Rarität : Das Alphorn aus Mecklenburg

Spielten das Mecklenburger Alphorn unter anderem anlässlich der Gründungsversammlung des neuen Heimatverbandes MV im Mai 2015 in Witzin: Alphornbauer Baldur Beyer (l.) aus Witzin und Klaus Schröder aus Lübzin.
Spielten das Mecklenburger Alphorn unter anderem anlässlich der Gründungsversammlung des neuen Heimatverbandes MV im Mai 2015 in Witzin: Alphornbauer Baldur Beyer (l.) aus Witzin und Klaus Schröder aus Lübzin.

Besonderes Instrument aus der kleinen Witziner Privatmanufaktur von Baldur Beyer auf der Vorschlagsliste für Immaterielles Kulturerbe.

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07. Januar 2018, 05:00 Uhr

Das Mecklenburger Alphorn aus Witzin ist als einer von sieben Vorschlägen beim dritten Bewerbungszyklus für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Unesco im Schweriner Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur eingegangen. Bis zum 15. April 2018 müssen die Länder nunmehr eine Vorauswahl treffen, sie können vier Vorschläge einreichen.


Vom 4000 Jahre alten Rinderhorn bis heute

Beim ersten Bewerbungsverfahren im Dezember 2014 wurden das Reetdachdecker-Handwerk und das Malchower Volksfest in das bundesweite Verzeichnis für das Immaterielle Unesco-Kulturerbe aufgenommen. Im zweiten Zyklus folgten 2016 das Barther Kinderfest und das Darßer Tonnenabschlagen. Und jetzt vielleicht das Mecklenburger Alphorn? Bei der Begründung des eingereichten Vorschlages geht es um den „Erhalt Mecklenburgischer Naturtonmusik mit heimischen Alphörnern“.

Der 81-jährige Witziner Baldur Beyer sorgt seit Jahren für die Renaissance des hierzulande ungewöhnlichen Instruments. Zugleich betrieb er eifrig Geschichtsforschung, ergründete die Entwicklung der Hörnerinstrumente vom 4000 Jahren alten Rinderhorn bis in die Gegenwart. Die musikalischen Tonlagen wurden extra für das Mecklenburger Alphorn entwickelt, aufgearbeitet und gepflegt.

Der Bau von Mecklenburger Alphörnern beruhe, so Beyer, „im Ursprung auf persönlichen Kindheitserfahrungen bei der Herstellung von Holzblasinstrumenten im ostpreußischen Masurenland“. Diese seien von ihm reaktiviert sowie weiterentwickelt worden und führten letztlich zum Bau des patentierten Mecklenburger Alphorns. Aktuell ist das achte Mecklenburger Alphorn aus der kleinen Witziner Privatmanufaktur fertig geworden. „Sieben aus Holz und eines aus Kunststoff. Zwei kommen noch hinzu, dann ist Schluss“, so der 81-Jährige. Der Witziner hat inzwischen auch Nachahmer gefunden, so wagte sich Sepp Jazkowski aus Zernin an sein erstes Alphorn und hat es fast fertig, kann es aber nicht spielen.

Anders Baldur Beyer: Mit dem Lübziner Klaus Schröder, Dieter Fabich aus Bollewick und dem Schweriner Klaus Wissner bildet er die Witziner Alphorngruppe.


Fritz Reuter beschrieb Alphorn in „Churr Murr“

Durch die Forschung sei inzwischen die Existenz des Mecklenburger Alphorns bewiesen. Kein Geringerer als der Mecklenburger Nationaldichter Fritz Reuter habe es beschrieben. „Und drauf gestoßen ist meine Frau Helga“, verkündet Baldur Beyer gegenüber SVZ nicht ohne Stolz. Helga Beyer las Fritz Reuters „Churr Murr“, das der Mecklenburger Heimatdichter im Jahr 1861 unter dem Buchtitel „Meine Vaterstadt Stavenhagen“ veröffentlichte. Darin ist auch vom Mecklenburger Alphorn die Rede. Reuter setzte hier übrigens dem Stavenhagener Stadtkuhhirten Kliefoth, der 1820 solch ein Alphorn blies, ein literarisches Denkmal.
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