Tempzin : „Daisy“ knackt magische Grenze

In der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf wurde gestern zum ersten Mal eine Kuh prämiert, die 100 000 Liter Milch gegeben hat. Große Freude bei den Tierwirten Daniel Wöhler, Torsten Paul, Marco Ihde, Anlagenleiterin Karina Greger, Heike Mau, Auszubildende Franziska Gruel und Christine Giesler-Blum (v.l.). Für Geschäftsführer Torsten Schrein (3.v.r.) ein weiterer Beleg für die gute Arbeit in der Tempziner Milchviehanlage.
In der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf wurde gestern zum ersten Mal eine Kuh prämiert, die 100 000 Liter Milch gegeben hat. Große Freude bei den Tierwirten Daniel Wöhler, Torsten Paul, Marco Ihde, Anlagenleiterin Karina Greger, Heike Mau, Auszubildende Franziska Gruel und Christine Giesler-Blum (v.l.). Für Geschäftsführer Torsten Schrein (3.v.r.) ein weiterer Beleg für die gute Arbeit in der Tempziner Milchviehanlage.

Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf: Zum ersten Mal wird eine Kuh mit 100 000 Litern Milchleistung prämiert.

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12. Juni 2015, 20:56 Uhr

Aus Nummer 375 wurde „Daisy“. Wenn heute eine Kuh einen Namen erhält, hat das eine Bewandtnis. In der Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf, deren Milchviehanlage am Ortsrand von Tempzin steht, wurde gestern zum ersten Mal eine Kuh prämiert, die 100 000 Liter Milch gegeben hat. Die Auszeichnung nimmt der Landeskontrollverband (LKV) für Leistungs- und Qualitätsprüfung Mecklenburg-Vorpommern vor. Er gliedert sich in
16 Kontrollvereine; der in Güstrow betreut die Betriebe im Sternberger Seenland. Und da ist es üblich, ein Zeichen zu geben, wenn eine Kuh in Kürze die wahrlich magische Grenze überschreitet und zu ihrem Ehrentag einen Namen braucht.

Daisy hat sieben Kalbungen hinter sich, „drei Mädchen und drei Jungen“, sagt Geschäftsführer Torsten Schrein liebevoll. Hinzu komme eine Totgeburt, die sich selbst bei größter Fürsorge leider nie ausschließen lasse. Die männlichen Kälber werden nach 14 Tagen, sobald sie transportfähig sind, an Bullenmäster verkauft, die „Mädchen“ bleiben alle zur Reproduktion des Milchviehbestandes im Betrieb.


„Die Tiere müssen sich wohl fühlen“


Das Durchschnittsalter der Herde liegt bei fünfeinhalb Jahren, Daisy ist bereits zwölf und bekommt ihr Gnadenbrot bis zum Lebensende, selbst wenn keine Milch mehr fließt, versichert Schrein. Das Lebensalter der Kühe sei ein enormer wirtschaftlicher Faktor. Je weiter es ansteige, umso geringer seien die Kosten. Es werde weniger Nachzucht gebraucht, so dass auch weibliche Kälber verkauft werden könnten.

Eine entscheidende Rolle würden die Haltungsbedingungen spielen. „Die Tiere müssen sich wohl fühlen. Das danken sie mit hoher Milchleistung, Gesundheit und Langlebigkeit“, so Schrein. Der Betrieb sei dabei auf gutem Weg. „Wir haben immer darauf geachtet und uns bemüht. Und der Umbau der Ställe hat auch viel getan.“

Vor ca. zwei Jahren wurde der für die Milchkühe fertig. „Kein Tier ist angebunden, es sind alles Laufställe“, sagt der Geschäftsführer. Als ebenso wichtig sieht er die Lüftung. Die Windschutznetze lassen sich bei entsprechender Witterung komplett hochfahren, so dass die Tiere in frischer Luft stehen und nur noch ein Dach über dem Kopf haben. Im Frühjahr und Spätherbst werden die Seitenwände etwa bis zur Hälfte geöffnet. „Zusätzlich haben wir Ventilatoren eingebaut für den Fall, dass bei großer Hitze die Luft unter dem Dach steht“, fügt Schrein hinzu. Zudem seien 2014 auch die Jungrinder-, Kälber- und Abkalbeställe modernisiert worden.

Die LWG hält 400 Milchkühe sowie 320 Jungrinder. Die Stallkapazität ist größer als zum Ausschöpfen der Milchquote nötig war. Nachdem es die nicht mehr gibt, wollen die Zahrensdorfer die Zahl der Kühe auf 500 aufstocken, vollständig aus eigener Nachzucht. „In zwei Jahren könnten wir so weit sein“, rechnet Schrein.


Betrieb produziert alles Futter selbst


Die Milchleistung pro Kuh liege derzeit bei 9400 Kilogramm im Jahr. Erklärtes Ziel seien 10 000 Kilogramm. Der Betrieb hat bereits eine enorme Entwicklung hinter sich. Vor zehn Jahren seien es knapp 8000 Kilogramm gewesen, zur Wendezeit um die 5000 Kilogramm, für DDR-Verhältnisse schon ganz beachtlich. Zu der Zeit sei er mit frischem Diplom von der Universität Rostock gekommen, erinnert sich Schrein. Er habe Glück gehabt, als junger Absolvent in dem gut laufenden Betrieb unterzukommen. Seinerzeit sei an die heutige Futtergrundlage gar nicht zu denken gewesen. „Silage, Heu und ein bisschen Mischfutter, das war’s.“

Jetzt stehe theoretisch alles zur Verfügung, es müsse nur bezahlt werden. Der Zahrensdorfer Betrieb produziere alles Futter selbst – Mais- und Grassilage, Heu und Weizen als Kraftfutter. Lediglich Rapsextraktionsschrot werde als Eiweißkomponente zugekauft, Soja aus Kostengründen seit zwei Jahren nicht mehr eingesetzt. Mineralstoffe und Pflanzenfette ergänzten die ausgewogenen Rationen.

Vor Daisy habe übrigens schon mal eine Kuh aus der Tempziner Anlage an den 100 000 Litern geschnuppert, doch das sei im Tagesgeschäft leider untergegangen, so dass sie kurz vorher zum Schlachten geliefert wurde. Das werde nicht wieder passieren: Im nächsten Jahr soll die nächste Superkuh einen Namen bekommen.

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