Schloss Neuhof : „Das Haus hat uns ausgesucht“

Der Oberösterreicher Herbert Pils und seine Tochter Nile Pils leben und arbeiten seit dem 20. Dezember 2014 auf der historischen Baustelle.
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Der Oberösterreicher Herbert Pils und seine Tochter Nile Pils leben und arbeiten seit dem 20. Dezember 2014 auf der historischen Baustelle. Fotos: Roland Güttler

Herbert und Susanne Pils leben auf der Baustelle Schloss Neuhof und restaurieren es / Ein Ort auch mit reichlich Pferde-Geschichte.

svz.de von
20. November 2015, 08:00 Uhr

Leben auf der Baustelle. Einer historischen. Das Schloss Neuhof ist seit Oktober 2012 im Besitz der aus  Oberösterreich stammenden Familie Pils. Und seit 20. Dezember 2014 wohnen Herbert und Susanne Pils zusammen mit  Tochter Nile hier.  „Wir haben  Baustellen-Weihnacht gefeiert“, so Herbert Pils. 

Jetzt gehen die  Besitzer erstmals an die Öffentlichkeit, nachdem bisher die  Objektsicherung vor Langfingern im Vordergrund stand. Wie kommt einer aus Österreich, der beruflich über Jahre nach Passau pendelte, in den hohen Norden? „Das Haus hat uns ausgesucht“, verkündet Herbert Pils  und fügt hinzu: „Aufgrund der Pferdegeschichte.“ Aufs Objekt sei man per Internet gestoßen.

Seit neun Jahren betreibt Herbert Pils per Internet „Reiter-TV“, die Geschäftsführung hat er inzwischen an die Tochter übertragen. In Neuhof hat seine Nova Curia Medien GmbH jetzt ihren Sitz.

Das erstmals im Jahr 1235 im Besitz der von Plessen urkundlich erwähnte Schloss Neuhof hat eine lange, teils berühmte Geschichte mit und um die edlen Rösser. „Schon die Plessens hatten Pferde. 1744 residierte im Schloss dann von Bassewitz, der Ur-Vater der Trakehner-Zucht und  von 1823 bis 1945 war es im Besitz der Familie von Langen“, so Pils. Der Geschichtspart ist in erster Linie  die Sache von Ehefrau Susanne. Sie fand denn auch im Schweriner Kirchenarchiv den Nachweis von der Beerdigung des zweifachen Dressur-Olympiasiegers  von 1928, Carl Friedrich von Langen, am 6. August 1934 im Neuhofer Schlosspark (siehe Hintergrund). „Der Pfarrer bekam 27,60 Reichsmark.“

Das Gut des Olympiasiegers, der gemäß seines letzten Willens in Neuhof beerdigt wurde, war  eigentlich jenes in Parow bei Stralsund. Er  war aber von seinem Neuhofer Onkel Ludwig Philipp Otto von Langen adoptiert worden.  „Weil die hiesigen von Langens keine Nachkommen hatten“, sagt Susanne Pils.

Herbert Pils will in dem Gebäude einmal u.a.  nicht nur an die von Langens erinnern, „sondern an alle Zeiten, auch die der DDR“. Hier war bis 1989 der Dorfkonsum, es lebten Familien wie die  von Gemeindevertreter Harald Lehmann drin, als der ein Kind war. Und hier wurde zu Silvester ordentlich geschwoft. Familie Pils ist denn auch weiter auf der Suche von Zeitdokumenten in Text und Bild.

Vor allem aber widmen sie sich „jeden Tag zwei Stunden“ der Sanierung ihres denkmalgeschützten Hauses. Bei zehn der 48 Räume ist man dabei. So kamen im ehemaligen Zimmer des Gutsbesitzers unter der Tapete Ausgaben der „Neuen Preußischen Zeitung“ von 1901  zum Vorschein samt  dunkelblauer Farben darunter. Diese passt zum blauen Streifen kurz unterhalb der Decke, wie ein Bordüre aussehend.

Auf die Pils’ wartet noch viel, viel Arbeit. In fünf, sechs Jahren wolle man „das Ergebnis durchgehend zeigen“, hofft Herbert Pils.

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