zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. November 2017 | 07:52 Uhr

Warin : Dank spitzem Bleistift im Limit

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Warin muss auf Rücklagen zurückgreifen und das Haushaltssicherungskonzept fortschreiben. Die freiwilligen Leistungen der Stadt sind seit Jahren konstant geblieben.

von
erstellt am 10.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Die Erhöhung der Grundsteuer A bringt in diesem Jahr rund 6000 Euro mehr ein. Bei der Hundesteuer sind es 5000 Euro, listet Bürgermeister Michael Ankermann auf. Die Stadtvertretung hatte die Sätze ab 2017 angehoben, um die kommunalen Einnahmen leicht zu steigern. Einsparungen im Haushalt gibt es durch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED. Die Kosten wurden von 40 000 Euro im Jahre 2012 nahezu halbiert auf 21 000 Euro im Vorjahr. Der Bürgermeister hat seinen Repräsentationsfond von bislang 4000 Euro selbst um 500 Euro gekürzt. Warin muss wie andere Kommunen in beide Richtungen mit spitzem Bleistift rechnen. Nach einem Haushaltssicherungskonzept für 2011/2012, das bis auf eine Ausnahme in den Jahren darauf fortgeschrieben wurde, bleibt erneut nur dieser Weg, um auf absehbare Zeit zu einem ausgeglichenen Haushalt zu gelangen; die Stadtvertretung stimmte zu.


Viele Rücklagen aufgebraucht


„Es ist nicht das erste Mal, dass uns ein Korsett auferlegt wird, damit wir nicht über die Stränge schlagen“, wie Stadtvertreter Hans-Peter Gossel sagt. „Für dieses Jahr ist nun alles klar, aber 2018 werden wir wohl nicht um einen Nachtragshaushalt herumkommen, zumal es Neueinstellungen gegeben hat“, fügt er nachdenklich an. Gossel meint die für Bauhof und Friedhof (SVZ berichtete). Die seien zur Erfüllung der Pflichtaufgaben notwendig gewesen, erklärt der Bürgermeister. „Um die Pflichtaufgaben kommen wir nicht herum, bei den freiwilligen Leistungen müssen wir gegebenenfalls im Einzelfall entscheiden. Die sind seit Jahren konstant“, so Ankermann. Aber gerade hier zu sparen, mache für ihn keinen Sinn. Das seien vier Prozent des Haushaltsvolumens. „Sich daran reich sparen zu wollen, das kann es auch nicht sein.“

In den letzten Jahren seien Rücklagen aufgebraucht worden, stellt das Stadtoberhaupt fest, allein in diesem Jahr 165 000 Euro. „Wir haben viel gebaut. Selbst bei Vorhaben, die gefördert werden, braucht die Stadt Eigenmittel, zum Teil aus dem laufenden Haushalt, aber auch aus der Rücklage“, sagt Ankermann. Sprudelnde Steuerquellen kämen leider nicht in den Kommunen an.

Die Aufwendungen im diesjährigen Haushalt summieren sich auf etwa vier Millionen Euro. Größte Investition ist der Neubau der Kindertagesstätte „Die kleinen Sandhasen“ in der Friedensstraße. Beim Obergeschoss seien wegen der Nässe im Sommer knapp zwei Wochen Zeitverzug entstanden, weil mit Holz gebaut wird. Das angepeilte Ziel, die Kita bis Ende Februar 2018 fertig zu stellen, bleibe aber erreichbar. Für das Vorhaben sind 2,7 Millionen Euro veranschlagt. Fast 1,9 Millionen fließen aus Fördermitteln. Für den Eigenanteil von 820 000 Euro hat die Stadt einen zinsgünstigen Kredit über eine Million Euro aufgenommen. Das bedeute etwas Luft für den Haushalt, wenn das Darlehen nicht komplett für diese Investition gebraucht werde, rechnet der Bürgermeister. So seien noch die Anschaffung eines Teleskop-Radladers für den Bauhof sowie eines VW-Busses für die freiwillige Feuerwehr geplant. Die Feuerwehr sei dann für die nächsten Jahre technisch gut aufgestellt. Der Brandschutz , fügt Ankermann an, sei schließlich eine Pflichtaufgabe der Kommune.

„Der Haushalt ist dick, es summieren sich viele Kleinigkeiten“, gibt der Bürgermeister zu bedenken. Warin müsse zum Beispiel viel Geld für die Sicherheit an Straßen und Wegen ausgeben, etwa um Totholz aus großen, alten Bäumen zu entfernen. Für den dringend nötigen Baumpflegeschnitt in der Lindenallee, die als schmalste Lindenallee in MV gilt, sei ein Förderantrag gestellt worden. „Hier reden wir über keine Kleinigkeit. Da kommen bestimmt über 10 000 Euro zusammen.“ Auch in den Ortsteilen könnte bei einzelnen Bäumen Gefahr drohen.

Oder: Auf dem Tisch des Bürgermeisters liegt gerade die Rechnung einer Fremdfirma für das Schreddern auf dem Kompostierplatz. Hier sind 6132 Euro gegenzuzeichnen. Zumindest einen Teil dieser Arbeiten könnten künftig die Mitarbeiter des Bauhofs mit dem vorgesehenen Radlader selbst erledigen.

Derzeit gebe es Gespräche zur Unterhaltung des Sportplatzes, die „anspruchsvoll, aufwändig und damit teuer“ sei. Allein der Rasen brauche zuweilen zweimal pro Woche Pflege, habe er erfahren, so
Ankermann. Bedingungen für den Breitensport zu schaffen, sei städtische Aufgabe, und nun werde nach einer „geeigneten vertraglichen Gestaltung“ gesucht, die einen ordentlichen Zustand und die Bespielbarkeit für die Fußballer gewährleistet, aber auch für andere Vereine und die Schule. Möglichst zum 1. Januar 2018 soll der Vertrag in Kraft treten.

Dank spitzem Bleistift liege Warin im Limit, bekräftigt der Bürgermeister. Die Zukunftsfähigkeit der Stadt mit ihren Ortsteilen zeige sich in der Selbsteinschätzung nach dem Gemeindeleitbildgesetz mit 78 der 100 möglichen Punkte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen