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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 23:35 Uhr

Warin/Pennewitt : Denkmal steht Spielplatz im Wege

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Behörden bekräftigen ihre Ablehnung des Vorhabens im Wariner Ortsteil Pennewitt. Über das in den Haushalt eingestellte Geld wird vorerst neu beraten.

von
erstellt am 14.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Ein Spielplatz für den kleinen Wariner Ortsteil Pennewitt scheint in weite Ferne gerückt, wenn nicht gar ganz abgeschrieben zu sein. Gediegene, handfeste Pläne, auf der großen, freien Fläche mitten im Dorf ein Domizil für die Jüngsten zu schaffen, hatte die Denkmalbehörde wegen des am Rande stehenden Gedenksteins für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen vom Tisch gewischt. Und ein deshalb im Juli von der Stadtvertretung beschlossener Antrag, das Kriegerdenkmal von der Denkmalliste des Landkreises Nordwestmecklenburg zu streichen, wurde im September abgelehnt.

Das bereits in den Haushalt 2017 eingestellte Geld nun für einen Kinderspielplatz unterhalb der Wohnsiedlung Am Glammsee einzusetzen, sah eine Beschlussvorlage für die jüngste Sitzung der Stadtvertretung vor. Melanie von Falken-Plachecki, Vorsitzende des Sozialausschusses, ging sofort in Widerspruch. Es sei nicht einzusehen, die für Pennewitt bestimmten Finanzen auf die Schnelle umzulenken. Sie beantrage, den Beschlussentwurf in den Sozialausschuss zu überweisen – was nach Diskussion auch erfolgte.


Auf freier Fläche genug Raum für Spielplatz


In das Wohngebiet am Glammsee müsse „händeringend“ ein Spielplatz, meinte Torsten Ries, eine Umfrage zur Gestaltung der Fläche an dem Hang vor ein paar Jahren durch das Bauamt Neukloster-Warin sei aber „wohl zu optimistisch“ gewesen. Es liege nichts vor, und so sollte das in diesem Jahr nicht benötigte Geld zur Instandsetzung der vorhandenen Spielplätze in der Stadt verwendet werden.

Bei der Hangfläche zwischen Wohnsiedlung und Glammsee gebe es ohnehin Handlungsbedarf, wie kritische Stimmen aus dem Bauausschuss meinen. An der Stelle, wo der mit Treppen angelegte Gehweg endet, sei das Gefälle mehr als doppelt so stark wie zulässig, hatte Ausschussmitglied Frank Krüger moniert (wir berichteten). Wenn das eine Gefahrenquelle sei, „werden wir uns damit befassen müssen“, räumte Bürgermeister Michael Ankermann auf eine entsprechende SVZ-Nachfrage ein.

Zurück zur Stadtvertretung: Für einen Spielplatz in dem Wohngebiet hatte Hans-Jürgen Cayé indes einen anderen Vorschlag: Es gebe dort
eine Arrondierungsfläche, die immer nur gemäht werde und sich anbieten würde.

Für Hans-Peter Gossel hat sich auch das mit dem Spielplatz in Pennewitt noch nicht erledigt. Die Begründung zu dem abgelehnten Antrag, den
Gedenkstein aus der Denkmalliste zu streichen, nennt er „Dünnpfiff“. Zum einen sei nicht, wie es darin stehe, die Eiche der Baum der Deutschen, sondern „wirklich die Linde“. Zum anderen handele es sich bei dem Baum neben dem Kriegerdenkmal in Pennewitt um eine Amerikanische Roteiche. Und die sei nach 1945 gepflanzt worden. Vorher habe dort eine Robinie gestanden. Der jetzige Baum sollte auch stehen bleiben, so Gossel, für den Spielplatz sei noch ausreichend Raum, der auch gebührenden Abstand zu dem Denkmal biete.

In der Stellungnahme des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege heißt es tatsächlich, die Eiche gelte als „deutscher“ Baum, sie sei „Sinnbild der Beständigkeit und Standhaftigkeit“ und stehe „für Tugenden, die sowohl der Nation als auch den im Krieg ums Leben gekommenen Soldaten zugeschrieben wurde“. Der Baum stelle einen „ikonographischen Bezug zur deutschen Nation“ her, die Grünfläche werde „zu einer symbolischen Grabanlage umgedeutet“. Eiche und Grünfläche würden „somit integrale Bestandteile dieses Kriegerdenkmals“, bei dem Authentizität und Integrität gewahrt seien.

„Als bedeutendes Zeugnis für die (Orts-)Geschichte liegt seine Erhaltung im öffentlichen Interesse.“ Worin das besteht, wird in der Stellungnahme des Landesamtes, um die die Untere Denkmalbehörde des Landkreises gebeten hatte, ebenfalls erklärt: „Der Begriff des öffentlichen Interesses zielt auf einen Kreis von Sachverständigen und Interessenten, nicht auf eine statistisch erfaßbare Mittelmeinung.“ Die „des Gemeinderates“ zähle ebenso wenig.

 

 

Kommentar: Auf dem hohen Ross

Überheblicher können sich Behörden nicht über Köpfe engagierter Bürger, die im Dorf einen Kinderspielplatz haben möchten, hinwegsetzen. Vor allem die Art, mit der die Ablehnung begründet wird, stößt sauer auf. Abgelehnt und basta! Nicht die geringste Andeutung, wie vielleicht ein Kompromiss im Interesse der Kinder zu erreichen wäre, ohne den Denkmalschutz zu untergraben. Wer so hoch auf dem Ross sitzt, und das noch in einer Behörde, die der Steuerzahler finanziert, braucht sich über Gegenwind nicht zu wundern. Der könnte möglicherweise von einer Bürgerinitiative kommen und diese den Bürgerbeauftragten des Landes als Verbündeten gewinnen.

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