Blutspender in Sternberg geehrt : Danke! Blut gibt es nicht künstlich

Von 25 über 50 und 75 bis zu 100 unentgeltliche Blutspenden – Auszeichnungsveranstaltung beim Sternberger DRK-Ortsverein. Gleichzeitig werden Ursula Voitzsch aus Sternberg mit 42 und der Dabeler Dieter Krüger mit 71 Spenden verabschiedet. „Ich darf es gesundheitlich leider nicht mehr“, so Krüger.  Fotos: Rüdiger Rump
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Von 25 über 50 und 75 bis zu 100 unentgeltliche Blutspenden – Auszeichnungsveranstaltung beim Sternberger DRK-Ortsverein. Gleichzeitig werden Ursula Voitzsch aus Sternberg mit 42 und der Dabeler Dieter Krüger mit 71 Spenden verabschiedet. „Ich darf es gesundheitlich leider nicht mehr“, so Krüger. Fotos: Rüdiger Rump

Der Sternberger DRK-Ortsverein lädt 65 verdiente Spender ein. Zwei Brüeler erhalten die Ehrennadel für 100 unentgeltliche Blutspenden.

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08. Juni 2016, 21:00 Uhr

Die Gründe, warum Menschen regelmäßig ohne Bezahlung Blut spenden und wie das bei ihnen angefangen hat, sind ganz unterschiedlich. Dietmar Röse aus Dabel war mit einem Kollegen mitgegangen, als er noch in Dobbertin arbeitete. Jetzt wurde er für 50 unentgeltliche Blutspenden geehrt. Der DRK-Ortsverein Sternberg hatte Dienstagabend 65 Frauen und Männer eingeladen, die im zurück liegenden Jahr ein Jubiläum erreicht haben – von 25 über 50 und 75 bis zu 100. Knapp die Hälfte kam zu der Auszeichnungsveranstaltung.

Beinahe täglich würden Verkehrsunfälle durchgesagt und dass Betroffene „gerade überleben, oft junge Leute“, sagt Röse. Ohne Bluttransfusion hätten sie keine Überlebenschance; um zu helfen, gehe er regelmäßig spenden. Das könne auch in der eigenen Familie passieren. „Und mir tut das gut. Ich warte immer schon auf die Karte mit dem nächsten Termin“, so der Dabeler. „Die Betreuung ist auch jedes Mal richtig nett.“

Das geht Holger Lohöfener aus Brüel ebenso, wie er sagt. Es sei ihm „ein Bedürfnis, anderen Leuten zu helfen“. Wie notwendig das sei, bekomme er fast täglich mit durch seine Frau, die Ärztin sei. „Ich hatte selbst schon eine OP. Dafür wurde zwar kein Blut benötigt, aber wer einen Unfall hatte und auf kein eigenes wie bei einer lange geplanten OP zurückgreifen kann, braucht nun mal das von anderen.“ Auch der Brüeler erhielt die Ehrennadel für 50 unentgeltliche Spenden.


Das Blutspenden bleibt anonym


„Helfen, ohne zu fragen, wem“, dieser Satz von Henry Dunant (1828-1910), Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, treffe voll und ganz auf das Blutspenden zu, sagt Ulrike Hunz, 1. Vorsitzende des Sternberger DRK-Ortsvereins. Dr. Wolfgang Stangenberg, Geschäftsführer des DRK-Blutspendeinstituts MV in Neubrandenburg, führt den Gedanken weiter. Mancher wüsste gern, wer sein Blut erhalten habe und ob derjenige inzwischen wieder gesund sei, doch Blutspenden bleibe anonym. Nach gelungenen Knochenmark- oder Stammzellenspenden würden sich mitunter Spender und Patient später einmal treffen, und solche Begegnungen seien sehr emotional. Für Blutspender sei es anonymer Dank, Ehrennadel, Urkunde und Einkaufsgutschein sollten eine kleine Anerkennung sein, wenn das auch „nicht viel ist für das, was geleistet wurde“, so Stangenberg. Das Institut sei Vermittler zwischen Spender und Patient. Dazwischen würden viele Schritte liegen. Das Blut werde nach strengen Vorschriften untersucht und aufbereitet. Es sei wahrhaft „unersetzlich“, die Wissenschaft bringe „auf unabsehbare Zeit kein künstliches Blut“ hervor. Ohne das von Spendern würden zahlreiche Menschen heute und künftig nicht leben können.


Bei 100 soll nicht Schluss sein


Unter den Geehrten gibt es diesmal zwei Hunderter. Ralf George aus Brüel konnte auch kommen. Ende der 1970er-Jahre habe er in Sternberg
begonnen. Nach dem Umzug 1982 nach Brüel nehme er die Termine dort war. „Aus humanitären Gründen und immer unentgeltlich“, wie der 59-Jährige betont. „Ich wollte das einfach.“ Außerdem werde der Körper dadurch trainiert. „Wenn ich selbst mal in Gefahr bin, bildet der Körper schneller Blut.“ Das wünsche sich keiner, doch davor gefeit sei niemand. „Und mir geht es immer gut dabei. Ich merke auch nichts, die Ader ist immer auf Anhieb getroffen worden“, fügt George lächelnd an.

Hans-Werner Lübcke, der zweite Hunderter und ebenfalls aus Brüel, erreichten wir gestern am Telefon. Er habe sogar noch seinen Spenderausweis mit dem ersten Eintrag: 18. November 1971 in
Johanngeorgenstadt. „Unser Stammbetrieb, Geologische Erkundung, war in Schwerin, die Berufsschule im Erzgebirge.“ Von dort habe er auch den regelmäßigen Saunabesuch mitgebracht. Dem sei er gleichfalls treu geblieben, „für die eigene Gesundheit, dem Blutspenden, um anderen Leuten zu helfen“. Früher habe er das, so Lübcke, vier- bis fünfmal im Jahr geschafft. So oft gelinge das nicht mehr, doch er gehe weiter gern, solange es gesundheitlich möglich ist. Darin stimmen beide Brüeler überein – bei 100 sei nicht Schluss.

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