Heimatmuseum zeigt bahnbrechende Erfindung des Sternbergers : Das Behmsche Echolot ist da

Das Behmsche Echolot kurz nach der Ankunft am Gründonnerstag. Inzwischen hat es seinen Platz im Raum für die  in der Stadt geborenen Persönlichkeiten.  Roland Güttler
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Das Behmsche Echolot kurz nach der Ankunft am Gründonnerstag. Inzwischen hat es seinen Platz im Raum für die in der Stadt geborenen Persönlichkeiten. Roland Güttler

Das Behmsche Echolot zur Ermittlung von Wassertiefen - eine der bahnbrechenden Erfindungen des 20. Jahrhunderts - ist im Sternberger Heimatmuseum zu sehen. Es ist eine Leihgabe des Kieler Schifffahrtsmuseums.

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28. Mai 2013, 11:18 Uhr

Sternberg | Das Behmsche Echolot zur Ermittlung von Wassertiefen - eine der bahnbrechenden Erfindungen des 20. Jahrhunderts - ist im Sternberger Heimatmuseum zu sehen. Gegenwärtig legen die Mitarbeiterinnen Rosemari Hassel und Antje Kühl letzte Hand an, dem Echolot und anderen Dingen von Alexander Behm den ihnen gebührenden Präsentations-Platz zu geben. "Am Mittwoch oder Donnerstag soll alles fertig sein", betonte Rosemari Hassel gestern.

Aber bereits jetzt kann man die Leihgabe des Kieler Schifffahrtsmuseums betrachten. Das ca. 30 Kilogramm schwere Gerät aus dem Jahre 1927 mit den Maßen 56,7/38/17 Zentimeter und der Aufschrift "D.R.P. Auslandspatent" bleibt noch bis Oktober in Behms Geburtsstadt.

Abgeholt aus Kiel hatte Bianca Balz den "Sachgegenstand der Alltagskultur", wie die Fachleute das Echolot heutzutage einordnen. Sie ist Studentin an der Kieler Förde und zugleich Hassels Nachbarin in Dabel. Und den Transport übernahm "dankenswerter Weise die Firma Theurer als Spende. Diese sorgt im Herbst dann auch für den Rücktransport. Per Kurier wäre es wahnsinnig teuer geworden", so Antje Kühl. "Wir sind sehr stolz, das Echolot und andere Dinge wie die original Behmschen Angeln hier präsentieren zu können", ergänzt sie.

Ganz klar, dass die bedeutende Behmsche Erfindung, die sich übrigens in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, im Sternberger Museum ihren Ehrenplatz erhält. Im Heimatmuseum gibt es ein Zimmer, das in Sternberg geborenen Persönlichkeiten gewidmet ist. Und auch Alexander Behm ist hier natürlich bereits vertreten mit Foto und Dokumenten, darunter dem Ehrenbürgerbrief der Stadt vom 18. November 1930 für Dr. h.c. Alexander Behm zu dessen 50. Geburtstag.

Dieser meldete in seinem Leben - er starb 1952 in Kiel - gleich 110 Patente an. Das wichtigste aber ist zweifelsohne das Reichspatent für das Echolot mit der Nr. 282 009 vom 22. Juli 1913 "Einrichtung zur Messung von Meerestiefen … mit Hilfe reflektierter Schallwellen" (noch auf der Basis der Schallstärke bzw. Intensität des Echos). Dabei handelt es sich - wie es in der Wissenschaft gar nicht so selten vorkommt - quasi um ein Nebenprodukt. Denn eigentlich wollte Behm nach der Titanic-Katas trophe von 1912 ein Verfahren zur Ortung von Eisbergen entwickeln. Dies misslang. Dafür erfand er bei Versuchen in der Kieler Bucht das Echolot-Prinzip. Bis zum ersten wirklich brauchbaren Echolot sollten aber noch Jahre vergehen (1925). Das jetzt in Sternberg zu sehende stammt - wie gesagt - von 1927 und ist nahezu der Prototyp, mit dem das Behmsche Verfahren so richtig funktionierte.

Noch bis Herbst feiert Sternberg seinen großen Sohn, indem es ihm im Heimatmuseum diese Extra-Ausstellung widmet. Alexander Behm wurde am 11. November 1880 in Sternberg geboren, ein Jahr später zog die Familie freilich nach Rehna um, und 1883 schlugen die Behms ihre Zelte in Parchim auf, weil der Vater, Oberpostsekretär Ernst Anton Behm, ein weiteres Mal versetzt wurde. In der Eldestadt
besuchte Alexander Behm von 1891 bis 1896 das Friedrich-Franz-Gymnasium und durfte die Quarta (8. Klasse) wiederholen. Was seinem Erfindergeist keinen Abbruch tat. Gleiches gilt für sein späteres Elektrotechnik- und Physikstudium an der Technischen Universität Karlsruhe, welches Behm 1904 nach nur zwei Jahren abbrach. Dennoch wurde er von der TU als Assistent übernommen. In der heutigen Zeit wäre so etwas undenkbar! Alexander Behm - ein genialer Erfinder, der zugleich beweist: Schule und Studium sind weiß Gott nicht immer der Maßstab fürs Leben…

Das Sternberger Heimatmuseum ist bis Saisonende im Oktober jeweils von heute bis Donnerstag in der Zeit von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

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