Serie „Raritäten aus dem Sternberger Kuchen“ : Der Fisch mit den Hasenzähnen

Die bisher einzigen im Sternberger Gestein aus der Kiesgrube Kobrow gefundenen Exemplare, die sich eindeutig einer Seekatze (Chimäre) zuordnen lassen.
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Die bisher einzigen im Sternberger Gestein aus der Kiesgrube Kobrow gefundenen Exemplare, die sich eindeutig einer Seekatze (Chimäre) zuordnen lassen.

In unserer vorletzten Folge geht es um zwei einzigartige Fundstücke einer Chimäre.

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30. Januar 2018, 12:02 Uhr

Die zwei in der Abbildung gezeigten, nur wenige Millimeter großen Zähne aus der Sammlung von Dr. Thomas Reinecke aus Bochum sind echte Raritäten und die bisher einzigen im Sternberger Gestein aus der Kiesgrube Kobrow gefundenen Exemplare, die sich eindeutig einer Seekatze (Chimäre) zuordnen lassen und aus dem Bereich des Oberkiefers stammen. Eine genaue Artbestimmung ließ sich nicht durchführen, aufgrund der geringen Zahngröße wird jedoch ein jugendliches Tier vermutet.

Benannt nach einem Mischwesen und Ungeheuer aus der altgriechischen Mytologie, gehören die heutigen Chimären (Chimaeriformes), wie Haie und Rochen, zu den Knorpelfischen (Chondrichthyes). Sie zählen zu den ältesten Lebewesen unserer Erde und sind die einzige überlebende Ordnung der Holocephali, zu der viele ausgestorbene und nur fossil überlieferte Gruppen gehören, die bereits im mittleren Devon (ca. 400 Millionen Jahre) auftraten und mit einer großen Artenvielfalt ihre Blütezeit im Karbon (ca. 350 Mio. Jahre) hatten.

Es werden drei Familien unterschieden, die Pflugnasenchimären (Callorhinchidae) mit drei Arten, die Langnasenchimären (Rhinochimaeridae) mit acht Arten, und die Kurznasenchimären (Chimaeridae) mit etwa 37 Arten. Ihren Namen und die vielen Namenssynonyme (Spöken, Seedrachen, Seeratten, Geisterhaie) haben die Seekatzen ihrer skurrilen Gestalt zu verdanken.

Ein Großteil der Körperlänge entfällt auf einen spitz auslaufenden, langen Schwanz, der keine deutliche, endständige Schwanzflosse aufweist. Die Haut ist überwiegend schuppenlos und erinnert mehr an die Haut eines Frosches. Die vordere Rückenflosse ist kurz und hoch und kann aufgerichtet werden. An ihrem vorderen Ende befindet sich ein langer Stachel, der an seiner Basis Giftdrüsen besitzt und der Feindabwehr dient. Sein Stich ist für den Menschen sehr schmerzhaft, aber normalerweise nicht tödlich. Die Brustflossen haben ein flügelähnliches Aussehen. Der Kopfbereich weist große Augen mit grünlich schimmernden Pupillen auf. Der Mund ist klein, befindet sich auf der Schnauzenunterseite weit zurückgesetzt und zeigt nagetierähnliche Zähne.

Je nach Art erreichen erwachsene Individuen eine Länge von 0,40 bis zu 1,5 Metern, wobei die Weibchen im Durchschnitt etwas größer sind als die Männchen.

Seekatzen leben in allen Weltmeeren, vom Nordpolarmeer über die Tropen bis zur Subantarktis. Sie kommen in Tiefen von 200 bis maximal 3000 Metern an den Kontinentalrändern in Bodennähe vor. Die Artenvielfalt der Chimären nimmt in den tropischen Meeren ab, die wenigen dort lebenden Arten halten sich vor allem in der Tiefsee auf.

Seekatzen ernähren sich hauptsächlich von bodenlebenden hartschaligen Organismen, insbesondere von Seeigeln, Muscheln, Schnecken, Krebstieren, Schlangensternen und weiteren Wirbellosen.

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