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Landwirte vor Herausforderung : Brüeler Versuchsfelder begutachtet

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Dieses Frühjahr ist für die Landwirte alles anders. Sonst setzt das Wachstum der Winterkulturen im März ein, da bestocken sich die Pflanzen, bilden Triebe, werden breiter. Doch davon war bislang noch nichts zu sehen.

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erstellt am 11.Apr.2013 | 09:57 Uhr

Brüel | In diesem Frühjahr ist für die Landwirte so ziemlich alles anders. Sonst setzt das Wachstum der Winterkulturen Anfang März ein, da bestocken sich die Pflanzen, wie der Fachmann sagt, bilden Triebe und werden breiter. Doch davon war bis gestern noch nichts zu sehen. Etwa einen Monat später beginnt normalerweise schon das Streckungswachstum, die Pflanzen gehen in die Höhe, bei Wintergerste um den 10. April, der gestern war, bei Roggen und Weizen später. Jetzt geschehe das wohl gleich, wenn die Tage endlich wärmer werden, vermutet Wolf-Dietmar Vetter, Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG. "Wir haben Glück, dass die Bestockung im Herbst gut war. Wo die wegen späterer Aussaat geringer ist, fehlen Triebe. Wie das ausgeht, wird noch spannend."

Dass es im April schneit und kalt ist, sei keineswegs ungewöhnlich, aber daran, dass die Vegetation so weit zurück liegt, könne er sich nicht erinnern. "Das hat es wohl mal gegeben, ist mir aus meinen 28 Berufsjahren als Landwirt allerdings nicht bewusst", so Vetter. Auch sein Stellvertreter Daniel Bohl, der das 13. Jahr in der Genossenschaft arbeitet, sieht die Bauern mit einer neuen Situation konfrontiert. Das mag auch ein Grund gewesen sein für die zahlreiche Beteiligung beim Hoftag in Brüel, den das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) gestern zum integrierten Pflanzenschutz orga nisierte. Der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet klinkte sich mit seinen Partnern ein und startete in das zweite Jahr der Naturschutzberatung für Landnutzer, ein landesweites Pilotprojekt, das Landwirte und Naturschützer an einen Tisch bringt. "Wir wollten diese günstige Gelegenheit nutzen. Denn wenn es jetzt wärmer wird, wächst durch Schädlingsbefall der Druck auf die Betriebe. Sie müssen ihre Entscheidungen treffen und dabei eng mit den Beratern zusammen arbeiten, denn sonst kann man vieles falsch machen", sagt Bernhard Schulz, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband.

Für Vetter und Bohl von der Wariner Pflanzenbau eG ist schon absehbar, dass die Felder in diesem Frühjahr deutlich weniger Pflanzenschutzmittel erhalten, diese jedoch umso gezielter. Was und in welchem Umfang lasse sich nicht voraussagen. "Das wird jeden Tag ein Spiel mit dem Wetter. Wir müssen den Acker beobachten und entsprechend reagieren", so Wolf-Dietmar Vetter.


Mit weniger Pflanzenschutz auszukommen, ist Ziel eines Projektes, das das Landesamt bis 2016 mit fünf Betrieben durchführt, darunter der Agrarhof Brüel. "Eine praktische Zusammenarbeit, die unheimlich viel Spaß macht", sagt Stephan Goltermann, stellvertretender Leiter Pflanzenschutz beim LALLF. Für ihn sei das nicht integrierter, sondern vielmehr intelligenter Pflanzenschutz. "Intensiv schauen und nachdenken", lautet sein Credo. Der Agrarhof Brüel habe sich schon an Projekten der Schweriner Kollegen beteiligt, so Goltermann, deshalb sei der Betrieb erneut angesprochen worden. "Für uns ist die Pflanzenschutzberatung sehr wichtig. Das Spektrum wird immer breiter, es gibt ständig neue Auflagen, die einzuhalten sind, und die Preisvergleiche helfen uns, Geld zu sparen. Man kann nicht alles wissen", umreißt Betriebsleiter Dietmar Schulz die Gründe für die Beteiligung an dem Projekt.

Der Agrarhof bewirtschaftet 1700 Hektar, davon 250 ha Grünland. Hauptkulturen sind Raps (350-400 ha), Weizen (500-550 ha) und Wintergerste (300 ha), dazu 150 ha Mais und 50 ha Zuckerrüben. Die Bodenwertzahl schwankt von 15 auf den sandigen Flächen bei Jülchendorf bis zu 50 und 60 bei Thurow. Hier wachsen auf Versuchsfeldern für den Pflanzenschutz Raps und Weizen. Die Fläche direkt an der B 104 sei ein "richtiger Mohnacker", das wissen selbst die Brüeler Nachbarn, wie Hans-Joachim Hogrefe, Geschäftsführer in der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf. Pflanzenschützer Goltermann ist mit dem Bestand recht zufrieden, erklärt bei der Begehung im Detail, was hier unternommen wurde. Ob der Rapsglanzkäfer zum Problem wird, fragt jemand. Wenn er das wüsste, so Goltermann schmunzelnd, würde er sein Geld anders verdienen. Der Große Rapsstengelrüssler, von dem ebenfalls große Gefahr für die Pflanzen ausgeht, habe den langen Winter jedenfalls gut überstanden. Er nistet sich auf Rapsacker aus dem Vorjahr ein, bleibt dort selbst bei der Herbstaussaat mit Weizen und befällt erst dann wieder den Raps.

Auf den Feldern links und rechts der Straße nach Keez sieht der Raps sehr unterschiedlich aus, wahrscheinlich wie hoch und lange Schnee lag, vermuten die Fachleute. "Wenn nur die äußeren Blätter braun sind, sieht das schlimmer aus als es ist. Davon sollte man sich nicht täuschen lassen", meint Daniel Bohl. So lange die Vegetationskegel in der Mitte, das Herz der Pflanze, am Leben seien, richte die Natur das wieder. Ähnlich wie Hobbygärtner es vom Herzblatt der Erdbeerpflanzen kennen. Auch wo längere Zeit hoher Schnee auf dem Wintergetreide lag und sich Schimmel zeigt, helfe nur Wachstum und genaue Beobachtung, sagt Stephan Goltermann. Die Gerste putze sich, wissen erfahrene Landwirte.

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