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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

12. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Warin : „Das hier war unser Leben“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ehepaar Müller verliert sein Gartengrundstück.

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 23:29 Uhr

Morgen kommt der Sperrmüllwagen und holt alles ab. Von dem, was noch übrig geblieben ist. Kühlschrank und Couch etwa haben die Müllers über die Kirchengemeinde an Flüchtlinge übergeben. „Man muss ja nicht alles gleich wegschmeißen“, sagt Bärbel Müller aus Warin.

Wenn das Sperrmüllauto da war; dann war’s das mit dem Garten samt Häuschen drauf. Bereits am 4. Mai 2015 hatten Bärbel und Wolf-Peter Müller übers Bauamt die Kündigung der Stadt Warin zum Jahreswechsel für ihren auf dem Flurstück 83 gelegenen Garten erhalten. Freilich kam vom Amt dennoch für 2016 die neue Pachtrechnung über 80 Euro. „Da weiß einer wohl nicht, was der andere tut“, ist Bärbel Müller erbost.

Neben den Müllers wurde zwei weiteren Gartenbesitzern sowie auch dem Drachenbootverein gekündigt, der unweit der Müllerschen grünen Oase seinen Container stehen hatte. Die Stadt plant hier im Zuge des neuen Wohngebiets am Großen Wariner See den Bau von Ferienhäusern.

Die Müllers haben ihr Gartengrundstück am 13. Januar an Alexander Wittstock, im Amt Neukloster-Warin für die Bauleitplanung verantwortlich, übergeben. „Da wurde aber nur der Wasserzählerstand abgelesen“, so Wolf-Peter Müller. Er erzählt von einem Anruf des Bürgermeisters  Michael Ankermann am Morgen der Übergabe. Dieser habe  angeboten, dass  sie den Garten den Sommer über weiter nutzen könnten. „Das geht nicht mehr und wir wollen auch nicht mehr. Das Inventar ist alles raus und für den Sperrmüll zerkleinert“, begründet der 63-jährige Wariner.

Bereits im vergangenen  Oktober hatten sie  mit dem Beräumen ihres Ein-und-Alles begonnen. „Das hier war unser Leben“, verkündet Bärbel Müller mit bedeckter Stimme. Seit 1978 hatten sie und ihr Mann  ihre 400-Quadratmeter-Parzelle; 1987 wurde der Bungalow gebaut – alles selbst. Aus einem Abbruchhaus in Brüel wurden seinerzeit die Steine organisiert. Die Weiblichkeit in der Müllerschen Verwandtschaft  betätigte sich als „Trümmerfrau“, wie es Bärbel Müller formuliert. Ihr Mann, von Beruf Maurer, errichtete den 16-Quadratmeter-Bungalow. „Wir waren jeden Tag hier, haben hier schöne Feten gefeiert“, erzählt die 61-Jährige.

Und sie erinnert  daran, dass man „vergangenen August extra in der Bürgermeister-Sprechstunde war. Da bekamen wir auf unsere Frage, ob die Bebauung gleich los gehe oder  wir nicht doch noch im Garten bleiben könnten,  zur Antwort: ,Es fängt nächstes Jahr an, das Geld liegt schon auf dem Konto.‘“ Jetzt sei ihnen zu Ohren gekommen, der Investor für die Ferienhäuser sei abgesprungen.

Die Aussage von Bärbel Müller bestätigte Bürgermeister Ankermann auf SVZ-Nachfrage. Aber die Planung sei damit nicht komplett ins Wasser gefallen. Erst  am Montag habe  er „einen Planungsauftrag für den Stadtplaner gesehen“, so Ankermann.

Vom Bürgermeister wurde ihnen, so Wolf-Peter Müller, „ein anderer Garten angeboten. Doch nochmal wieder einen urbar machen, das wollen wir nicht mehr – und wenn wir damit fertig wären, wird er uns vielleicht wieder weggenommen…“, bleiben bei ihm Zweifel.

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