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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. August 2017 | 04:35 Uhr

Zahrensdorf : Bunte Felder – gemischte Gefühle

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Klatschmohn, Kornblumen und Kamille – wir haben in der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf nachgefragt.

An manchen Feldern halten Auto- wie Radfahrer an und nehmen entzückt Kamera oder Handy zur Hand. Gegenwärtig zeigen sich vor allem im Getreide breite Streifen, stellenweise Inseln im leuchtenden Rot von Klatschmohn, besonders verbreitet vor den Toren Schwerins. Woanders hat das nicht minder kräftige Blau von Kornblumen die Oberhand. Lediglich Kamille mit den kleinen weißen Blüten hält sich ein wenig dezenter zurück. In dieser Fülle ein Anblick, der sich nicht jedes Jahr bietet. Doch die Gefühle sind gemischt: Was Passanten erfreut, treibt Landwirten Sorgenfalten auf die Stirn, wenn die Farbenpracht zu üppig wird. „So schön wie das aussieht, gewollt ist es nicht“, sagt Hans-Joachim Hogrefe, Bereichsleiter für den Pflanzenbau in der Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf.

An den Ackerkanten lasse sich jedoch damit leben. Ansonsten mindere so genannter Besatz, wie der Landwirt dazu sagt, den Ertrag, weil er bei Nährstoffen, Wasser und Licht Konkurrenz zu den
Kulturpflanzen sei. Außerdem behindere er, wenn das Korn reif ist, den Mähdrusch, erklärt Hogrefe. Das gelte übrigens genauso für Getreide, wenn das zwischen Raps wächst.

Dabei gäbe es durchaus einen Jahreseffekt, weiß Hogrefe aus Erfahrung. In manchen Jahren, wenn die Kulturen nicht beizeiten „dicht gemacht“ hätten, sei es für die Unkräuter besonders leicht. „Umso schlechter die Bestände sind, desto wichtiger wird die Unkrautbekämpfung, erklärt der Diplom-Agraringenieur. Für ihn sei das aber nicht nur das Spritzen chemischer Mittel, sondern ein ganzer Komplex. „Wir versuchen, möglichst viel, gerade auch Ungräser wie Trespen, Ackerfuchsschwanz oder Windhalm, die der Laie gar nicht erkennt, auf natürlichem Weg zu unterdrücken. Unkrautbekämpfung beginnt schon bei der Fruchtfolge“, sagt der erfahrene Landwirt. „Gleich nach der Ernte machen wir den Acker schwarz, den Stoppelsturz, damit Unkrautsamen oder Getreide, das ausgefallen ist, schnell aufläuft und bei der Bodenvorbereitung für die Aussaat vernichtet wird.“ Im Herbst, wenn Raps und Wintergetreide noch klein sind, würden dann Unkrautmittel eingesetzt. „Und im Frühjahr gucken wir dann, wo nachgeputzt werden muss. Die letzten Jahre etwa fifty-fifty“, überschlägt Hogrefe.

„Ein Landwirt ist auch Ökonom“, fügt LWG-Geschäftsführer Torsten Schrein an. „Prophylaktisch werden keine chemischen Mittel ausgebracht. Vorher wird kontrolliert, wo das notwendig ist, und danach genau dosiert. Das ist für den Betrieb doch auch eine wichtige Kostenfrage.“

Die Zahrensdorfer sind mit „sehr guten Beständen“ aus dem Winter gekommen, sagt Hans-Joachim Hogrefe. Und es habe dann keine nennenswerten Spätfröste gegeben. „Vor drei Wochen war ich noch mehr zufrieden. Danach fehlte Regen, gerade zur Hauptertragsbildung. Die kühnsten Träume sind begraben.“ Die Pflanzen würden in dieser Zeit gespeicherte Nährstoffe ins Korn weitergeben. Doch dazu brauchten sie Wasser. Vor allem Getreide habe bereits gelitten, auf leichteren Böden zeigten sich besonders in der Wintergerste Sandstellen. Bei Weizen, mit 400 Hektar die Hauptfrucht von insgesamt 1030 Hektar Getreide und Raps, habe der jetzige Regen indes noch richtig geholfen. „Für die Zuckerrüben und den Mais war er Gold wert“, fügt Hogrefe an. Und außer einigen kleinen Lagerstellen sei nichts passiert. Dagegen hätten die Wetterprognosen für gestern Abend die Heumahd zeitweilig gestoppt. Der Großteil sei eingebracht, doch einige kleinere Flächen Grünland würden aus Naturschutzgründen später gemäht, um brütende Vögel nicht zu stören. „Dieses Heu ist nicht hochwertig, doch wir sehen das als Kompromiss“, so Hogrefe. Der erste Schnitt vom Grünland sei längst eingebracht und siliert. Nun gehe es rasend schnell auf die Wintergerstenernte zu, die der Zahrensdorfer so früh wie kaum zuvor erwartet.

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erstellt am 10.Jun.2014 | 17:52 Uhr

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