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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. August 2017 | 05:12 Uhr

Groß Raden : Buga-Slawenboot vor Verfall gerettet

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

„Perun“ soll kommenden Freitag zur Museumsnacht „Burgwall im Licht“ schwimmen.

„Perun“ ist wieder aufgetaucht. Nicht der oberste Gott der slawischen Mythologie – als Feuergott der Gott des Gewitters, Donners und der Blitze. Dafür aber das nach ihm getaufte Slawenboot, welches bei der 2009er-Bundesgartenschau (BUGA) in Schwerin in aller Öffentlichkeit nach historischen Quellen nachgebaut wurde.

Daniel Wirges und Georg Sauerborn von den Wikingerfreunden aus Rheinland-Pfalz, die derzeit auf dem Freigelände des Slawenmuseums in Groß Raden lagern, waren am Donnerstag beim Kalfatern. So nennt man das Abdichten der Plankennähte von Deck und Außenhaut. „Dazu wird ungewaschene Wolle in die Ritzen geschoben“, erläutert Daniel Wirges, der seit gut einem Jahrzehnt mit Gleichgesinnten das Wikingerlager in Groß Raden aufschlägt. Sauerborn hingegen ist erstmals dabei.

Hier hatte Wirges „die Idee bei Lagerfeuer und Rotwein ein Boot zu bauen, um wie einst vor 900 Jahren damit den Rhein hoch Steine von Andernach bis ins dänische Ribe zu bringen. Doch ein neues Boot zu bauen, ist viel zu aufwendig. Da kam mir die Idee: „Kai, der Bootsbauer, hat doch eines bei der Buga gebaut. Wo ist das eigentlich geblieben?“, erzählt Museumsleiterin Heike Pilz.

Mit Kai, der Bootsbauer, ist Kai Zausch aus Zickhusen gemeint. Und seine „Perun“ fand man nach längeren Recherchen beim Schweriner Marineclub, dem das Slawenboot nach der Buga übergeben worden war. Das Boot war 2015 in einem beklagenswerten Zustand, an Land im Trockenen liegend. „Es war zum Heulen“, so Pilz. Was aber nicht als Vorwurf an den Marineclub verstanden sein soll, denn die Behandlung alter Boote ist ganz was anderes, bedarf spezieller Kenntnisse. Für die „Perun“ war es „zehn nach Zwölf“ (Pilz), was Wirges & Co. aber nicht ahnten. Ein paar Dübel erneuern und fertig, dachte Daniel Wirges, als das Boot nach einjährigen Verhandlungen übergeben worden war. Erst einmal wurde es in Groß Raden mit Steinen im Wasser versenkt. Wieder gehoben, erwies sich die Kleinreparatur als völlig nutzlos. Wirges: „Es ist untergegangen wie ein Sieb.“

Doch der Traum von der Rhein-Fahrt bis nach Ribe war damit nicht ad acta gelegt. Die Rheinland-Pfälzer kauften einen Bootstrailer und nahmen „Perun“ nach Bendorf mit. Hier wurden seitdem 1000 Arbeitsstunden reingesteckt, so mussten 200 der 300 Holzdübel, alle natürlich selbst gefertigt, erneuert werden.

Zum Wikingerlager kam das Buga-Boot am 7. August wieder hoch ins Slawenland. In Groß Raden erfolgen nun die Restarbeiten. Nach dem Kalfatern war noch das Teeren des Rumpfes angesagt – „aus einer Mischung aus Leinöl und Buchenholzteer, so wie es einst die Slawen, Wikinger oder auch Franken machten“, sagt Wirges. Zur Museumsnacht am 18. August soll es schwimmen – so Feuergott „Perun“ es will.  

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erstellt am 11.Aug.2017 | 21:11 Uhr

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