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Eröffnung der Eisbadesaision : Dampfende Winterschwimmer am Roten See

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Es rauchte und dampfte bei trockenem Wetter am Sonntagnachmittag am Roten See. Jörg-Peter Krüger lud unerschrockene Wasserratten ein zum Schwimmen in das zwei Grad Celsius kalte Wasser.

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erstellt am 20.Dez.2011 | 12:37 Uhr

Brüel | Es rauchte und dampfte bei trockenem Wetter am Sonntagnachmittag am Roten See. Das war eine Supergaudi, die Jörg-Peter Krüger zum Winter-Anbaden veranstaltete. Er lud unerschrockene Wasserratten ein zum Schwimmen in das zwei Grad Celsius kalte Wasser in den Roten See.

Sieben Frauen und Männer - Anhänger des Eisbadens - folgten der Einladung und schwammen mit dem 51-jährigen Krüger zum Tannenbaum, der auf einem Floß im See zum ersten Advent aufgestellt worden war. Zur Erwärmung gab es hier für jeden einen kleinen Schnaps. Wieder zurück an Land stiegen die Wasserratten in den beheizten Whirlpool. Den hat Krüger erstmals aufstellen lassen, um seinen badenden Wintergästen an diesem Tag einmal etwas Neues, Schönes zu bieten. Platzwart Eckhard Rau sorgte für die nötige Dauertemperatur von 35 Grad im dampfenden Whirlpool und legte Buchenholzscheite nach. Auf einem Brett stand ein Gläschen Sekt für jeden Bader bereit.

"Ich habe vor zwei Jahren auf der Mela den Whirlpool entdeckt, den man mieten kann, und fand, dass es eine gute Idee für das Winteranbaden sei", erzählte Krüger und schmauchte sich eine Zigarre an. Eingemummelt in warme Sachen standen Schaulustige am Strand. Bernd Greilach hatte die Fotokamera gezückt und hielt dieses erstmalige Ereignis im Bild fest. Seine Mutter Gerda Berft war mit dabei und genoss den warmen Pool gemeinsam mit den anderen Mitschwimmern. Die 63-Jährige springt seit elf Jahren in die kalten Fluten und macht seit zehn Jahren beim Winteranbaden im Roten See mit.

Uwe und Regine Neumann sind längst abgehärtete Winterschwimmer. Seit 26 Jahren gibt es für die Sternberger kein Zittern vor niedrigen Wassertemperaturen. "Mein Arzt sagte damals zu mir, dass ich täglich schwimmen gehen soll, auch im Winter, dann regelt sich alles von alleine. Und das tat es auch bis jetzt", erzählte Regine Neumann.

"Winterbaden ist eine Sache, die im Kopf passiert. Ich erinnere mich, ich hatte eine Freistunde und bin von der Schule aus an den Sternberger See gegangen. Ins Wasser ging ich ja täglich. Auch am Vortage war ich da. Nun aber plötzlich war das Wasser angefroren. Ich zerstieß die Eisdecke und bin trotzdem ins Wasser gegangen. Seitdem bin ich - seit 18 Jahren - Eisbader und gehe morgens um sieben Uhr zum See ", erzählte Erika Knorr. Die 72-Jährige meint, dass man dafür im Alter die nötige Zeit hat. Nach dem täglichen Baderitual wandert sie drei Kilometer. "Sonst fehlt was. Wenn ich das nicht tue, friere ich und mir juckt das Fell", lachte sie und hatte sich längst in ihre warmen Sachen gehüllt.

Frank Samland ist Dauercamper. Der selbstständige Raumausstatter aus Schwerin stieg am Sonntag ebenso wie Jörg-Peter Krüger noch ein zweites Mal kurz in die Fluten und wieder zurück in den Whirlpool. Das piekt richtig auf der Haut und wärmt schön durch, so der Tenor der beiden unerschrockenen Männer.

Wenn man 30 wird, muss man was gegen das Alter machen, dachte sich Willi Meyer und entschloss sich, Dauerbader zu werden. Seit 1974 steigt der 57-Jährige ins warme und kalte offene Gewässer und hat seinen Spaß daran. Beim Winter-Anbaden ist er seit Anbeginn dabei.

Willi Ferl stand wie alle anderen Gäste am Ufer und schaute lieber auf das Wasser hinaus. Der 71-Jährige chauffierte lieber seine Frau Edda zum Baden und blieb auf dem Trockenen. "Das Baden ist schön. Ich fühle mich hinterher wohl und die Bazillen sind abgetötet", schwärmte die 71-Jährige und stieg aus dem Pool.

Monika Dräger und Melanie Schmidt von der Blockhütte versorgten die Gäste mit Bratwurst vom Grill und heißem Glühwein. Jörg-Peter Krüger machte mit den Winterbadern den nächsten Termin aus: in der Silvesternacht. Dann geht es fünf vor zwölf Uhr in den dunklen, kalten See und es wird ins neue Jahr hinein geschwommen.

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