Woserin / Schwerin : Der Korbmacher mit einer Wolke

Korbmachermeister Ralf Eggert aus Woserin arbeitet gern im Freien, ob im dicken Pullover oder T-Shirt. Hier fertigt er einen großen Kartoffelkorb für einen Markt.
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Korbmachermeister Ralf Eggert aus Woserin arbeitet gern im Freien, ob im dicken Pullover oder T-Shirt. Hier fertigt er einen großen Kartoffelkorb für einen Markt.

Ralf Eggert aus Woserin beteiligt sich an der Gelbkunst-Ausstellung ab heute im Kunst-Wasser-Werk Schwerin.

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26. Mai 2017, 05:00 Uhr

Dieses Wochenende ist Ralf Eggert auf weiter Tour. In Lalling im Bayrischen Wald gibt es beim traditionellen Mostfest einen Töpfermarkt, und weil sein Handwerk dazu passt, ist er als Korbmacher dabei, nicht zum ersten Mal. „Das macht immer Spaß, ein Wochenende in Bayern ist schon lustig. Dafür nehme ich die 800 Kilometer gern mal in Kauf. Dort besteht auch ein anderes Verständnis für das Kunsthandwerk“, hat der Korbmachermeister aus Woserin festgestellt.

Zur gleichen Zeit beschäftigen ihn drei Projekte hier zu Lande. Es sei nun mal so, dass sich alle um Pfingsten konzentrieren. Im Kunst-Wasser-Werk Schwerin beginnt heute die Ausstellung „Gelbkunst“, die Arbeiten von fast 50 Künstlern ganz unterschiedlicher Genre zeigt. Sie ist bis Pfingstmontag in der Neumühler Straße 50 geöffnet, montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, am Wochenende von 14 bis 18 Uhr.


Naturphänomen wie beim Gewitter


Von Eggert ist dort ein Lichtobjekt zu sehen. Er hat aus geschälter Weide ein Fantasiegebilde entstehen lassen, 190 x 80 x 100 Zentimeter groß. Es stellt ein seltenes Naturphänomen dar – eine gelbe Wolke, wie sie mitunter bei Gewitter am Himmel auftaucht. Die Teilnehmer an der Ausstellung hatten sich mit dem Thema „Gelb“ auseinander zu setzen. Er habe einen Lichtschlauch eingeflochten, der aber nur eingeschaltet sichtbar wird, und sein Werk „Kumulus“ genannt, „wie die Wolke“, erklärt der Korbmacher. Daher soll es frei im Raum schweben. Er habe, als er das Ausstellungsobjekt in die Galerie brachte, Angelsehne zum Befestigen mitgenommen. Die sei für den Betrachter kaum zu sehen.

Die Anfrage, ob sich Kunsthandwerker an der Ausstellung beteiligen würden, habe er als 2. Vorsitzender des Landesverbandes Kunsthandwerk Mecklenburg-Vorpommern an Kollegen weitergeleitet, aber selbst auch gleich überlegt, was er aus dem Thema machen könne. Denn das wäre eine Gelegenheit, sein Handwerk, das zu den ältesten der Menschheit gehört, einmal auf andere Art und im wahrsten Sinne des Wortes in neuem Licht zu präsentieren.

Das Korbmacherhandwerk sei 2016 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden, das derzeit 68 Kulturformen sowie vier Erhaltungsprogramme umfasst. Es soll von Jahr zu Jahr wachsen und langfristig die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar machen, wobei es sich um keine Erfassung des „deutschen Erbes“, sondern von kulturellen Traditionen in Deutschland handelt. Doch bislang sei die Aufnahme in dieses
Verzeichnis öffentlich in keiner Weise spürbar, bedauert der Woseriner Korbmacher.

Seine Beteiligung an Gelbkunst sei Ausdruck dafür, auch eigene Ideen verwirklichen zu wollen und künstlerisch tätig zu werden. Dies mache etwa ein Viertel seiner Arbeit aus, drei Viertel des Umsatzes gingen auf Kundenwünsche zurück.


In Rothen 1. Biennale des Kunsthandwerks MV


Wenn Ralf Eggert am Montag aus dem Bayrischen Wald zurück ist, geht es gleich mit dem zweiten Projekt weiter. Dienstag und Mittwoch werde auf dem Dachboden des Rothener Hofes, auf dem schon eine Reihe gehaltvoller Veranstaltungen stattfand, für die 1. Biennale des Kunsthandwerks MV aufgebaut. Zu den Ausstellern gehören neben
dem Woseriner unter anderem Takwe Kaenders, Ulrike Steinhöfel und Gabriele von Lehsten, die alle in Rothen arbeiten. Als Gast wird die Arts & Crafts Association von der dänischen Ostseeinsel Bornholm dabei sein.

Es sei die erste größere Ausstellung, um den Landesverband neu zu beleben, erklärt Eggert. Dieser habe seit zwei Jahren mit Takwe Kaenders als 1. Vorsitzende und ihm als 2. Vorsitzenden eine neue Führung und seinen Sitz danach von Schwerin nach Rothen verlegt. Die Werkschau wird am 1. Juni um 19 Uhr mit einer Vernissage eröffnet, kann Pfingsten zeitgleich mit „Kunst: Offen“ besucht werden und danach bis zum 6. Juli täglich von 14 bis 18 Uhr.

Ebenfalls Pfingsten findet in Woserin ein Flechtertreffen statt. Dazu mehr in der kommenden Woche.


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