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Ist der Hundeführerschein sinnvoll? : Chip-Pflicht für alle Hunde

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Der Tierschutzbund in MV möchte Lehrgänge für Hundehalter zur Pflicht machen (SVZ berichtete). Bislang wird ein Sachkundenachweis nur für Halter der vier im Land als gefährlich eingestuften Rassen gefordert.

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2012 | 11:33 Uhr

Sternberg | Der Tierschutzbund in Mecklenburg-Vorpommern möchte Lehrgänge für Hundehalter zur Pflicht machen (SVZ berichtete). Bislang wird ein Sachkundenachweis nur für Halter der vier im Land als gefährlich eingestuften Rassen gefordert.

Helga Kastirke, zertifizierte Hundeverhaltenstrainerin und Betreiberin einer Hundepension in Bolz, sagt Ja und Nein zu dem Ansinnen. Ihr Berufsverband beschäftige sich selbst mit dieser Thematik, sagt sie. Der Grundgedanke sei gut. Als großen Vorteil für das Tier sieht die Hundeverhaltenstrainerin, dass sich mancher die Anschaffung eines Vierbeiners dann wohl überlegen würde. Wenn sie aber an den Menschen denkt, gehe sie nicht so ganz konform mit dem Berufsverband. "Ob sich eine 70-Jährige, die einen Dackel aus dem Tierheim holt, noch diesen Stress antut, bezweifle ich", sagt Helga Kastirke.

Sie möchte vielmehr an das Umfeld appellieren. "Die Nachbarschaft sollte aufmerksam sein, wenn Einzelne Probleme mit ihrem Hund haben, ihn ansprechen oder auch das Amt informieren, das dann aktiv werden sollte. Meine persönliche Meinung: Man soll nicht alle über einen Kamm scheren", sagt Kastirke. Für problematisch hält die Hundeverhaltens trainerin, wenn die Tiere sehr vermenschlicht werden. Bevor die Entscheidung für einen Hund fällt, sollte sich der Interessent auf jeden Fall mit der Rasse beschäftigen und ihn dann auch rassespezifisch erziehen, rät Helga Kastirke.

Auch Kerstin Westhoff, die in Keez eine Hundeschule betreibt und sich um die Fundtiere im Amtsbereich Sternberger Seenlandschaft kümmert, sieht noch viel Diskussionsbedarf für einen Hundeführerschein für alle. Die Frage sei doch, wie solch ein Hundeführerschein inhaltlich aussehen soll. "Sinn macht, wenn Leute lernen, wie ein Hund tickt. Ein Hund sollte nicht abgerichtet, sondern erzogen werden. Der Besitzer muss sich fragen, was in einem Hundekopf vorgeht, denn der Hund will auch wie ein Hund behandelt werden", erklärt Westhoff.

1529 gemeldete Hunde gibt es im Amtsbereich Sternberger Seenlandschaft, davon 294 in Sternberg und 276 in Brüel. Erster Ansprechpartner für Leute, die sich einen Hund ins Haus holen, ist das Steueramt. "Die Anmeldung eines neuen Hundes sollte gleich erfolgen. Steuerpflichtig wird er, wenn er vier Monate alt ist", klärt Ingrid Bücher aus der Verwaltung auf. Das Ordnungsamt wiederum ist Ansprechpartner bei den so

genannten Listenhunden und wird aktiv, wenn es zu einem Vorfall mit einem Hund egal welcher Rasse kommt. "Was glücklicherweise aber kaum noch der Fall ist", sagt Angelika Dreßler. Beschwerden gebe es auch schon mal, weil ein Hund zu laut oder zu oft bellt, meint sie. "Wo die Nachbarschaft funktioniert, kommen keine Beschwerden. Da regelt man das im Gespräch", meint sie.

Einem Hundeführerschein für alle Besitzer steht Dreßler mit Skepsis gegenüber, gerade, wenn sie an die vielen älteren Menschen denkt, für die oftmals der Hund einzige und sehr wichtige Bezugsperson ist. "Sinnvoller wäre sicherlich eine Chip-Pflicht für alle Hunde. Auch die Fundhunde werden übers Amt gemeldet. Wäre der Vierbeiner gechipt, könnte schnell der Nachweis erbracht werden, wo er hingehört. Manchmal besteht nämlich auch der Verdacht, dass es sich nicht um einen echten Fundhund handelt", so Angelika Dreßler.

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