Sternberg : „Da orgelt man zum Saxofon“

Konzert in Sternberg mit Walcker-Orgel und Saxophon: Jens Goldhardt (l.) und Ralf Benschu.
Konzert in Sternberg mit Walcker-Orgel und Saxophon: Jens Goldhardt (l.) und Ralf Benschu.

Orgelsax in der Sternberger Stadtkirche: Ralf Benschu & Jens Goldhardt begeisterten das Publikum.

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19. Juni 2015, 22:08 Uhr

Was ist Orgelsax?, werden sich diejenigen fragen, die noch nicht in einem Konzert von Ralf Benschu und Jens Goldhardt waren. Die ganz einleuchtende Antwort der Künstler selbst dazu: „Orgelt man zum Saxophon, entsteht zweifelsfrei Orgelsax“.

Seit einem Jahrzehnt „orgelsaxen“ Ralf Benschu (bekannt als Musiker der Band KEIMZEIT) sowie Jens Goldhardt (Kirchenmusiker an der Margarethenkirche Gotha) und haben etwas ganz Eigenes entwickelt; Musik, die Genres verschmelzen lässt, die scheinbar Gegensätzliches zu ganz neuen, spannenden Klangwelten verbindet.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Duo in Sternberg in einem vollen Gotteshaus das Publikum begeistert, und so war es auch am Mittwochabend. Von geistlichen Liedern aus dem 15./16. Jahrhundert bis zur Neuzeit spannte sich der Bogen des ausgewählten Repertoires.

Einen klanggewaltigen Auftakt gab es mit Werken von Astor Piazolla. Tango-Rhythmus auf der Orgel! Wie Akkordeonbegleitung kam es von der Empore. Das Clarinetten-Register der Orgel machte es möglich, wie Jens Goldhardt interessierten Besuchern nach dem Konzert erklärte. Dann ein Jahrhunderte-Sprung zurück, Barockmusik auf Saxophon mit der viersätzigen Sonate vom 1773 in Potsdam verstorbenen Johann Joachim Quantz. Dieser war als Hofkomponist von Friedrich des Großen u.a. dessen täglicher Flötenlehrer.

Bei den „Jewish Tunes“ wippten hier und da schon mal die Füße in den Publikumsreihen mit. Mit Sopransaxophon und rhythmischer Orgelbegleitung, Stufe um Stufe das Tempo steigernd, fingen sie Poesie und Emotionalität der jiddischen Lieder ein.

Eigentlich gab es in diesem Konzert nur Höhepunkte, ob die Psalm-Fantasien, die besinnlichen „Remembrances“ aus „Schindlers Liste“, der träumerische Piazolla-Walzer –, alles in beeindruckenden, besonderen Arrangements für „Orgelsax“.

Mit „Meditation“, einer eigenen Komposition des Saxophonisten, wurde dem Publikum noch einmal ein ganz besonderes Klangerlebnis beschert, Bewegung im Raum während des Musizierens. Von der Empore wanderte der Klang des Saxophons mit Ralf Benschu durch den Mittelgang zum Altarraum. Das Zwiegespräch der Instrumente in sich verändernder Distanz ließ die akustischen Möglichkeiten der Kirche in einer besonderen Weise erleben, fast sphärische Klänge inspirierten da eigene Empfindungen.
Standing ovations ernteten die Musiker vom begeisterten Publikum. Mit einer beeindruckenden Zugabe von jazzig bis besinnlich, „Hit the Road Jack“, mündend in das Kirchenlied „Hilf, Herr meines Lebens“, bedankten sie sich. 






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