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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

15. Dezember 2017 | 03:51 Uhr

Jesendorf in Not : Das Ende der Fahnenstange

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Gemeinde Jesendorf muss für 2015 einen Kassenkredit von 181 000 Euro aufnehmen / Kreisumlage um satte 30 Prozent gestiegen.

von
erstellt am 12.Feb.2015 | 08:00 Uhr

„Das ist schon ein Schock. Es hat sich ein Loch aufgetan, von dem wir nicht glauben, es schließen zu können“, verkündete Jesendorfs Bürgermeister Arne Jöhnk auf der Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend zum 2015er-Haushalt. Untern Strich stehen im neuen Etat den prognostizierten Einnahmen in Höhe von 451 000 Euro Ausgaben von 632 000 gegenüber. Macht unterm Strich eine Unterdeckung von 181 000 Euro aus. Und das, nachdem Jesendorfs Etat noch im Jahr zuvor nahezu ausgeglichen war.

Jöhnk hoffte anfangs, dass sich Marion Beilfuß von der Bilanzbuchhaltung des Amtes Neukloster-Warin verrechnet hatte. Doch dem war (leider) nicht so. Ins Kontor schlagen u.a. eine um 52 500 Euro erhöhte Kreisumlage, das sind gleich 30 Prozent mehr, für Jesendorf mit seinen Ortsteilen Trams, Büschow und Neperstorf. In dem Atemzug steigt auch die Amtszulage um 21 000 Euro – und dass, obwohl der Berechnungswert laut Beilfuß „von 20,69 auf 19,66 Prozent gesenkt wurde“. Ferner erhält die Kommune 18 000 Euro weniger an Schlüsselzuweisung.

„Es ist nichts mehr da an Rücklagen, es geht nur noch über Kassenkredit“, so Beilfuß, die hinzufügt: „Um eine gewisse Fürsorge für die Bürger zu leisten, können wir morgen nicht alles einstellen. Was wollen wir noch einsparen? Mehr ist in den kleinen Kommunen wie Jesendorf einfach nicht möglich.“

Ein wenig Hoffnung gibt es freilich, dass am Jahresende das Minus nicht ganz so hoch ausfällt. Die Haushaltseckdaten beruhen stets auf der bundesweiten Steuerschätzung vom Mai. Die zweite Steuerschätzung im November fiele laut Beilfuß „zumeist positiver aus. Da kann es also auch 2015 eventuell ein bisschen mehr Geld geben. Aber darauf verlassen sollte man sich nicht.“

Zudem fällt Jesendorf, das als einzige Gemeinde im Amt 2014 einen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnet hat, wenn auch nur um neun, der Kinderreichtum von über 80 Kindern und Jugendlichen fiskalisch gesehen auf die Füße. So muss die Kommune 145 000 Euro an Ausgleichszahlungen für Kitas, Tagesmütter sowie die Schulträger zahlen. „Natürlich freuen wir uns über mehr Nachwuchs in den Dörfern“, stellt der Bürgermeister klar. Problematisch sei jedoch, man investiere „in die Ausbildung, und wenn sie dann nicht hier bleiben, haben wir es für andere Regionen ausgegeben“, so Jöhnk. „Es stimmt was am System nicht“, warf daraufhin Gemeindevertreter Andreas Klinke ein. Ins gleiche Horn stieß auch Gemeindevertreter Martin Maercker – mit Blick auf die Finanzen: „Wenn das Geld, was wir einnehmen, nicht für die Grundaufgaben, die offiziellen Pflichtaufgaben reicht, dann stimmt was am System nicht.“

Der anwesende Amtsvorsteher, Züsows Bürgermeister Manfred Juschkat, sprach sich für eine Veränderung des Sollsystems bei der Geldverteilung zwischen Gemeinden, Kreisen und zwei kreisfreien Städten aus. Derzeit bekämen „die 847 kommunalen Einheiten 39,9 Prozent der Einnahmen in MV. Das Land ist bisher nicht bereit, daran was zu ändern.“  

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