Jubiläum : Der Brüeler Eisenmann

Ein Leben mit der Hantel: Harry Barth ist seit 40 Jahren Gewichtheber.
Foto:
Ein Leben mit der Hantel: Harry Barth ist seit 40 Jahren Gewichtheber.

Harry Barth feiert am morgigen Sonntag sein 40-jähriges Gewichtheber-Jubiläum. Seit 1980 beim Turn- und Athletenverein.

von
18. Juni 2016, 12:20 Uhr

„Der Körper sagt dir Bescheid, dass du in die Halle musst“ – verkündet Harry Barth, der Brüeler Eisenmann. Am morgigen Sonntag feiert er sein 40-jähriges Gewichtheber-Jubiläum. Angefangen hatte alles in Dresden. Über Schwerin landete er schließlich 1980 als TZ-Trainer (Trainingszentrum) in Brüel. Bis 1999 war er hier hauptamtlicher Trainer. Barth: „Nach der Wende war ich einer der letzten, der so noch tätig war.“

Aktuell zieht es ihn zweimal die Woche in die Stätte des Turn- und Athletenvereins (TAV) Brüel auf dem Vogelstangenberg. Dann wird zweieinhalb bis drei Stunden trainiert. Gewichtheben ist für Harry Barth der richtige Ausgleich: „Wenn man beruflich schwere Tage hatte oder einfach auch mal keine Lust hat, geht es nach dem Training mit ganz anderen Gefühlen nach Hause.“

Das Heben zwinge „dich automatisch abzuschalten. Man muss sich so konzentrieren, dass man keine anderen Gedanken fassen kann. Wenn man das nicht macht, gefährdet das die Gesundheit“, betont Barth. In dem Atemzug räumt der 57-Jährige auch mit einer weit verbreiteten Meinung auf, dass Gewichtheben das Kreuz kaputt mache. „Wenn das so wäre, würde ich hier nicht stehen“, sagt Barth mit dem Brustton der Überzeugung. Es komme eben auf solide Grundausbildung und die richtige Technik an. „Wenn du die nicht hast, brauchst du kein Gewichtheben machen.“

Er selbst habe „bisher keine großen Verletzungen gehabt. Die Hantel ist so gebaut, dass du drunter passt.“ Zudem sei er unter ständiger Kontrolle der Sportärzte.


Gesamter Organismus wird beansprucht


In Sachen Hantel-Abc hat der Eisenmann mit dem A-Trainer-Schein auch ein Blick auf die Jungs, die zum Fitnesssport in die TAV-Halle kommen. „Brust raus, Arme lang und Hohlkreuz“, ruft Harry Barth. Hebererfolge stellen sich nicht von heute auf morgen ein. „Das braucht mindestens ein halbes Jahr“, bemerkt er. Dafür trainiert das Gewichtheben „aber auch alle Muskeln – ob direkt oder indirekt. Beine, Rücken, Po oder Schulter“, schwört der Eisenmann darauf. Der gesamte Organismus werde beansprucht, anders als mit „normalem Fitnesstraining“.

Dennoch will Harry Barth den Fitnesssport absolut nicht kleinreden: „Fitness ist sehr hilfreich gerade bei körperlichen Einschränkungen. Was das Muskelbild, die allgemeine körperliche Verbesserung betrifft, ist das immer wesentlich besser, als wenn man Schmerzmittel nimmt. Er kenne und sehe genügend Leute, auch jüngere, die da deutliche Defizite hätten. In einem Trainingsprogramm für „Normalos“ gehe es „immer in Absprache mit dem Arzt natürlich“, so Barth, um die Baustellen im Körper. „Viele haben Probleme mit Rücken, Knie, Schulter.“

Derzeit lässt sich Harry Barth zusammen mit Heidi Unruh und Sibylle Lange in Güstrow zum Reha-Sportübungsleiter/in ausbilden. „Ende 2016 sind wir damit fertig.“ Und dann will man beim TAV eine Reha-Sportgruppe anbieten. Der Verein hat einen 75 Quadratmeter großen Kursraum in der alten Brüeler Sporthalle, der seit 2015 an die Rheumaliga, die AOK und einer Physiotherapeutin (Rückenschulkurs) vermietet ist.

Auch nach vier Jahrzehnten des immer währenden Duells „Mann gegen Stange“ gehört Harry Barth längst nicht zum alten Eisen. Zum einen sagt ihm ja sein Körper Bescheid, wenn die Halle ruft. Andererseits macht ihm das gegenwärtig ganz besonders viel Spaß. Denn sein so erfolgreiches Brüeler Heber-Quintett ist wieder komplett, nachdem nun auch Pamela Szur erneut dabei ist. „Jetzt sind die Kinder so groß, so dass ich nachmittags wieder Zeit dafür habe“, erklärt die in Brüel wohnende Leiterin der Wariner Kita „Regenbogen“ gegenüber SVZ. Unter ihrem Mädchennamen Heye bereitete sie sich, trainiert von Harry Barth, einst auf die Olympischen Spiele 2000 in Sydney vor. Als der Starttraum platzte, weil sich die beste Heberin im Vorfeld verletzte und Deutschland nicht genügend Mannschaftspunkte für den Olaypiastart hatte, legte die Brüelerin bitter enttäuscht die Hantel in die Ecke.

Doch seit einigen Wochen ist Pamela Szur nun wieder eine „Eisenfrau“. Zusammen mit der Dabelerin Annett Damme sowie Ronny und Heike Junghans (geb. Alm) aus Demen. Letztere ist nach 13 Jahre Pause auch wieder eingestiegen. Heike Junghans größter Erfolg war der zweite Platz bei der Jugend-Europameisterschaft.

Bei der deutschen Meisterschaft der Masters (ab 35 Jahre) im April in Rodewisch räumte Brüel gleich vier Siege ab. Vier Titel zum 40-jährigen Jubiläum – für den Wendorfer Harry Barth ist das (Heber-) Musik in den Ohren. Und nun greift auch noch Pamela Szur wieder an. Das große Ziel in Brüel sind die Masters-Weltmeisterschaften im eigenen Land, Oktober 2016 in Heinsheim. Dafür wird in den nächsten Wochen noch viel Schweiß bei den Brüeler Eisenmännern und -frauen fließen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen