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Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 18 : Der ausgestorbene Riesenhai

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Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Carcharocles megalodon hatte mit einer Länge von 15 und 20 Metern die Dimension eines Reisebusses.

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2017 | 05:35 Uhr

Die Entwicklung der zur Ordnung der Makrelenhaiartigen (Lamniformes) gehörenden Haigattung Carcharocles ist auf das Erdzeitalter des Tertiärs beschränkt. Sie beginnt im Eozän (55,8 Mio. Jahre) und endet mit dem Aussterben der Gattung vor 2,6 Mio. Jahren, am Ende des Pliozäns. Die Entwicklungslinie dieser Haie erbrachte im Miozän (ca. 20 Mio. Jahren) den größten und damit berühmtesten Hai der Erdgeschichte, den Carcharocles megalodon, der mit einer Länge zwischen 15 und 20 Metern die Dimension eines Reisebusses erreichte und ohne natürliche Feinde über Jahrmillionen in den Weltmeeren die Spitze der Nahrungspyramide besetzte.

Fundstück eines Zahns vom Carcharocles angustidens aus der Kiesgrube Consrade.
Fundstück eines Zahns vom Carcharocles angustidens aus der Kiesgrube Consrade. Foto: Roland Güttler

Es wird vermutet, dass „Megalodon“ neben dem haispezifischen Nahrungsspektrum (Fische, Robben, Schildkröten usw.) große Beutetiere wie Zahn- und Bartenwale als Nahrung bevorzugte. Hinweise ergeben sich aus Bissspuren an überlieferten fossilen Walknochen. Fossile Reste diese Haies, die sich weitgehend auf seine dreieckigen, bis 20 Zentimeter langen, rasiermesserscharfen und mit einer Sägekante versehenen Zähne beschränken, gehören weltweit zu den absoluten Seltenheiten in tertiären Sedimenten und sind bei Fossiliensammlern heiß begehrt.

Bereits im Oberoligozän (28 bis 23 Mio. Jahren), der Bildungszeit des Sternberger Gesteins, machte ein naher Verwandter und Vorläufer des „Megalodon“, der Carcharocles angustidens das damals seichte subtropische Meer unsicher. Mit einer maximalen Länge von „nur“ 10 Metern erreichte er zwar nicht die Größe seines Nachfolgers, war damit aber deutlich größer als der heutige Weiß- oder Menschenhai (Carcharodon carcharias).

Konglomeratisches Handstück aus der Sammlung Andreas Grant, Schwerin, das 1992 in Kobrow gefunden wurde.
Konglomeratisches Handstück aus der Sammlung Andreas Grant, Schwerin, das 1992 in Kobrow gefunden wurde. Foto: privat

Fossile Relikte dieser Haiart beschränken sich auch hier weitgehend auf die Zähne, die mit denen des „Megalodon“ vergleichbar, aber mit max. 10 cm Länge deutlich kleiner sind. Funde in oligozänen Sedimenten Europas bzw. Deutschlands und auch im „Sternberger Kuchen“ gehören zu den absoluten Seltenheiten. Komplette, unbeschädigte Exemplare sind mir bisher aus der Kiesgrube Kobrow nicht bekannt. Das auf dem kleineren Foto gezeigte konglomeratische Handstück aus der Sammlung Andreas Grant, Schwerin, welches 1992 in Kobrow gefunden wurde, zeigt mit einem Durchmesser von 5 cm ein Zahnfragment mit beschädigter Wurzel und Krone, welches auf Grund seiner Größe einem Hai aus der Carcharocles-Gattung zugeordnet werden kann. Ein weiteres beschädigtes Exemplar (nur Krone) ohne genaue Fundortzuordnung soll sich im Heimatmuseum Sternberg befinden. Die zweite Abbildung zeigt als einmalige Rarität, ein Handstück eines in der Kiesgrube Consrade bei Schwerin gefundenen Sternberger Gesteins, das einen nur an der Spitze der Krone leicht beschädigten 6 cm großen Zahn vom Carcharocles angustidens zeigt. Das Fundstück befindet sich in der Sammlung der Parchimer Dipl.-Geologin Karina Thiede und ihres Ehemannes Nils.  

 

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