Sternberg : Busfahrer wieder mit voller Kapelle

Busfahrer Erhard Pöhle aus Dabel hat gerade sein 40. Dienstjubiläum begangen. Er begann am Lenkrad eines Lkw, stieg dann nach drei Jahren um, steuerte auch Reisebusse durch mehrere Länder Europas und fährt seit längerem im Linienverkehr.  Fotos: Rüdiger Rump
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Busfahrer Erhard Pöhle aus Dabel hat gerade sein 40. Dienstjubiläum begangen. Er begann am Lenkrad eines Lkw, stieg dann nach drei Jahren um, steuerte auch Reisebusse durch mehrere Länder Europas und fährt seit längerem im Linienverkehr. Fotos: Rüdiger Rump

Seit Schulbeginn fahren täglich 14 Busse von Sternberg aus, um jeden Ort der Region zu erreichen. Erhard Pöhle ist seit 40 Jahren dabei.

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04. September 2017, 21:00 Uhr

Der erste Bus fährt im Linienverkehr um 5.10 Uhr von der Haltstelle in der Bahnhofstraße über Ventschow nach Schwerin, bevor etwa ab 6 Uhr einer nach dem anderen vom Hof rollt, um den Schülerverkehr abzusichern. Der beschäftigt die Mitarbeiter im Sternberger Betriebsteil der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) am meisten. Deshalb sind die Busfahrer seit Montag wieder mit voller Kapelle zur Stelle. Ihr Urlaub fällt überwiegend in die Schulferien. Was sich so mancher in anderen Bereichen wünscht, aber fast nie verwirklicht bekommt, erfordert die Arbeit hier jedes Jahr.

In der Schulzeit werden täglich mindestens 14 Dienste gebraucht, genau doppelt so viele wie in den Ferien. Bei 16 Fahrern ist das Polster nicht allzu dick, aber das funktioniert, sagt Andreas Brandt. Er arbeitet seit 20 Jahren in diesem Betrieb, hat Kfz-Mechaniker gelernt, wurde dann Busfahrer und 2015 Fahrdienstleiter. 18 Gefährte stehen zur Verfügung, bis auf eines mit 15 Metern Länge alle zwölf Meter lang. In der Regel habe jeder Fahrer „seinen“ Bus, sagt Brandt, kümmere sich um den und pflege ihn. Im Schnitt sei jeder 220 bis 230 Kilometer pro Woche damit unterwegs. Auf etwa eine halbe Million Kilometer bringe es ein Bus,
einer habe sogar mal 700 000 geschafft.

Die Touren würden mindestens wöchentlich wechseln, doch häufig steuere ein Mann am Lenkrad sogar am Tag drei verschiedene Ziele an. Jedes noch zu kleine Dorf in der Region müsse angefahren werden, um die Mädchen und Jungen der drei Grundschulen in Sternberg, Brüel und Dabel, von Verbundener Regionaler Schule und Gymnasium „David Franck“, der Regionalen Schule Brüel und der Sternberger Förderschule aus ihren Heimatorten abzuholen und nach dem Unterricht wieder dorthin zu bringen. In der Schulzeit bietet sich damit auch für andere Fahrgäste mitunter mehrmals am Tag die Gelegenheit, den Busverkehr zu nutzen. Was für die Ferien dagegen nicht gilt.


Stoßzeiten erfordern geteilten Dienst


Ab 8 Uhr, wenn alle Schüler im Unterricht sitzen, wird es auf dem Betriebshof ruhiger. „Wir haben dann nur ein bisschen Linienverkehr“, erklärt der Fahrdienstleiter. „Die Linie 175 fährt von Sternberg nach Blankenberg, die 170 nach Schwerin.“ Für Erstere sei der Fahrplan mit denen der Bahn sowie des Busbetriebes im benachbarten Landkreis Nordwestmecklenburg abgestimmt. Wer weiter nach Wismar wolle, müsse in Blankenberg umsteigen.

Der Schülerverkehr gehe erst um Mittag wieder los. Die ersten Busse würden halb eins vom Hof fahren. 14 Uhr und 15.40 Uhr seien die weiteren Abfahrtszeiten. Letztere vor allem für die älteren Schüler. Für die meisten Busfahrer bedeuten diese Stoßzeiten, dass sie geteilten Dienst, zwischen Morgen und Mittag einige Stunden frei haben. „Man gewöhnt sich daran“, weiß Brandt noch aus den Jahren, als er selbst am Lenkrad saß. Die Fahrer kämen hauptsächlich aus Sternberg, Brüel und Dabel, hätten es also nicht weit bis nach Hause.

Das sei nicht optimal, habe aber auch sein Gutes, weil zwischendurch was erledigt werden könne, ob Arztbesuch oder Behördengang, meint
Erhard Pöhle, der Dienstälteste in dem Betriebsteil. „Er hatte gerade sein 40-jähriges Jubiläum“, sagt der Fahrdienstleiter anerkennend.

Pöhle, in Warin geboren, in Golchen aufgewachsen und seit 1982 mit der Familie in Dabel lebend, hatte beim Autobahnbau gelernt und überall in der DDR gearbeitet. Aber nur unterwegs zu sein, sei auf Dauer nichts für ihn gewesen, mit Familie „schon gar nicht“. Er habe zwei Kinder, erzählt der 58-Jährige, und inzwischen auch zwei Enkel. Drei Jahre lang sei er Lkw gefahren und dann umgestiegen. Schülerverkehr kenne er schon aus der Zeit. Nach der Wende, sagt der Dabeler, habe er „auch ein paar Reisen gefahren und einige Länder gesehen“. Er sei in Spanien, Italien, Norwegen und London gewesen, habe sich seinerzeit ohne Navi zurechtfinden müssen und auch den Linksverkehr in England problemlos gemeistert. Diese Sparte sei aus dem Betrieb ausgegliedert worden. Doch Erhard Pöhle macht auch seine jetzige Arbeit Spaß. Jetzt wünsche er sich noch weitere unfallfreie Jahre bis zur Rente.

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