Friedhofscheck : Da kann man sich begraben lassen

Der Friedhof in Groß Tessin bei Neukloster mit Seeblick ist einer der schönsten in der Region. Auf der Nordseite der gotischen Backsteinkirche mit historischen Grabsteinen wird heute nicht mehr bestattet.
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Der Friedhof in Groß Tessin bei Neukloster mit Seeblick ist einer der schönsten in der Region. Auf der Nordseite der gotischen Backsteinkirche mit historischen Grabsteinen wird heute nicht mehr bestattet.

Am 26. November ist Totensonntag/Anlass für die SVZ, sich mit damit zu beschäftigen, was nach dem Tod passiert: Der Friedhofscheck Teil I

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22. November 2017, 12:00 Uhr

Am kommenden Wochenende ist Totensonntag, in evangelisch geprägten Ländern der Tag, an dem traditionell der Verstorbenen gedacht wird. Für die SVZ Anlass, sich mit dem Tabuthema Tod und Sterben zu beschäftigen. Weil das Thema so tabuisiert wird, sind viele Menschen beim Tod eines Angehörigen oft nicht nur von der emotionalen Wucht eines solchen Ereignisses überwältigt, sondern außerdem vollkommen hilflos, was danach zu unternehmen ist. Als eine der wichtigsten Entscheidungen steht an, wie und wo der Verstorbene bestattet werden kann, und die kann in einer Situation wie dieser schnell zu einem heftigen Familienkrach führen. Unter anderem deshalb, weil nicht allzu wenigen in diesem Moment die Erkenntnis dämmert, dass Sterben heute teuer ist.

Die SVZ Sternberg möchte ihren Lesern daher in zwei Teilen Friedhöfe der Region vorstellen und so eine kleine Entscheidungshilfe bieten.

Einer der schönsten Friedhöfe in dieser Gegend ist der mit Seeblick in dem kleinen Dörfchen Groß Tessin bei Neukloster. Auf dem Gelände südlich der Dorfkirche, ein sehenswertes Beispiel mittelalterlicher Backsteingotik, kann man zwischen Erd- und Feuerbestattungen wählen. Das heißt, die Verstorbenen können sowohl in einem Sarg als auch in einer Urne begraben werden. „Es gibt auch eine Urnengemeinschaftsanlage, allerdings mit Namensnennung“, erklärt Tilman Richter, der für die Kirchengemeinde Neukloster sowohl diesen als auch den deutlich größeren Friedhof in Neukloster verwaltet. Das betont der Friedhofswärter deshalb, weil der Trend nach wie vor zu anonymer Bestattung geht. Anonym bedeutet unter anderem, dass weder Geld für einen Grabstein noch für die Grabpflege - die ja meist 20 oder 25 Jahre geleistet werden muss, denn solange dauern die sogenannten Ruhezeiten auf Friedhöfen meist - ausgegeben werden muss. Auf dem Friedhof in Neukloster gibt es auch eine Urnengemeinschaftsanlage ohne Namensnennung. „Aber ich finde, das klingt wie Müllabfuhr. Wir wollen, dass etwas von dem Menschen bleibt, der 40, 60 oder 80 Jahre über die Erde gewandelt ist. Und dass die Stelle, wo er begraben wurde, für andere wieder erkennbar ist.“ Dabei geht es Tilman Richter keineswegs um die Wirtschaftlichkeit des Friedhofs. „Ich bin hier nur Angestellter, mir kann das egal sein.“ Er legt jedem, der eine Entscheidung über die Art der Bestattung auf einem der beiden Friedhöfe treffen muss, ans Herz, unbedingt einen Beratungstermin mit ihm auszumachen. „Da finde ich gemeinsam mit den Angehörigen heraus, was sie wollen.“ Meist sei das ein Kompromiss zwischen dem Willen der Verstorbenen, soweit er bekannt ist, und dem der Trauernden. Der Friedhofsexperte weiß, dass viele Verstorbene zu Lebzeiten aus falscher Bescheidenheit den Wunsch nach einer anonymen Bestattung geäußert haben. „Weil sie nicht wollen, dass ihre Kinder oder Verwandten so viel Geld für ein Begräbnis ausgeben oder sich so viele Umstände machen oder mit der Grabpflege so viel Arbeit haben. Viele wollen, dass ihre Asche einfach verstreut wird. Aber das geht bei uns gar nicht.“

Tilman Richter geht gern mit Hinterbliebenen über die Friedhöfe und zeigt ihnen, was für Bestattungsarten es gibt und was diese kosten. „Die Kosten für eine Grabstelle sind von Friedhof zu Friedhof sehr unterschiedlich. In Neukloster reicht das von 450 Euro für ein Urnengrab bis zu 1500 Euro für ein Rasenreihengrab. Hinzu kommen noch die Gebühren für die Beisetzung selbst.“

So eine beratende Führung macht Tilman Richter übrigens auch für noch Lebende, die sich um ihr Verbleiben nach dem Tod Gedanken machen. „Ich halte das für eine wichtige Sache und freue mich, wenn die Lebenden über den Tod reden.“

Im Gegensatz zu Neukloster und Groß Tessin wird der Friedhof in Warin von der Stadt Warin verwaltet. Dort findet man auf der Website eine Friedhofs- und eine Gebührenordnung. Darin ist zu erfahren, aus welchen Orten Personen bestattet werden dürfen, dass Bestattungen in der Regel nur an Werktagen zwischen 9 Uhr und 15 Uhr stattfinden und wie tief die einzelnen Gräber zu sein haben - bei Erdbestattungen sind es von der Erdoberfläche bis zur Oberkante mindestens 90, bei Urnengräbern 50 Zentimeter. Die Grabstellen werden mit den Gebühren für 25 Jahre (Erdbestattungen) oder 20 Jahre (Urnen) bezahlt. Erdgrabstätten kosten als Wahlgrab pro Grabstelle 200 Euro, Urnengrabstätten pro Stelle 150 Euro. Ein Platz in einer Gemeinschaftsanlage schlägt für eine Erdbestattung mit 350 und für eine Urne mit 280 Euro zu Buche. Die Bestattungsgebühren betragen für Erdbestattungen 300 (Wahlgrab) bzw. 450 Euro (Gemeinschaftsanlage), bei Urnen sind es 101 bzw. 152 Euro.

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