Verfolgungsjagd in Mustin : „Das war ja hier wie in Chicago“

Wieder idyllische Ruhe in der Mustiner Seestraße nach dem mitternächtlichen Verfolgungsspektakel.
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Wieder idyllische Ruhe in der Mustiner Seestraße nach dem mitternächtlichen Verfolgungsspektakel.

19-Jähriger liefert sich rasante Verfolgungsjagd mit der Polizei durch Mustiner Seestraße

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20. Januar 2016, 14:33 Uhr

Es war gestern früh das Gesprächsthema  in der Mustiner  Seestraße. Kurz nach Mitternacht  raste erst ein dunkles Fahrzeug durch die  U-förmige, gerade einmal  300 Meter lange Straße  linker Hand am Ortseingang – von der B 104 kommend. Kurze Zeit später kam die Polizei hinterher.

Astrid Schlierkamp, die mit ihrem Lebensgefährten  erst seit drei Monaten in der Seestraße wohnt, erlebte das Ganze live.   „Es war  0.20 Uhr. Ich habe zwei junge Hundewelpen, die müssen  alle zwei Stunden raus.  Vor allem Frieda, ein fünf Monate alter  Jack Russel, ist noch nicht stubenrein.“

Die Neu-Mustinerin wollte gerade vor die Tür, da kam „plötzlich ein Auto angerast und fuhr bestimmt mit 80 Sachen hier durch. Kurze Zeit später  fuhr die Polizei mit Blaulicht  hinterher. Wir haben keine Rollläden, darum ist alles ganz schön hellhörig.“ Und so wurde Astrid  Schlierkamp Augenzeugin dieser Verfolgungjagd.

Wie  Klaus Wiechmann, Pressesprecher der zuständigen Polizeiinspektion Ludwigslust, auf SVZ-Nachfrage erklärte,  war Mustin Teil einer insgesamt rund 30 Kilometer währenden Verfolgungsjagd. Begonnen hatte alles, als Beamte des Sternberger Reviers kurz vor Mitternacht in der Parchimer Straße von Sternberg  einen mit zwei Personen besetzten Opel kontrollieren wollten. Das Kurzzeitkennzeichen war abgelaufen. Laut Wiechmann    sind die Männer „wegen Verkehrsdelikte polizeibekannt“.

 Plötzlich habe der 19-jährige  Opel-Fahrer Gas gegeben und sei geflüchtet. Die wilde Hatz von Fluchtfahrzeug  und Polizei im Schlepptau  führte durch Sternberg und weiter über Sternberger Burg, Lübzin bis nach Mustin.  Am Ortseingang setzte sich das nächtliche  „Spektakel“ in der Seestraße fort.

Eine Frau, die ziemlich am Anfang  der Straße wohnt, sagte gestern  Früh gegenüber SVZ: „Ich dachte erst, es wäre ein Krankenwagen oder so was, doch dann sah ich ein dunkles Auto und gleich dahinter die Polizei mit Blaulicht.“ Der von ihr vermutete VW Golf stellte sich dann als Opel heraus. Die Frau verfolgte den Spuk weiter, „um zu sehen, ob die wieder in Richtung Sternberg zurückfahren. Aber das geschah nicht. Also muss die Verfolgungsfahrt weiter in Richtung Rothen oder Borkow gegangen sein“, meinte sie.

Leibhaftiger Mitternachtskrimi

Und auch sonst war der leibhaftige Mitternachtskrimi gestern das Gesprächsthema in der  Seestraße. „Das war ja hier wie in Chicago“, meinte eine andere Frau. Und ein älterer Mann sagte: „Hier passiert 100 Jahre nichts und dann so was.“ In dem Tenor diskutierten gestern ebenso Jugendliche  in sozialen Netzwerken. Nach dem Motto: „Wenn schon mal etwas los ist, und dann kriegen wir es nicht mit…“ Mitbekommen hatte auch der ältere Herr nichts: „Brave Bürger schlafen zu der Zeit!“

Astrid Schlierkamp hatte erst kürzlich die Nachbarin gefragt, was denn in Mustin  so los ist. „,Privat nichts, es ist alles ganz ruhig. Nur bei der Feuerwehr wurde eingebrochen‘, sagte die – und zwei Nächte später so was!“ Die Hundehalterin  bekam Panik, rief um 0.25 Uhr  die Sternberger Polizei an. „Dort wurde mir gesagt, ich könne mit meinen Hunden gefahrlos raus.“

Die  Verfolgungsfahrt ging auf der Kreisstraße  108 in Richtung Borkow weiter.  Zwischendurch lenkte  der Fahrer den Fluchtwagen laut Wiechmann „über ein Feld und kam nach rund zwei Kilometern wieder auf die Straße zurück. Bei Borkow  kam der flüchtige Opel dann von der Straße ab und blieb zwischen mehreren Sträuchern stecken.“

 Polizei musste nur der Fußspur im Schnee nach Fahrer und Beifahrer flüchteten anschließend zu Fuß über einen Acker. Der 34-jährige Beifahrer wurde schnell gefasst. Auch der Fahrers  verriet sich. Dank des  Neuschnees brauchten die Beamten nur dessen Fußspuren folgen, die sie nach knapp drei Kilometern direkt zu ihm führten. Er hatte sich in Dabel in einem alten Auto versteckt.

Der 19-Jährige, der laut Polizei unter Drogeneinfluss stand und keine gültige Fahrerlaubnis besitzt, wurde in Gewahrsam genommen. Auch sein Beifahrer ist der Polizei – wie gesagt –  bekannt.  Nur Stunden zuvor  war er in Sternberg mit einem nicht zugelassenen und nicht versicherten Pkw erwischt worden.

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