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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 11:49 Uhr

Groß Labenz : „Der Krieg beginnt immer im Kopf“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Malerin Brunhilde Handorf aus Groß Labenz setzt sich mit der Ukraine-Krise auseinander und kleidet ihre Sorgen in das Feuervogel-Motiv.

von
erstellt am 06.Jan.2015 | 08:30 Uhr

Es war einmal ein buntes Bild von fast 90 x 90 Zentimetern mit einer Mecklenburger Landschaft drauf. Doch dann erfasste sie der November-Blues, wie die Groß Labenzer Malerin Brunhilde Handorf jetzt bekannte. „Es war nicht wegen des Wetters, ich bin nicht wetterfühlig. Es ist wegen der Ukraine-Krise, ja dem Krieg dort“, erklärte sie gegenüber SVZ.

„Um meine innere Unruhe loszuwerden, um aus der unzureichenden, unpolitischen Situation für mich rauszukommen, habe ich das Landschaftsbild übermalt – innerhalb von zwei Tagen!“

Sie nennt es „Kriegsbild“. Die einst bunte Landschaft darunter sieht man nur an manchen Stellen noch etwas in Gelb durchschimmern. Vor allem ist es aber kein Bild, bei denen sich Malerin wie Betrachter ausruhen können. Die Farben Grau und Schwarz sowie das Signalblau dominieren. Links unten das Rot soll uns sagen: Der Brand hat bereits angefangen. Und über allem schwebt das Symbol des Feuervogels, der über die Landschaft hinwegfegt und dessen Flügel angedeutet vom Feuer erfasst wird. Wie eben ein Krieg seine unübersehbaren Spuren in zuvor friedlich bunten Landschaften hinterlässt.

In der Bildmitte in Leinen eingearbeitet hat die Groß Labenzerin als Mahnung eine Strophe des „Kriegsliedes“ von Matthias Claudius (1740 - 1815). „Nachher will es wieder keiner gewesen sein“, sagt Brunhilde Handorf aus Kenntnis der Vergangenheit. Sie ist besorgt – als Kind des Jahrgangs 1941 mit all der schweren Nachkriegszeit besonders sensibilisiert, was die Thematik Krieg und Frieden angeht.

„Wir leben in einer Umbruchsituation weltweit, das beunruhigt ebenso wie die Haltung unserer Politiker. Viele, viele Schritte führen irgendwann ins Aus“, sagt die Künstlerin und fügt hinzu: „Der Krieg beginnt immer im Kopf.“ Im vorigen Jahrhundert habe es bereits zwei Umbruchsituationen gegeben… Einen dritten Weltkrieg sieht Handorf nicht heranziehen. „Russland und auch die anderen wollen keinen Krieg.“

Und dennoch sei die Gefahr des großes Missverständnisses da. Viel schlimmer als ihr wahrlich beklemmendes Motiv seien für sie die täglichen Nachrichten im Fernsehen: „Aus Afrika, dem Gazastreifen, Israel, vom Islamischen Staat…“ Die Menschheit müsse jetzt „richtig aufpassen, es ist eine ganz gefährliche Situation. Und die Leute nehmen es einfach nicht wahr!“

In den Augen von Brunhilde Handorf war und ist „das Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine ohne Russland falsch, das kann uns nichts nützen.“ Zudem ärgere es sie, wie unsensibel mit der gegnerischen Meinung umgegangen wird. Sie hält es mit dem ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, der beständig mahnt, auch die Befindlichkeiten der Gegenseite beim eigenen Handeln mit ins Kalkül zu ziehen.

Immer wieder geht Brunhilde Handorf an die Staffelei in ihrem Atelier im Nachbarort Klein Labenz und malt weiter an ihrem Kriegsbild. „Das Bild wird mir schon sagen, wenn es fertig ist.“ Der bereits 2013 entstandene Ikarus, „auch der ist noch nicht fertig“, ist hingegen ihr Dauerthema, Lebensprinzip: „Der Ikarus widersetzt sich allen Weisungen, erlebt sein Fiasko, aber er taucht immer wieder auf.“ Brunhilde Handorf – eine Mahnerin, die Halt sucht in der in ihren Augen immer haltloseren Welt.

 

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