Studenten erforschen Sternberger Seenland : Buchen, Biber und Krebse im Blick

<fettakgl>73 Zentimeter Durchmesser</fettakgl> hat der Stamm dieser im Absterben befindlichen Buche im Warnowtal bei Gädebehn, v. l. Clemens Kühn (Deutschland), Gianluca Zullo (Italien), Duong Le (Vietnam) und Arturo Sanchez (Mexiko) beim Vermessen. <fotos>Michael Beitien</fotos>
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73 Zentimeter Durchmesser hat der Stamm dieser im Absterben befindlichen Buche im Warnowtal bei Gädebehn, v. l. Clemens Kühn (Deutschland), Gianluca Zullo (Italien), Duong Le (Vietnam) und Arturo Sanchez (Mexiko) beim Vermessen. Michael Beitien

52 Studenten aus Kiel erforschten den Naturpark Sternberger Seenland: Morgen werden die Ergebnisse in der Aula der KGS Sternberg öffentlich präsentiert.

svz.de von
23. Juli 2012, 11:19 Uhr

Sternberg | Als Schüler hat der Langen Brützer Robert Sommer einst die ersten Biber in der Region des Sternberger Seenlands mit ausgesetzt. Die haben sich bekanntlich inzwischen nahezu flächendeckend verbreitet. Zwei Jahrzehnte später kehrt Sommer als Doktor und Dozent des Instituts für Natur- und Ressourcenschutz der Universität Kiel zurück, um die Folgen zu erforschen. Er und eine Studentengruppe befassen sich damit, wie der Biber das Landschaftsbild gestaltet. Die Tiere nagen beispielsweise die Rinde an Bäumen ab. Mit der Zeit sterben diese ab und stürzen möglicherweise in die Flussläufe. Die Forstverwaltung in Gädebehn habe um Unterstützung gebeten, wie in Zukunft die Wege für die Paddler gesichert werden können, sagt Sommer.

Das ist nur eines von vielen Themen, die 52 Studenten vorrangig der Geographie und Agrarwissenschaften, aufgeteilt in mehreren Gruppen, derzeit zusammen mit ihren Dozenten im Naturpark Sternberger Seenland beackern.

So begutachten die jungen Leute um Dr. Andreas Fichtner die Steilhänge im Warnowtal bei Gädebehn. Sie erfassen den Wald in seiner Struktur, seine Bestände an Tot- und Starkholz, die Vegetation. "Durch die extensive Bewirtschaftung sind die Bäume sehr alt", erklärt Fichtner. Dadurch bieten sich Lebensräume für die unterschiedlichen Organismen. Die Studenten wollen das auch für Laien ästhetisch erlebbar machen. Fichtner war am Wochenende gleich mit drei Gruppen im Warnowtal unterwegs. Hier wurde fast nur Englisch gesprochen, denn die Studenten stammen aus den verschiedensten Ländern - von Honduras bis Vietnam, von Armenien bis Italien.

Eine Gruppe, in der Clemens Kühn mitarbeitet, kartiert die einzelnen Biotopbäume und Totholzvorkommen und damit Lebensräume für spezielle Tierarten. Die Studenten registrieren dabei auch, dass es in angelegten Plantagen kaum Besonderheiten gibt, diese dann aber in Richtung der Steilhänge der Warnow immer mehr zunehmen.

Anna Wright ist in der Gruppe, die sich mit der Naturnähe der Region befasst. Die Studenten erarbeiten eine Karte, die den Buchenwald in verschiedene Stufen einteilt - von dem Wald, der am nächsten an seinen Ursprung heran kommt, bis zu dem, der überwiegend nicht mehr durch einheimische Baumarten geprägt ist. Die Studenten wollen auch Vorschläge machen, welche Teile des Waldes besonders schützenswert sind.

Eine andere Studentengruppe befasst sich u.a. mit der Mosaikstruktur, der Vielfalt des Waldes, in dem Leben entsteht und Leben vergeht, wie die beiden Studentinnen Johanna Oberen und Katharina Mausolf erklären. Die Strukturen könnten einmal Besuchern erklärt werden. Nur ein Beispiel: Ein Eichhörnchen benötigt sowohl einen Baum, der Früchte trägt, als auch Totholz als Versteck. Dort baut es sein Nest.

Ziel sei es, auch ein Faltblatt für die Region zu erstellen, erklärt Naturparkchef Volker Brandt. Er sieht es als einen Vorteil, wenn jemand von außen die Region betrachtet. Er hoffe, dass durch den Einsatz der Hochschule einige Projekte aus dem Naturparkplan mehr Schwung bekommen.

Genau da setzen auch die Fachleute von der Uni Kiel an. Die Fragestellungen, mit denen sich die Studenten befassen, sind aus dem Naturparkplan hergeleitet, der bekanntlich skizziert, in welche Richtung sich das Sternberger Seenland entwickeln soll.

Eine Gruppe um Dr. Ulrich Schmölcke arbeitete so daran, das Zusammenspiel von Mensch und Landschaft in den vergangenen 5000 Jahren erlebbar zu machen - mit allen Facetten, von den Rodungen bis zum Anlegen von Parks. Ziel der jungen Fachleute ist dabei auch, existierende Hinweistafeln zu verknüpfen und Routen für entweder eine Wanderung oder eine Autowanderung zu entwickeln. Diplom-Biologin Anja Dethlefs-Hammes befasst sich mit ihren Studenten speziell mit den Krebsen. In Basthorst werden Edelkrebse nachgezogen, die auch im Naturpark wieder angesiedelt werden könnten. Doch es gibt ein Problem: In den vergangenen Jahrzehnten wurden aus Übersee Flusskrebse eingeschleppt, die eine Krankheit in sich tragen können, die heimische Flusskrebse töten kann. Es handelt sich um einen Pilz, und der wird nicht nur von Tier zu Tier, sondern kann auch schon über das Wasser übertragen werden. Da könnte es schon reichen, wenn ein Angler zunächst seine Köder in einem befallenen Gewässer auswirft und dann in einem anderen. Die Studenten wollen die konkrete Situation im Naturpark näher untersuchen. Ergebnis könnte ein Flyer sein, der Anglern Tipps gibt, so Dethlefs-Hammes.

"Wenn wir die Arten und die Natur schützen wollen, müssen wir die Leute gewinnen", versucht Dr. Sommer seinen Studenten zu vermitteln. Sprich die Eigentümer und Nutzer des Landes. Das wird auch bei einem anderen Projekt angestrebt, mit dem sich seine Studenten beschäftigen. Das Ziel: Schutz der biologischen Vielfalt der Landschaft. Da geht es beispielsweise darum, wie man die Rotbauchunke in der Ackerlandschaft schützen kann, die zwischen Teich und Wald wandert. Die Studenten haben u.a. den Auftrag, über das Thema mit Landwirten zu sprechen.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren die Studenten am morgigen Dienstag ab 14 Uhr bei einer öffentlichen Abschlussveranstaltung in der Aula der KGS Sternberg.

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