein wenig bissig. Läge aber womöglich am Wahlkampf.

Mit diesem erklärt Glaser auch den einen Satz, den er bei seiner Nominierung den anwesenden Christdemokraten zurief: „Wir wollen den Landkreis rocken!“ Im Kampf um die Stimmen müsse man eben etwas anbieten, sagt er. Mittlerweile habe er festgestellt, noch nicht ganz die Resonanz eines Rockstars auszulösen. Er ballt die Faust und schneidet mit ihr durch die Luft. In den zurückliegenden Wochen sei er an die Leute rangegangen. Einige kannten seinen Namen.

Den Landreis vergleicht Glaser mit einem Tanker. Groß, voll bepackt und schwer zu manövrieren. Erfahrung bräuchte es, um ihm die Richtung zu vorzugeben. Auch sieht er die Verwaltung als Dienstleister. Bürger könnten von ihr Gegenleistungen erwarten. Sein Stil als möglicher Landrat: Er will Mediator sein, der Mittler. Übrigens auch etwas, das er schon lange macht.

Wenn es Streit gibt, beispielsweise zwischen einem Bauern und einer Gemeinde, vermittelt er zwischen den Parteien. Bekommt selten einer mit. „Der Mediator hält sich zurück“, sagt Glaser. „Er versucht nur, auf das Gemeinsame hinzuwirken.“

Hintergrund: Glasers Schwerpunkte

Heimat: Heimat im Sinne, dass sich unsere Leute hier wohlfühlen. Und das können sie nur, wenn sie hier Arbeit finden, also Wertschöpfung vor Ort. In dem sie gute Verbindung nach außen haben […].  Das Zusammenwirken der Kreishälften.

Digitalisierung: Da erhoffe ich mir von der besseren Breitbandverbindung – die kommt ja jetzt –, dass man besser von zu Hause arbeiten kann. Nicht nur Homeoffice. Selbstständige können dann ihre Zeichnungen hochladen und durch die Welt schicken. Da müsste man nicht mehr so häufig auf die Autobahn.

Pendler: Jeder Pendler ist mir lieber, als der, der wegzieht. Der Pendler bleibt hier mit seiner Familie, zahlt hier seine Steuern. Und sorgt dafür, dass sich seine Kinder hier wohlfühlen und sie vielleicht irgendwann wiederkommen. Ihnen müssen wir gute Bedingungen bieten.


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